Von Bomben, Moorlinsen und Kohlenwasserstoffen

Liebes taz-Bautagebuch

Alle unsere baubegleitenden Blogeinträge über die gesamte Bauphase hinweg versammelt.

Bild: E2A

1   Bombastisch

BLOGWART, 26.10.2015

In nur vier Stunden waren die ehrwürdigen, 70 Jahre alten Bäume auf dem Baufeld der taz gefällt.

29. Oktober 2015

Die taz baut ein neues Haus, knapp 500 Meter vom bisherigen Standort in der Rudi-Dutschke-Straße entfernt entsteht an der südlichen Friedrichstraße das neue Domizil für Redaktion und Verlag.

Mit einer Webcam, die auf dem Haus gegenüber des Bauplatzes installiert ist, dokumentieren wir den Fortschritt auf der Baustelle. Ab sofort wird alle 15 Minuten ein hoch aufgelöstes Foto erstellt, das Sie auf dieser Seite „live“ anschauen können. Über die Kalenderfunktion können Sie die Entwicklung tageweise zurückverfolgen.

Es ging schneller, als erwartet. Gerade einmal vier Stunden brauchte die achtköpfige Gruppe um den Bauleiter und Landschaftsgärtner Detlef Wittling, um die verbliebenen zwei rund 70 Jahre alten Japanischen Schnurbäume und eine etwas verkümmerte, ebenso alte Eiche in Stücke zu sägen und zu fällen.

Um die Schnurbäume, herrliche Parkbäume mit weit ausladender Krone, ist es wirklich schade. Eine Anwohnerin versuchte sogar in letzter Minute noch mit einem Eilantrag zu verhindern, was mit dem Bebauungsplan VI-150d seit Juni 2011 bereits Gesetz geworden war.

Insgesamt sechs Baufelder rund um die ehemalige Blumengroßmarkthalle werden in den kommenden Jahren bebaut. Aktuelle Baugruben gibt es östlich der Halle auf dem Baufeld V und südlich der Halle auf dem Baufeld IV, in der am gestrigen Sonntag eine Fliegerbombe entschärft werden musste.

Von den begleitenden Evakuierungen war auch das Redaktionsgebäude der taz betroffen, die Produktion der Montagstaz wurde provisorisch in die angemieteten Büroräume des taz-Verlages in der Charlottenstraße und im Parlamentsbüro am Schiffbauer Damm verlagert.

Anfang November, wenn die letzten Reste des Holzes und der Haufwerke, die aus dem Erdaushub der bereits abgeschlossenen Leitungsumverlegung stammen, vom Baufeld I geräumt sind, wird mit den Arbeiten an der Baugrube begonnen.

In den letzten Wochen sind an den umliegenden Gebäuden und der U-Bahn Linie 6, die unter der Straßenmitte der Friedrichstraße verläuft, Beweisdokumentationen vom Zustand erstellt worden, um das Ausmaß etwaiger Schäden durch unsere Bautätigkeit eingrenzen zu können.

2   Die Moorlinse

BLOGWART, 02.11.2015

Die Bäume sind weg, jetzt geht es dem Parkplatz an den Kragen. Doch das Ziel der nächsten Wochen liegt tiefer: die Moorlinse unter dem taz Grundstück

Die Bauarbeiten für den Neubau der taz in der Friedrichstraße gehen seit Montag mit dem Aushub der Baugrube richtig los. Zunächst wird der Beton der ehemaligen Lager und Parkplatzflächen der Blumengroßmarkthalle abgebrochen. Aus den Ergebnissen von Probebohrungen wissen wir, dass wir es unter dem taz-Grundstück mit einem besonders schwierigem Baugrund, genauer mit einer 11 Meter tiefen Moorlinse zu tun haben.

So fanden die Planer in den Bau-Archiven auch einen Beitrag aus der Fachzeitschrift „Tiefbau“, dem Organ der Tiefbau-Berufsgenossenschaft von 1922, in dem die Gründung der städtischen Untergrundbahn in der südlichen Friedrichstraße genau am taz-Baugrundstück detailliert beschrieben ist:

„An einer Stelle, etwa 10 Meter nördlich der Einmündung der verlängerten Hedemannstraße in die Friedrichstraße, fand man etwa 10 m tief im Moor liegend, eine hölzerne Brücke aus alter Zeit, die wahrscheinlich einstmals zur Überbrückung des Grabens diente und im Laufe der Zeit immer tiefer ins Moor eingesackt war.“

Wenn man vor hundert Jahren den Tunnel der Berliner U-Bahn im Moor auf Tiefbohrpfählen gründen konnte, dann wird es mit den modernen Technologien des Bauens auch möglich sein, das neue taz-Haus an diesem Ort sicher zu gründen. Mit der Ausführung der Baugrube und der Tiefgründung ist die Firma FRANKI beauftragt, ein führender Spezialist für Baugruben und Pfahlgründungen.

