heute in bremen

„Es gibt ein Syrien vor dem Krieg“

Foto: privat

Jasmina Heritani, 36, Sprach- und Kulturwissenschaftlerin, ist in Deutschland geboren. Sie ging kurz in Syrien zur Schule, später arbeitete sie dort. Die Gründerin des Kulturfestivals Funun bekommt den Friedenspreis der Villa Ichon.

Interview Eiken Bruhn

taz: Frau Heritani, nehmen Sie auch Fotos aus Syrien nach Kriegsausbruch an?

Jasmina Heritani: Nein, wir wollen uns auf die Zeit vor 2011 beschränken – weil wir mit der Ausstellung positive Bilder hervorrufen wollen. Die öffentliche Wahrnehmung syrischen Lebens ist vom Krieg geprägt, dem wollen wir etwas entgegen setzen. Es gibt ja viele Bremer und Bremerinnen, die vor 2011 als Touristen in Syrien waren und von dort Fotos mitgebracht haben. Und wir hoffen darauf, dass auch Menschen, die aus Syrien geflohen sind, das eine oder andere Bild mitbringen konnten und uns ihre Geschichten dazu erzählen können.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Durch viele Begegnungen, in denen mir Menschen sagten, „wir waren doch auch mal da“ – wie zum Beispiel Alexander Flores und Klaus Hübotter. Wer schon einmal dort war, weiß, was die Menschen hinter sich gelassen haben.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Reisebilder ein kitschiges Bild von Syrien zeichnen?

Nein. Die Fotos, die ich kenne, wie die von Henning Scherf, zeigen ja nicht alle historische Monumente, sondern auch die Menschen in Syrien. Und jeder hat seine eigene Perspektive.

Haben Sie eigene Fotos, die Sie zeigen würden?

Aufruf Der syrische Kulturverein sucht Fotos aus Syrien aus der Zeit vor dem Kriegsausbruch. Per Mail an heritani@hotmail.de

Ja, mir gefällt eins sehr, das eine Straßenszene 2007 in Damaskus zeigt. Da sitzt ein Blumenverkäufer vor einem Geldautomat. Ich weiß, dass schon sein Vater an dieser Stelle Blumen verkauft hat – nur stand da eben noch kein Automat. Mir fällt noch ein anderes ein. Ich war mit meinen beiden ältesten Kindern 2009 in Syrien, meine Tochter war noch ganz klein und mein Sohn erst drei. Aleppo ist ja eine richtige Metropole, und er konnte nirgendwo richtig spielen, das war zu gefährlich auf den Straßen. Da sind wir immer mit ihm zur Zitadelle hoch gegangen, wo er rennen konnte und sich versteckt hat. Davon gibt es viele Fotos.

Wer wählt die Fotos für die Ausstellung aus?

Das machen wir zu dritt vom syrischen Exil-Kulturverein zusammen mit Klaus Hübotter und dem Kurator der Villa Ichon.