Frauenquote? Nein danke!

Unauffällig Chefinnen verhindern

Mit dem neuen Gesetz von Ministerin Schröder dürfen Firmen ihre Quotenregeln selbst machen. So können Frauen weiter von Chefposten ferngehalten werden. Wir erklären, wie.

Selbstbewusste, unbescheidene Frau? Schwierig. Muss man zu nehmen wissen. Nicht, dass sie Kunden verschreckt. Bild: imago/imagebroker

1. Betonen Sie öffentlich, dass Sie Frauenförderung ganz großschreiben.

Legen Sie sich ein Work-Life-Balance-Programm zu. Das geht leichter, als Sie dachten: Frauen dürfen bei Ihnen Teilzeit arbeiten - und schon sind Sie familienfreundlich und können sich vielleicht sogar ein entsprechendes Zertifikat abholen. Diese Frauen kommen für einen Aufstieg natürlich nicht mehr infrage, da muss man sich schon entscheiden.

Dann richten Sie ein Mentoringprogramm ein: Ältere Führungspersonen treffen sich mit jungen Damen zum Essen und geben wohlfeile Tipps. Wenns mit der Beförderung trotzdem nicht klappt, ist das natürlich sehr ärgerlich.

2. Augen auf bei der Bewerberauswahl!

Wenn Sie einen Posten ausschreiben, dann formulieren Sie die Anforderungen möglichst eng und genau. Viele Frauen liegen dann mit ihrer Qualifikation leider haarscharf daneben.

Das Gesetzesvorhaben: Letzte Woche wurden Teile des Gesetzes für eine Flexiquote von Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) bekannt. Soweit bisher ersichtlich, sollen Unternehmen sich für Vorstände und Aufsichtsräte selbst eine Quote setzen, mindestens aber eine Frau für jedes Gremium benennen. Wird das Ziel nicht erreicht, muss das Unternehmen lediglich erklären, warum nicht.

Angebot der Wirtschaft: Die 30 DAX-Unternehmen haben bisher nur zugesagt, Zielzahlen für Frauen in Führungspositionen, nicht aber für Vorstände und Aufsichtsräte zu benennen - und natürlich ohne Sanktionen zu verhängen, falls diese nicht erreicht werden.

Die Praxis: Unsere Gesprächspartnerinnen, allesamt Expertinnen für Gleichstellungsfragen, haben mit selbst gesetzten und vorgegebenen Quoten und ihrer Umgehung viel Erfahrung gesammelt. Profitieren Sie davon!

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Diese Betriebsanleitung entstand auf Basis von Gesprächen mit: Roswitha Bocklage, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten; Heidi Degethoff de Campos, Gender Controllerin der Technischen Universität Berlin; Martine Herpers, Chefin des Vereins "Erfolgsfaktor Frau"; Marion Knaths, Inhaberin der Coachingfirma Sheboss; Monika Schulz-Strelow, Präsidentin von FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte e. V.).

Falls Sie trotz langen Suchens leider keine Frau für diese Stelle gefunden haben, können Sie dies natürlich erst spät mitteilen. Dass die Gleichstellungsbeauftragte, so vorhanden, dann keine Gelegenheit mehr hat, selbst noch mal zu suchen, ergibt sich unerfreulicherweise aus Ihrer Gewissenhaftigkeit.

3. Nutzen Sie die natürliche Zurückhaltung der Frau!

Wenn Sie eine Frau zum Vorstellungsgespräch einladen müssen, dann achten Sie auf ihr Auftreten. Ist es etwa zu bescheiden? Nicht, dass die Arme bei Ihnen im Betrieb untergeht.

Plaudern Sie, um eine lockere Atmosphäre herzustellen, länger über den Erfolg der Firma und die tollen Möglichkeiten, die man dort hat. Falls die Bewerberin so höflich ist, Sie nicht zu unterbrechen, um für sich Werbung zu machen, ist sie zu schüchtern für den Job.

Achten Sie darauf, ob die Frau die neun Punkte herunterspielt, die sie für den Job qualifizieren, und stattdessen auf dem einen herumreitet, der ihr fehlt. Fragen Sie nicht nach den neun Qualifikationen, das muss die Frau schon selbst betonen. Männer können das doch auch!

4. Allgemeine Abwehr von weiblichen Führungskräften

Untersuchen Sie, ob die Bewerberin beim ersten Wind schon umfällt: Seien Sie aggressiv: "Warum um Himmels willen sollen wir Sie einstellen? Sie haben doch nichts zu bieten." So sieben Sie junge Talente ohne Sozialkompentenz aus. Tritt eine Frau anders auf, als Sie erwartet haben, nämlich forsch und selbstbewusst, müssen die Alarmglocken klingeln: Wollen Sie einen so schwierigen Charakter in der Abteilung haben?

Denken Sie auch an die Kunden: Würden die wirklich diese (oder eine) Frau akzeptieren?

Machen Sie neumodischen Quatsch nicht mit: keine Präsentation oder gar ein Konfliktgespräch als Aufnahmetest. Da schneiden Frauen oft besser ab als im Gespräch, in dem Männer gern ihren allgemeinen Durchblick präsentieren.