Wikipedia weiß über das Unternehmen übrigens folgendes zu berichten:

„Das Unternehmen hat eine mehr als hundertjährige Tradition, die mit der Erfindung eines Ortbetonrammpfahls mit vergrößertem Pfahlfuß, den Frankipfahl, begann. Im Mai 1909 meldete Edgard Frankignoul seine Erfindung zum Patent an. Gegründet wurde das Unternehmen 1910 in Belgien und damit praktisch kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Trotz der Bedrohung durch den Krieg gründete Edgard Frankignoul zusammen mit Edmond Baar, einem Aristokraten aus Lüttich, 1910 die ‚Société des Pieux Armés Frankignoul‘.“

3   Hmm, aromatische Kohlenwasserstoffe

BLOGWART, 09.11.2015

In der Tiefe des taz-Baugrundstücks wartet eine Moorlinse auf die Bauarbeiter, doch was liegt darüber? Die Antwort fällt für Berlin typisch aus: Trümmer.

Die Betonplatten der ehemaligen Parkplatz- und Lagerflächen der Blumengroßmarkthalle wurden vom taz-Baugrundstück restlos entfernt. Aber was befindet sich eigentlich darunter? Im Rahmen der Baugrunduntersuchungen (Tiefbohrungen) wurde im Jahr 2014 im oberflächennahen Bereich eine 3 – 5 m dicke „inhomogene Auffüllung“ mit hohen Anteilen an Bauschutt angetroffen.

Im Mai 2015 wurden auf dem Baufeld 6 „Baggerschürfe“ angelegt. Aus dem Aushubmaterial der Schürfe wurden Proben entnommen und im Labor untersucht. Das Auffüllungsmaterial wies eine vorwiegend durch Sulfat, PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe) und Blei bestimmte Schadstoffbelastung auf.

q: What do you think about the new building?

a: It's amazing!

Bauarbeiter

 

 

Hintergrund für die Belastungen durch PAK dürften winzige Abriebstücke von Teerpappen und/oder Brandrückstände sein, Sulfat resultiert aus Gipsbestandteilen in Stuck, Mörtel und Putz der ehemaligen Bebauung, Blei aus dem Abrieb von Rohren und Blechen. „Die ermittelten Belastungen sind für Berliner Trümmerschuttauffüllungen in der Gesamtheit relativ umfangreich, jedoch nicht außergewöhnlich“ stellen die beauftragten Geologen fest.

Für den Umgang mit solchen mineralischen Reststoffen und Abfällen gibt es Richtlinien der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA), die ein Arbeitsgremium der Umweltministerkonferenz (UMK) ist. Gefährliche Bauabfälle der Zuordnungsklasse >Z2, wie die auf dem taz-Baufeld, sind der Sonderabfallgesellschaft Brandenburg/Berlin (SBB) mittels Entsorgungsnachweis anzudienen. Die Entsorgung dieses Materials kann nach derzeitigem Stand in einer Bodenwaschanlage erfolgen.

Im Rahmen der Baumaßnahme darf kein Auffüllungsmaterial wieder eingebaut werden. Auf den Fotos der Zeitrafferkamera sieht man große Haufen von Abraum aus den neuen Gräben, die für die Leitungsverlegungen ausgehoben wurden. Gefüllt wurden sie wieder mit frischem Bodenmaterial.

Die Kosten für diesen aufwendigen Entsorgungsprozess muss die taz nur zum Teil tragen, überwiegend tritt das Land Berlin in die Kostenpflicht für derartige Kriegsfolgen.

4   Bohren

BLOGWART, 12.11.2015

Wie sicher kann man sein, dass nicht auch auf dem Baugrundstück der taz Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen liegen? Einfache Antwort: Gar nicht! Deswegen wurde der Baugrund nun intensiv sondiert.

Hinter der ehemaligen Blumengroßmarkthalle, dort, wo der weiße Kran auf einem der benachbarten Baufelder steht, wurden jüngst kurz nacheinander zwei Fliegerbomben gefunden. Aufwändige Evakuierungen und schließlich die Entfernung und Sprengung der Zünder waren die Folge. Auch die taz-Redaktion wurde zeitweise in Sicherheit gebracht, wir berichteten darüber.

Dass die verborgenen Reste des Krieges ernste Schäden anrichten, kommt glücklicherweise selten vor. Über 20 Jahre ist es her, dass in Berlin-Friedrichshain beim Einrammen einer Spundwand ein Blindgänger explodierte. Drei Bauarbeiter starben, in der Umgebung wurden zig Menschen verletzt. Nun wird der Untergrund jeder Baustelle vor Beginn von Ausschachtungen auf Kampfmittelbelastungen untersucht.

Mittlerweile haben auch die Arbeiten an der Baugrube des taz.neubau begonnen. Mit einem Sondierbohrer erfolgte zunächst die Perforierung der Linie des Randverbaus der Baugrube. Insgesamt 60 Bohrlöcher, jedes vier cm stark und fünf Meter tief, wurden im Abstand von zwei Metern gebohrt. Ein darin herabgelassener Metalldetektor sondierte im Radius von einem Meter die künftige Aushubzone. Am 11.11.2015 wurde an der Nordostecke des künftigen Verbaus ein Verdachtsfall gemeldet.

