Kolumne Pressschlag

Das Hirn der hohen Herren

Der DFB bleibt beim Umbau der Nationalmannschaft weiterhin dezent und zurückhaltend. Der Name des Teams bleibt uns erhalten.

Bus mit Aufschrift "Die Mannschaft"

Gutes Branding? Der alte Mannschaftsbus der Mannschaft Foto: Picture Point LE/ imago

Die Mannschaft bleibt also Die MannschaftTM. Also die Nationalmannschaft, die Fußballnationalmannschaft, die DFB-Elf, die Auswahl des Deutschen Fußball-Bunds, Jogis Jungs, die WM-Versager, der vierfache Weltmeister – kurzum die Männer mit dem Adler auf der Brust, sie sollen auch weiterhin den Markennamen „Die Mannschaft“ tragen. Mit dieser vielleicht letzten Meldung dieses Jahres aus dem Hause Oliver Bierhoff entlässt der DFB die Fans in ihre wohlverdiente Winterpause.

Der Direktor der DFB-Abteilung Nationalmannschaften und Fußballentwicklung wollte ja genauso wie Bundestrainer Joachim Löw, Verbandspräsident Reinhard Grindel und überhaupt alle im DFB nach dem doch eher peinlichen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland alles anders machen. Und so wurde der Name der Nationalmannschaft einer Prüfung unterzogen.

Bierhoff hat eine Studie in Auftrag gegeben, aus der hervorgehen soll, dass der Begriff „Die Mannschaft“ eigentlich super angekommen ist bei den Menschen drunten an der Basis, bei den Kunden also. Der Mannschaftsname hat demnach eine hohe Akzeptanz „bei jungen Leuten und Frauen“, wie der Sportinformationsdienst vermeldet und den Lesern damit die Frage mit auf den Weg gibt, ob Frauen keine jungen Leute sein können.

Nur bei Männern über 60 war „Die Mannschaft“ der Studie zufolge nicht so populär. Um Stakeholder des deutschen Fußballs, wie es neuerdings so schön heißt, ein wenig entgegenzukommen, soll der Begriff „dezenter platziert und zurückhaltender genutzt“ werden. Da soll noch einer sagen, der DFB sei nicht fähig zu Reformen!

Reformwerkstatt DFB

Zum Jahreswechsel ändert sich sogar der Autopartner der Nationalmannschaft. Volkswagen hätte Mercedes zwar auch als Hauptsponsor abgelöst, wenn Deutschland Weltmeister geworden wäre, aber das zeigt ja nur, dass der DFB schon Reformen eingeleitet hat, lange bevor feststand , dass die Deutschen keine WM-taugliche Truppe mehr aufbieten können.

Auch steuert die Nationalmannschaft neue Orte an. Das nächste Länderspiel im März 2019 soll in Wolfsburg stattfinden. Da hat, manche mögen einwerfen: zu Recht, Die MannschaftTM bis jetzt noch nie gespielt. Aber ein Sponsor ist ja auch ein Stakeholder des DFB, einer, der irgendwie ein Interesse am Wohlergehen des Verbands hat. Und die Stakeholder liegen dem DFB ja ganz besonders am Herzen.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Wie man mit Stakeholdern umgeht, das hat der DFB vor gut einer Woche beim „Leadership-Festival“ der hauseigenen Akademie vorexerziert. Da sagte Oliver Bierhoff so weise Sätze wie: „Leadership und Führung sieht natürlich heute viel anders aus als vor 10 oder 15 Jahren.“ Und Gehirnforschersuperstar Gerald Hüther hielt einen Vortrag mit dem wie auf den DFB zugeschnittenen Titel: „Leadership mit Hirn“. Da dürften einige im Verband viel Neues erfahren haben.

Auf dem Führungsfestival in der Verbandszentrale in Frankfurt hat auch die Agentur Strichpunkt ihren Auftritt gehabt. Die ist für Brand Experience, Konzeption, Design und Frontend-Mark-up der DFB-Website verantwortlich. „DIE MANNSCHAFT ist die Marke, die Verband, