Polizeigewalt in den USA

Cops prügeln wegen roter Ampel

In Austin gehen Polizisten brutal gegen zwei Männer vor, weil sie eine rote Ampel missachten. In Marksville erschießt die Polizei einen Sechsjährigen.

Eine rote Ampel in den USA

Bei Rot eine Straße überqueren? Lieber nicht in Austin, Texas. Foto: dpa

BERLIN/CHICAGO taz/afp | Zur eigenen Sicherheit sollte man in Austin, Texas an roten Ampeln stehen bleiben. Gefahr droht hier nicht nur durch den Straßenverkehr, sondern auch durch die Polizei. Derzeit macht ein Video aus der texanischen Großstadt die Runde, in dem zu sehen ist, wie Polizeibeamten zwei Männer brutal zu Boden werfen. Auch eine Begleiterin, die sich lautstark gegen das Vorgehen der Polizisten beschwert, wird in Gewahrsam genommen.

Immer wieder rufen sowohl einer der von der Polizei Attackierten als auch die Begleiterin: „Was hat er getan?” Die Antwort eines Polizisten: „Bei Rot die Ampel überquert.“ Die Begleiterin ruft noch: „Nur weil er schwarz ist!“

Gegenüber dem Online-Magazin Raw Story sagte Rolando Ramiro, der das Video aufnahm: „Wir gingen die Straße entlang, die Ampel war rot, aber die Lichter wurden schon gelb, und die Straßen waren abgesperrt, also gingen wir weiter.“ Daraufhin habe die Polizei ihre Taschenlampen auf die Gruppe gerichtet und diese nach den Ausweisen gefragt. Als sie diese nicht zeigen wollten, hätten sich die Beamten auf die Menschen gestürzt.

Am Freitag veröffentlichte das Austin Police Department ein Statement zu dem Vorfall, der sich am selben Tag um 2.30 Uhr ereignet haben soll. Man werde intern prüfen, ob das Vorgehen der Beamten den polizeilichen Richtlinien entsprach.

Erst im vergangenen Jahr sorgte die Polizeibehörde aus Austin aufgrund eines Videos für Aufsehen. Eine Joggerin, die bei Rot die Straße überquert hatte, wurde schreiend von Polizisten abgeführt. Der Polizeidirektor erklärte daraufhin auf einer Pressekonferenz laut BBC: „In anderen Städten begehen Polizisten im Dienst sexuelle Übergriffe, daher danke ich Gott, dass dieser Vorfall in Austin, Texas als Kontroverse durchgeht.“

Sechsjähriger auf Beifahrersitz erschossen

In Marksville bei Alexandria hingegen endete das brutale Eingreifen von US-Polizisten tödlich. Zwei Beamte erschossen bei einer Fahrzeugkontrolle einen sechs Jahre alten Jungen. Sie wurden daraufhin verhaftet. Den Beamten werde Mord und versuchter Mord vorgeworfen, teilte Michael Edmonson von der Polizei im US-Staat Louisiana am Freitag (Ortszeit) mit. Der Vater des Jungen – beide Weiße – wurde bei der Schießerei lebensgefährlich verletzt.

Der brutale Vorfall ereignete sich am Dienstag. Die beiden Polizisten sollen nach einer versuchten Fahrzeugkontrolle in ein stehendes Auto gefeuert und den Jungen Jeremy Mardis auf dem Beifahrersitz fünf Mal in den Kopf und in die Brust getroffen haben. Auch der Vater, der hinter dem Steuer saß, wurde getroffen.

Die Kamera-Aufnahmen von dem Vorfall seien „die verstörendste Sache, die ich je gesehen habe“, sagte Edmonson. „Der Junge hat es nicht verdient, so zu sterben.“ Ermittler berichteten dem Fernsehsender WBRZ TV, dass insgesamt vier Polizisten versucht hätten, den Vater in seinem Auto zu kontrollieren. Der habe daraufhin in einer Sackgasse zurückgesetzt und sei auf die Polizisten zugefahren, die dann das Feuer eröffnet hätten.

Auch die zwei anderen Polizisten, die an dem Einsatz beteiligt waren, wurden suspendiert. Der Vater war demnach nicht bewaffnet, in dem Fahrzeug wurden keine Waffen gefunden. Der sechsjährige Junge war nach Angaben der Zeitung Washington Post das bisher jüngste Opfer von Polizeigewalt in den USA in diesem Jahr.

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