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Nordkorea will seine Atomtestanlage schließen

Nach dem Gipfeltreffen zwischen den beiden koreanischen Staatschefs wachsen weltweit die Hoffnungen auf eine Denuklearisierung der Region. Ob zu Recht, wird sich noch zeigen

Das Neue

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un will seine Atomtestanlage in Punggye Ri dichtmachen. Zudem seien Experten und Journalisten aus dem Ausland zur Schließung eingeladen. Dies gab ein Sprecher der südkoreanischen Regierung am Sonntag bekannt. Demnach soll Kim Jong Un sein Versprechen beim gemeinsamen Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae In im Grenzort Panmunjom am Freitag abgegeben haben. Nordkoreas Staatsmedien haben sich zunächst nicht dazu geäußert.

Der Kontext

Das innerkoreanische Gipfeltreffen am Freitag war das erste seit über elf Jahren und könnte nach Jahren der Eskalation den Ausgang für einen Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel bilden. Die beiden Staatschefs gaben nach den Gesprächen eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie sich zur „vollständigen Denuklearisierung“ bekennen. Viele Experten werten das Gipfeltreffen als historisch, wenn auch konkrete Maßnahmen zur atomaren Abrüstung ausgespart werden. Dies wird voraussichtlich US-Präsident Donald Trump bei seinem Gipfeltreffen mit Kim Jong Un forcieren.

Nordkorea hat seit 2006 sechs Atomtests in der Anlage in Punggye Ri durchgeführt, der jüngste vom 3. September 2017 war mit einer geschätzten Sprengkraft von rund 660 Kilotonnen der mit Abstand mächtigste. Laut seismologischen Messungen hat es damals mehrere Nachbeben gegeben. Chinesische Wissenschaftler der Universität der Wissenschaften und Technik in Hefei behaupteten, dass dabei Teile des Bergs kollabiert seien. Einige Medien berichten, dass die Atomanlage ohnehin nicht mehr benutzbar sei.

Zahlreiche internationale Beobachter, etwa vom kalifornischen James Martin Center for Nonproliferation Studies, lehnen diese Einschätzung jedoch ab: Es sei nur ein Hohlraum zusammengebrochen, zudem könne das Militär ohne Probleme andere Tunnelzweige in dem Gelände zu Tests nutzen. Auch Kim Jong Un habe am Freitag bekräftigt, dass das Tunnelsystem – welches er zu schließen gedenkt – in bestem Zustand sei, hieß es aus dem südkoreanischen Präsidialamt in Seoul.

Die Reaktionen

Südkoreas Präsident hat das Angebot zur Schließung der Atomtestanlage begeistert begrüßt, Donald Trump twitterte, dass sich „die Dinge gut entwickeln“. Von den meisten Nordkorea-Experten wurde als besonders bemerkenswert hervorgehoben, dass das Regime nun auch ausländische Experten zur Schließung ins Land lassen wolle. Nötig seien indes längerfristige, nachhaltige Inspektionen, um die dauerhafte Schließung der Anlage zu überprüfen.

Die Konsequenz

Im Idealfall bildet die Schließung der Atomtestanlage den Auftakt zu Nordkoreas nuklearer Abrüstung. Jedoch hat Nordkorea in der Vergangen­heit die Welt mehrfach getäuscht, etwa mit der öffentlich­keitswirksamen Sprengung des Kühlturms des Reaktors Yongbyon 2008. Später stellte sich heraus, dass das Regime heimlich weitere Urananlagen betrieb. Fabian Kretschmer