Wenn Frauen schnell zum Punkt kommen und konkret Lösungen anbieten: Bedenken Sie, dass das für eine Führungsaufgabe irrelevant ist. Hat diese Frau den großen Überblick, den es für den Chefposten braucht?

Unterschätzen Sie keinesfalls Qualifikationen, die eher Menschen ohne Familienpflichten vorweisen können: Auslandsaufenthalte, lange Publikationsliste, Kongresse. Leider sind Frauen da ja oft schwächer bestückt.

5. Der Nahkampf I:

Isolieren im Job

Haben Sie so einen Fremdkörper in Ihrem Führungsteam, dann müssen Sie vor allem die anderen Männer bei Laune halten: Loben Sie alle Leistungen ihrer männlichen Kollegen. Erwähnen Sie die der Frau nicht. Nicht, dass die sich was einbildet.

Eine Frau verhält sich oft anders als Männer. So werden Sie sicher bald zu dem Urteil kommen: Fachlich ist sie ja super, menschlich allerdings, "na ja, da muss man sie zu nehmen wissen". "Spezieller Charakter" tuts auch. Teilen Sie das zur Vorsicht in Chefrunden mit.

6. Der Nahkampf II:

Isolieren nach dem Job

Geschäfte und Karrieren werden abends an der Bar gemacht. Wenn Frauen da etwas Besseres vorhaben, können Sie denen auch nicht helfen. Man muss auch mal ein längeres Gespräch über Fußball und Autos führen dürfen. Natürlich spricht man bei diesen Themen eher die Männer an. Aber schließlich wollen Sie sich nicht verbiegen, nur weil die Frau dabei sitzt.

Ab einem gewissen Alkoholpegel können Sie den Humor der Frau testen. Natürlich werden da auch Herrenwitze gemacht. Ist eine Frau da humorlos, ist das natürlich ein Schwachpunkt.

Auch wirksam: Gehen Sie zum Teambuilding in die Sauna. Oder bergsteigen. Oder wärmen Sie Ihre Biwak-Erfahrungen aus der Zeit bei der Bundeswehr wieder auf mit einem entsprechenden Ausflug, an dem dann wohl eher die Männer teilnehmen. Das muss die Frau abkönnen, so ist es eben im Topmanagement.

7. Der Nahkampf III:

Psychologische Kriegsführung

Achten Sie immer auf den Testosteron-Überschuss im Büro: Sprüche und Witze, immer schön an der Frau vorbei. Nur weil die selbst auf den Mund gefallen ist, grollt sie jetzt? Also wirklich: Derartige schlechte Laune ist echt kein Führungsmerkmal.

Apropos: Dass Wutausbrüche bei Männern die Autorität nähren, bei Frauen dagegen als Hysterie verbucht wird, ist einfach so. Kann man schon bei Tieren beobachten, das Imponiergehabe der Männchen. Wenn die Frau sich in Ihrem Büro deshalb nicht so wohlfühlt - was soll man da machen? Bald bekommt sie Kinder, und danach werden ja ohnehin die Karten neu gemischt.

8. Einfach warten:

Das Eigentor kommt bestimmt

Die Schwangerschaft ist natürlich ein Riesenproblem. Sicher wird jede Mutter verstehen, dass man ihr da nicht monatelang den Stuhl warmhalten kann. Wer unterbricht, muss einfach damit rechnen, hinterher umgesetzt zu werden. Und dass man mit kleinen Kindern für eine Karriere zunächst nicht geeignet ist, liegt ja wohl wirklich auch auf der Hand. Da muss man die Frauen auch ein bisschen vor sich selbst schützen.

Leider beharren diese Frauen dann auch darauf, ihre Kinder pünktlich abholen zu wollen. So kann man natürlich keine Karriere machen - wenn man den Job so leicht nimmt.

9. Frauen loswerden:

Da ist die Tür

Da Frauen ja auch nicht so mit ihren Arbeitsergebnissen prahlen, werden sie natürlich auch leicht übersehen: selbst schuld. Und so ist es kein Wunder, wenn die Abteilung umstrukturiert wird und ein Job wegfällt, es dann eher der der Frau ist. Die ist ja sowieso schon halb zu Hause.

Falls Entlassungen anstehen: Treffen Sie eine faire Sozialauswahl. Den Vater einer vierköpfigen Familie müssen Sie halten. Die Frau, deren Mann doch auch einen guten Job hat, dagegen nicht. Das wird ja wohl jeder verstehen.

10. Die Exitstrategie: Lassen Sie das Gedöns hinter sich

Wenn Sie sich dies alles ersparen wollen: Heuern Sie gleich in einem Unternehmen an, das auf dem Gleichstellungsindex ganz hinten steht, zum Beispiel Metro, Henkel oder Fresenius. Das sind beispielsweise DAX-Firmen, die sich dezidiert gegen jegliche Zielzahl oder Quote ausgesprochen haben. Da werden Sie mit dem Frauengedöns also gar nicht erst belästigt.

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