Das ist zunächst nichts Aufregendes, denn Trümmer einst dicht bebauter städtischer Fluren enthalten immer wieder auch unbedenkliche Materialien, auf die die Sonden ansprechen. Dennoch hat dann aber an dieser Stelle das Ausbaggern unter spezieller Begleitung und besonders vorsichtig zu erfolgen.

17. Dezember 2015

5   Atlas trägt taz

BLOGWART, 17.12.2015

Sehr viel zu sehen ist ja nicht auf der Baustelle. Das heißt aber natürlich nicht, dass auch nichts passiert.

Wie zuletzt berichtet, wurde aus gegebenem Anlass (zweifacher Fliegerbombenfund auf einem benachbarten Grundstück) erst mal die gesamte Strecke des Baugrubenverbaus nach metallischen Gegenständen untersucht. Bei den 60 Probebohrungen kamen drei Verdachtsfälle zum Vorschein. An diesen Stellen schürfte dann ein Bagger besonders vorsichtig unter Aufsicht einer Fachfirma. Gefunden wurde glücklicherweise nur gewöhnlicher Schrott, die Achsen des künftigen Trägerbohlwandverbaus, der verhindern wird, dass Erdreich in die Baugrube rutscht, gelten nun als kampfmittelfrei.

Mittlerweile sind alle für den Holzbohlen-Verbau notwendigen 63 H-Träger rund um den Rand der zukünftigen Baugrube in den Baugrund eingebracht.

Dazu mussten natürlich dicke Löcher gebohrt werden. Schwierig wird dies, wenn der Bohrer dabei auf altes möglicherweise schön durchweichtes Holz trifft, das sich wie Gummi um das Gestänge wickelt. Holzpfähle wurden einst unter die Fundamente der früheren Bebauung in der Torflinse platziert. So lassen wir das neue taz-Gebäude natürlich nicht schwimmen. Das wird ein ordnungsgemäßer Stahlbeton-Pfahlbau, so wie der U-Bahn-Tunnel gleich nebenan, der seit knapp 100 Jahren unverrückt seinen Dienst tut.

Die Baustelle ist nun also für das Herstellen der Atlas-Pfähle (Vollverdrängungspfahl) vorbereitet. Spundwandbohlen für das Tiefteil (2. Untergeschoss) und die Bewährungskörbe für die Tiefbohrpfähle wurden ebenfalls angeliefert und bereitgelegt. Jetzt fehlt nur noch das Bohrgerät. Das steht noch vor Berlin und wartet auf die Fahrerlaubnis der Polizei. Wie sowas überhaupt funktioniert, das Herstellen der Tiefbohrungen, erklärt die Firma Franki auf ihrer Homepage: www.franki.de/de/schraubpfaehle-ia.php.

Im Untergrund unterhalb der alten Bebauung wurden übrigens alte Eisenbahnschienen gefunden (vermutlich von einer Draisine zur Andienung für die Herstellung der U-Bahntrasse). Ganz wie nebenbei haben die Bauarbeiter auch noch auf der Gehwegseite an der Friedrichstraße und entlang der Verbaulinie das alte Bernburger Kalksteinpflaster abgetragen. Die Pflastersteine sind nun eingelagert und werden, wenn das neue taz-Haus fertig gestellt ist, wieder sorgfältig am Randstreifen als Mosaik verlegt und somit das Bild des historischen Trottoirs wiederhergestellt. Spätestens dann sollten Sie mal gucken kommen.

30. Juni 2016

6   Will there be Blood?

BLOGWART, 17.05.2016

Im Trümmersumpf: Das neue Haus der taz kommt gut voran, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Kürzlich schrieb uns taz-Leser Ulrich Mandel aus Hamm folgende Nachricht:

„Moin, eure Webcam-Bilder verfolge ich seit Beginn der Baumaßnahmen, da ich am Werdegang solcher Gebäude interessiert bin. Das aktuelle Bild der Kamera ist ganz einfach mein morgendliches Startbild im Browser. Seit Monaten ist mir aufgefallen, dass das Baugrundstück scheinbar ein Übungsgelände für Erdbohrer und Rammen ist. Mal bewegt sich dort ein schweres Gerät, mal zwei. Zwischendurch sind sie alle wieder weg. Wird bei euch vielleicht nach Gas gebohrt? Sehe ich keine Live-Bilder, sondern einen Film? Im Ernst: Ist irgendwo erklärt, warum die Bohrer kommen und gehen, mal hier bohren bzw. rammen und mal dort? Mal treiben sie eine Spindel in den Boden, mal eine Röhre.“

Dass es im tiefen Grund unter Berlin vielleicht auch noch Bodenschätze zu bergen gibt, würde uns nicht mehr überraschen, denn der Baugrund unter dem neuen taz-Haus birgt viele Geheimnisse. Ursache für unsere Tiefbohrmanöver ist eine im Boden befindliche Torflinse, ein Überbleibsel eines früheren Gewässers.

q: Kennt ihr die taz?

a: Is 'ne Zeitung, oder?

Bauarbeiter

Schon bei den Bauarbeiten für die U-Bahn-Linie 6, die direkt neben unserem Grundstück unter der Friedrichstraße verläuft, wurden vor fast hundert Jahren Reste einer Holzbrücke tief im Boden entdeckt. Der weiche Baugrund zwingt dazu, den taz.neubau auf Pfählen zu gründen, damit er sicher steht.

Von diesen Stahlbetonpfählen sind inzwischen 116 bis zu einer Tiefe von 20 Metern eingebracht. Frühere Baugenerationen in Berlin haben für diesen Zweck Eichenpfähle verwendet. Die wurden auch beim taz-Grundstück noch unterhalb der Fundamente gefunden.

Das letzte Gebäude auf dem Grundstück wurde 1945 durch Bomben zerstört. Wie so oft in Berlin wurden die Trümmer überirdisch beseitigt, unter der Erde blieben die Keller und Fundamente erhalten. Diese nun für die Neubebauung zu bergen, erforderte den Einsatz schwerer Technik und kostete Zeit.

Sicher war der letzte Bau auch nicht der erste auf diesem Grundstück. Seit 250 Jahren ist die Südliche Friedrichstadt bebaut, und jedes Grundstück hat bis zur Gründerzeit mehrere Überbauungen gesehen. Die Bauleute kannten den schwierigen Baugrund und sie wussten mit ihm umzugehen, mit sehr massiven Gründungen.

Aktuell sind alle Tiefbohrpfähle eingebracht und sämtliche alten Fundamente und Bodenplatten beseitigt. Die Tiefbauer heben nun das zweite Untergeschoss aus, um anschließend eine neue Bodenplatte mit den Stahlbetonpfählen im Grundwasser fest zu verankern. Alle Arbeiten müssen möglichst erschütterungsfrei erfolgen, weil mehrere denkmalgeschützte Gebäude und die U-Bahn in direkter Nachbarschaft sonst beschädigt werden könnten.

Bevor das nächste Gewerk mit dem Rohbau beginnt, sollten wir noch einen günstigen Moment finden, einen kleinen Grundstein in den geheimnisvollen Untergrund zu legen.

3. Juli 2016

7   Trübe Suppe vs. Sonar

ANDREAS BULL, 04.07.2016

1.000 Bar für die taz: Dem schwierigen Baugrund sei Dank wurde die Baustelle des taz Neubaus nun auch zum Paradies für Bautaucher.

„Bohrt ihr da eigentlich nach Öl?“ Besorgter Sarkasmus schwingt in den Fragen nach dem Fortschritt bei der Fertigstellung der Baugrube für den taz Neubau mit. Die Blicke durch das Auge der unerbittlich alle 15 Minuten das Geschehen aufzeichnenden Bauwebcam zeigen seit Monaten die gleichen Bilder. Bagger häufen Haufen und tragen sie wieder ab. Riesige Bohrmaschinen bohren irgendetwas, fahren weg, kommen wieder. Der sichtbare Grundwasserspiegel steigt, fällt, steigt, fällt. Zuletzt schwammen auch noch Boote in der Baugrube.

Die taz baut auf bewegtem Gelände. Es sei eine „Faulschlamminsel“, befanden die Forscher der Internationalen Bauausstellung Mitte der 1980er Jahre, die am besten in einen renaturierten Friedrichs-Kolk (eine Art Tümpel) zu verwandeln sei. Aber darin steckten die Fundamente von Gebäuden, Zeugen der emsigen Bautätigkeit mehrerer Generationen, direkt neben der seit den 1920er Jahren auf ungezählten Pfählen durch den Torf geführten U-Bahn Linie 6.

In der Mitte der Baugrube ist ein zweites Tiefgeschoss für den taz Neubau vorgesehen, das Platz für aufwändige Lüftungsaggregate und den Tank für die Sprinkleranlage bieten wird. Eine Spundwand schottet diesen Trog gegen den Rest der Grube ab, das Grundwasser wird mit Pumpen auf die geplante Höhe gepegelt. 38 bis zu 20 Meter lange Pfähle mussten allein in diesen Teil in den unsicheren Grund gebohrt werden.

Doch dieses Arrangement mussten wohl schon andere vor uns an derselben Stelle treffen. 63 Jahrhunderte alte Eichenpfähle fanden sich im Grund und verdichteten das Gelände derart, dass keine Baggerschaufel mehr hindurch passte. Was tun?

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Bauarbeiter

Hier kamen Sami Schneider und seine Kollegen von Aquanautik ins Spiel. Sie sind Taucher für Bautätigkeiten, die unter Wasser stattfinden müssen. Ihr Auftrag: die Eichenpfähle kappen und die Grube soweit säubern, dass eine wasserdichte Unterwasserbetonsohle eingebracht werden kann.

In Körben schwimmend und mit Booten werden Gerät und Taucher positioniert, mit Sonar das trübe Element durchleuchtet. Mit einem scharfen Wasserstrahl, der mit bis zu 1.000 Bar Druck aus langen stählernen Lanzen schießt, wird Pfahl um Pfahl durchtrennt, mit rund 400 Bar der Rest des Trogs vom Schlamm befreit.

Am vergangenen Donnerstag, 30. Juni 2016, kam die erlösende Nachricht: Alles ist raus, nun kann mit dem Unterwasserbetonieren begonnen werden. Die Tage der Grube sind nach mehr als einem guten halben Jahr gezählt. In ein paar Wochen wird mit dem Errichten des Rohbaus begonnen. Öl oder Ähnliches haben wir nicht gefunden. Und mit dem Holz überlegen wir uns dann noch was.

8   Bigfoot

HAUSBLOG, 12.09.2016

Der Kran im Tank – Zehn Tonnen schwer sind die Betonteile für das neue taz-Haus. Eine Herausforderung.

Die Luft ist frei – da gibt es keine Holzstämme.

Karl-Heinz Ruch

Endlich sieht man, dass sich etwas tut am taz.neubau. Das zweite Untergeschoss mit 100 Kubikmeter Tank für die Sprinkleranlage und Platz für die aufwendige Lüftungstechnik ist so weit fertig, dass die Spundwände abgeschnitten werden konnten.

Wie man auf den Bildern unserer Bau-Webcam sehen kann, ist der Boden des ersten Unterschosses (vulgo: Keller) gelegt, erkennbar sind die Kanäle für die Versorgungsleitungen und die Vertiefung für die Aufzugsunterfahrt in der Südwestecke an der Friedrichstraße. Derzeit werden Stahlarmierungen für die weitere Betonierung montiert.

Im unterirdischen Sprinklertank hat ein schwerer Hochbaukran seinen Platz gefunden. Der Aufbau des Krans erfolgte Ende August mittels eines 200-Tonnen-Autokrans, der die Turmstücke, Kranausleger und Gegenausleger montierte.

Damit der Kran sicher steht, wurde im Zuge der Herstellung der Bodenplatte im 2. Untergeschoss ein 1,80 Meter dickes Kranfundament hergestellt, welches die entsprechende Verankerung des Kranes direkt in der Bodenplatte gewährleistet. Für dieses Kranfundament wurden etwa 32,5 m³ Beton und 8,5 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut. Nach Abschluss der Hochbauarbeiten wird der Kran demontiert und sein Fundament wieder aus dem Tank gestemmt.

Der Kran hat eine Hakenhöhe von 46 Metern und einen Kranausleger mit einer Länge von 35 Metern. Er kann bis zu 12 Tonnen tragen, genug, um die rund 10,7 Tonnen schweren Fertigteil-Deckenelemente von der Anlieferung auf der Friedrichstraße bis zur Einpassung an den Nordkanten des Gebäudes zu transportieren.

Die Krankanzel befindet sich etwa 40 Meter über dem Gelände, sie ist damit außerhalb des Bildausschnitts unserer Bau-Webcam, die den Baufortschritt viertelstundenweise dokumentiert. Doch wird man die Resultate der Arbeit des Kranführers demnächst auch so ganz gut erkennen können.

Zuvor, am 23. September 2016, zelebrieren wir die obligatorische Grundsteinlegung. Für den darauf folgenden Samstag dann, den 24. September 2016, sind Sie, sind alle Interessierten herzlich eingeladen, mit uns beim Besselparkfest zu feiern. Alle vier Baufelder, die gegenwärtig um den ehemaligen Blumengroßmarkt herum ihre Projekte errichten, laden den Stadtteil und die Nachbarschaft ein, sich persönlich kennenzulernen.

23. September 2016

9   Grundsteinlegung

HAUSBLOG, 23.09.2016

Der taz.neubau kann in die Höhe wachsen, unter den Augen der tazlerInnen und mit prominenter politischer Begleitung wurde der Grundstein gelegt.

„Oft ist das ja nur Fake“, sagt Regula Lüscher, Senatsbaudirektorin des Berliner Senats, am Freitagmittag, 23.09.2016, bei der Grundsteinlegung für den taz.neubau in Kreuzberg. „Aber Sie machen das richtig professionell.“

In strahlendem Sonnenschein hatte taz-Geschäftsführer Andreas Bull gerade ein paar wichtige Gaben – etwa die Baupläne auf einem USB-Stick, einen Comicstreifen von (C)TOM, die taz und den Schweizer Tagesanzeiger vom Tage, eine Schweizer Rappen-Münze, ein Erstausgabe-Set von Euro-Münzen und ein Schreiben von taz-Urgestein Fritz Teufel in eine kupferne Bulle gesteckt, und diese anschließend in einem vorbereiteten Platz in der Baugrube versenkt. „Da sieht man, wer immer an seiner Datsche bastelt“, kommentiert sein Kollege Karl-Heinz Ruch, während Andreas Bull routiniert frischen Beton auf die Bulle schippt.

Tatsächlich hätte die taz sich für den symbolischen Moment der Grundsteinlegung keinen besseren Tag wünschen können. Der Spätsommer zeigte sich von seiner besten Seite, so manche Schwierigkeit mit dem torfigen Baugrund ist endlich überwunden und die Blaskapelle „IG Blech“ heizt den etwa 100 Gästen und MitarbeiterInnen in Zusammenarbeit mit der Mittagssonne ordentlich ein.

Bis hierher war es ein langer Weg. „Einhundert Betonpfähle wurden im Boden versenkt, damit das Haus sicher steht“, erklärt Ruch in seiner Begrüßung – und dafür mussten erst einmal die Pfahl- und Betonreste der Vorgängerbauten aus dem Boden entfernt werden.

„Ein offenes Haus, das sagt sich so einfach“, erklärt Architekt Wim Eckert. In der Physik sei ein offenes System eines, das „mit der direkten Umgebung im Austausch steht“, so der Schweizer Architekt. Und genau so solle auch das neue taz-Haus verstanden werden.

Auch Lüscher liest das Projekt des taz.neubau als ein besonderes Vorhaben: Der taz.neubau sei nicht investorengetrieben, sondern ebenso inhaltsgetrieben, wie sie in ihrer Ansprache erklärt. Wo „nicht nur das Geld zählt, sondern auch soziale und gesellschaftliche Aspekte“. Für sie ist das Bauvorhaben der taz, im Zusammenspiel mit den drei benachbarten Bau-Projekten, „ein Nukleus, wie es anders gehen kann bei der Stadtentwicklung.“

Zusammen mit den beiden taz-Geschäftsführern, dem Architekten, vielen tazlern und den Bauarbeitern steht die Senatsbaudirektorin mitten im zukünftigen Keller der taz, neben Kreissäge, Baukran und bergeweise Armierungsstahl.

Vom oberen Rand der Baugrube verfolgt eine große Schar weiterer ZuschauerInnen die Zeremonie – und Hans-Christian Ströbele. Dass er am oberen Rand bleibe, sei aber nicht symbolisch zu verstehen, verkündet der Grünenpolitiker und Bundestagsabgeordnete. Ihm sei bloß die Treppe zu steil. Der 77-Jährige richte seine Grußworte nicht als Politiker an die Anwesenden, wie Geschäftsführer Ruch betont – „sondern als taz-Gründer und Genosse.“

Ich wünsche mir, dass die taz ein Sammelpunkt wird und bleibt.

Hans-Christian Ströbele

Dies sei bereits das vierte Domizil der taz, erinnert sich Ströbele. Und jedes habe Symbolwert gehabt: Vom ersten Unterschlupf in einem Ladenlokal in der Charlottenburger Suarezstraße, in dem er auf Karteikarten die Vorausabos für das neue Projekt einer linken, radikalen Tageszeitung sortierte. Über den schmucklosen Nachkriegsbetonbau in der Weddinger Wattsraße. Bis hin zum Gebäude in der Rudi-Dutschke-Straße – ehemals Kochstraße – mit dem die taz sich im alten Berliner Zeitungsviertel und somit als Player unter den etablierten Zeitungen etablieren wollte.

Der Baukran surrt, ein behelmter Bauarbeiter wird auf einer Maschine stehend in die Höhe gehoben, ein Betonmisch-LKW liefert prasselnd seine Ladung ab. „Auch der Neubau ist symbolisch“, sagt Ströbele. „Die taz rückt weiter von Springer weg“, und mit dem neuen und größeren Haus seien auch größere Wünsche und Erwartungen verbunden.

Er selbst wünsche sich als Genosse, dass das ein Haus ein Sammelpunkt in Berlin-Kreuzberg werde. Dass sich die Arbeitsbedingungen für die tazzlerInnen verbessern. „Und ich wünsche mir ganz vermessen, dass die taz eine linke – und ja, auch radikale – Zeitung bleibt.“

10   354 Stützen

MANUELSCHUBERT, 06.12.2016

354 Stützen werden den taz.neubau in Zukunft tragen. Mit ihrer Installation wird sich der Baufortschritt erheblich beschleunigen.

Was wäre die Welt ohne Stützen? Wohl nur in einer von der FDP dominierten Welt käme man theoretisch ohne aus. Der taz.neubau jedenfalls braucht Stützen. Und zwar ungefähr 47 pro Etage, 345 Stück insgesamt für das ganze Haus, 321 davon im Normalmaß von 3,35 bis 3,62 Meter für eine einfache Geschosshöhe und 24 etwa doppelt so lange, um die Decke über einem Doppelgeschoss aufzunehmen. So wie es über dem am Besselpark gelegenen Nordostteil des im Erdgeschoss beheimateten taz.Restaurant und Veranstaltungsraum vorgesehen ist. Und auch sechs Etagen weiter oben im taz.panorama, in dem dereinst Archivmaterialien aus der taz Geschichte inszeniert werden sollen.

Die Stützen haben’s in sich: durch sie entstehen die ansonsten stützenfreien Büroflächen, die uns die Freiheit geben, den Neubau nach unseren Vorstellungen in Besitz zu nehmen und flexibel in Zonen aufzuteilen und zu gestalten. Dabei haben sie komplexe Zug- und Druckkräfte aufzunehmen und so zu verteilen, dass verhältnismäßig „filigrane“ Elemente ausreichen, dem Gebäude die notwendige Festigkeit und Belastbarkeit zu verleihen.

Die Architekten nahmen damit „Bezüge vom Konstruktivismus über den sowjetischen Radioturm bis zum spacigen Club Berghain“ auf, so analysierten die Fachleute den Baukörper im Ergebnisprotokoll des von der taz für das Neubauvorhaben durchgeführten Architekturwettbewerbs.

Baulich werden die Stützen jetzt wie in einem Systembaukasten an die im Boden verankerten wuchtigen Tragwerkelemente geschraubt. Auf ihr oberes Ende kommen wiederum solche Tragwerkelemente, die mit vorgefertigten Teilen der angesetzten und aufgelegten Rippendeckenstruktur verbunden werden. Wir erwarten dadurch jetzt einen zügigen Baufortschritt, bei dem Tag für Tag deutlich etwas Neues zu sehen sein wird.

Tieflader liefern die vorgefertigten Bauelemente von Decken, Trägern und Flanschen, am Rohbau werden sie montiert – fertig ist die Etage. Allerdings wird die Montage der 47 Stützen pro Regelstockwerk dennoch ihre Zeit brauchen. Die Fassade wird diese Tragstruktur des Gebäudes dann mit einer vorgesetzten Metall- und Stahlbaukonstruktion wiedergeben.

Dabei entstehen ringsum etwa 60 Zentimeter breite Balkone, auf die man aus allen Büroflächen ins Freie gelangt. Damit auch wirklich alle komplizierten Bauteile in der richtigen Weise verbaut werden, steht am Südostende außerhalb unseres Gebäudes eine 60 qm große Musterfassade, die von allen wesentlichen Merkmalen ein vorbildliches Element enthält. So können wir uns mit dem Look and Feel vertraut machen.

17. März 2017

11   Es geht voran

BLOGWART, 23.12.2016

Die Bauarbeiten für das neue Haus der taz gehen nun gut voran. Endlich, möchte man sagen.

Gerade noch rechtzeitig zum Jahresende bekommt die Decke über dem Erdgeschoss des taz.neubau ihre Betonfüllung. Statiker und Prüfingenieur haben die letzten Details zu den Kopfbolzen auf den Stahleinbauteilen geklärt, Beton, Pumpe und Personal ist zu einem letzten Einsatz in diesem Jahr geordert. Die Schrägstützen für das Errichten der ersten Etage sind bereits geliefert. Sie lagern im künftigen Hof hinter dem Kran und können Anfang 2017 montiert werden. Es geht voran.

Das Jahr 2016 verlief am Bau nicht immer reibungslos. Das war einerseits auch ganz recht so, denn die rund 100 Atlaspfähle, auf denen der taz.neubau im torfigen Erdreich sicher stehen soll, benötigen den richtigen Reibungskoeffizienten im teilweise 20 Meter unter Geländeoberkante befindlichen Grund, damit sie später nicht wackeln. Andererseits waren zuvor Befestigungen und Gründungen, die an dieser Stelle von mehreren Generationen städtischer Ansiedlungen hinterlassen worden waren, Stück für Stück, Pfahl für Pfahl auszuräumen. Und das möglichst erschütterungsfrei, denn immerhin verläuft die Trasse der U-Bahn-Linie 6 nur wenige Meter westlich unter der Friedrichstraße. Fünf Monate länger als geplant wurde schließlich zum Herrichten der Baugrube gebraucht. Der Einzugstermin ist jetzt für Mai 2018 vorgesehen.

In der Zwischenzeit haben sich die Verlagsabteilungen und Ressorts der Redaktion näher mit den Zonen und Funktionen der geplanten neuen Flächen beschäftigt. Die befreundete Architektin Ulrike Lickert, die bereits den Architektenwettbewerb für den taz.neubau betreute, konnte gewonnen werden, Bereich für Bereich mit den Teams durchzuchecken, Möbel zu zeichnen, auszuschneiden, neu zu ordnen, Lüftungsflügel und Balkontüren zu verschieben, bis für jede Schnittstelle eine gemeinsame Lösung gefunden war. Letzter Schliff an die Planungen für die Barrierefreiheit der öffentlich zugänglichen Bereiche (obligatorische Vorschrift nach DIN) und der „privaten“ Büroetagen wurde mit Hilfe der äußerst kompetenten Architektin und Raumberaterin Ulrike Rau hier aus Berlin angelegt. Dabei haben wir viel gelernt über angemessene Hilfen für Menschen mit motorischen und sensorischen Einschränkungen. Es geht um Kontraste, Orientierungshilfen, Schalterpositionen, Handläufe und vieles mehr.

Mittlerweile konnten auch für weitere wichtige Gewerke Ausschreibungen erfolgreich platziert werden. Es gab immer genug Bewerbungen, um die aus unserer Sicht günstigsten Auftragnehmer aus mehreren Angeboten auswählen zu können. Da waren wir uns keineswegs sicher, angesichts des vor allem in Berlin unübersehbaren Baubooms. Doch die Aussicht, für die taz an diesem attraktiven Bauprojekt mitwirken zu können, scheint sich vorteilhaft für uns auszuwirken. Der Vertrag für die Fassade mit allen Fenstern und der einzigartigen Stahlnetzkonstruktion mit den umlaufenden Balkonen ist unterzeichnet, eine 60 Quadratmeter große Fassadenkonstruktion, die alle wichtigen Details der Struktur enthält, ist zu Anschauungs- und Prüfzwecken bereits errichtet.

Auch zu den Gewerken der technischen Gebäudeausrüstung, Heizungs- und Kälte- und Lüftungsanlage, Elektrik, Informationstechnik und Sanitäranlagen sind schon einzelne Aufträge erteilt, zu anderen gibt es derzeit Verhandlungen zu den eingegangenen Angeboten. Insgesamt liegen wir hinsichtlich der Kosten, die sich aus den tatsächlichen Marktpreisen der Verträge und Angebote summieren, im Bereich des geplanten Budgets. Zum Jahresende eine durchaus gute Nachricht.

12   Keinen cm höher

BLOGWART, 06.06.2017

Keinen Zentimeter höher – mit dem sechsten Stockwerk hat der taz-Neubau die Maximalhöhe für Nutzflächen erreicht. Dafür hält das Dach einige Überraschungen parat.

Etwas über ein halbes Jahr ist nun seit dem letzten „Bautagebuch“-Eintrag verstrichen. Genauso lange hat es gedauert, die fünf Etagen und das Erdgeschoss des Rohbaus zu errichten. Soeben ist die Decke über dem 5. OG und damit der Boden des sechsten und letzten Stockwerks betoniert worden. Einen weiteren Etagenboden wird es also nicht geben. Das ist auch gut so, denn alles, was darüber liegt, ragte als Nutzfläche für dauerhafte Arbeitsplätze über die Höhe hinaus, ab der die Sicherheitsbestimmungen für Hochhäuser gelten. Und das wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten.

14. Juli 2017

13   Richtfest

JAKOB WERLITZ, 14.07.2017

Die taz feiert ihr Richtfest. Alphornmelodien wehen über den Innenhof des Rohbaus. Es riecht nach Bratwurst, Sekt und Saft werden gereicht.

Es ist kurz vor 13 Uhr. In wenigen Minuten wird taz-Geschäftsführer Kalle Ruch zusammen mit Baustadtrat Florian Schmidt und Architekt Wim Eckert die geladenen Gäste zum Richtfest des neuen taz-Redaktionsgebäudes in der südlichen Friedrichstraße begrüßen.

Zahlreiche MitarbeiterInnen und GenossInnen sind gekommen – auch Christian Ströbele, der zuletzt bei der Grundsteinlegung vor gut zehn Monaten gesprochen hatte, ist wieder dabei.

In der Schweiz heißt es übrigens „Aufrichte“.

Wim Eckert

Am Rande des Pulks in taz-Shirts und mit der Klischee-Bierflasche in der Hand stehen die eigentlichen Protagonisten des heutigen Tages: Die Schweißer, Eisenbieger, Betonierer, Kranfahrer – kurz die BauarbeiterInnen, all jene, die Hand angelegt haben und deren Leistungen das Richtfest gewidmet ist. Traditionell stehen beim Richtfest deshalb auch Zimmermänner und -frauen auf dem Dachstuhl, geben einen Richtspruch zum Besten und kippen sich danach feierlich einen hinter die Binde. Abschließend wird das Glas zu Boden geworfen – auf dem es ausdrücklich zu Bruch gehen muss, alles andere würde Unglück bedeuten – und alle klatschen, bevor sie dann selbst zum Glas greifen (im Niederdeutschen spricht man auch vom „Fensterbeer“.)

In der Schweiz heißt es übrigens „Aufrichte“, merkt Architekt Wim Eckert an. Der Zürcher betont, wie vielen Menschen und eben auch Händen es zu verdanken ist, dass das, was er und seine Kollegen „gemalt haben“, auch „gemacht wird“. Und Kalle Ruch resümiert: „Wir hatten das Gefühl, dass alle Ampeln auf Grün stehen“,

Dennoch war zu Anfangs an ganz und gar nicht klar, dass es am Ende auch klappen würde, Es ist eine „Ironie der Geschichte“, wie Florian Schmidt erzählt, dass die taz mit ihrer Berichterstattung im politischen Hickhack um die Vergabe des Baugrunds das Zünglein an der Waage war. Sein Fazit: „Presse wirkt“.

Gebäudeecke am Besselpark Bild: Rory Gardiner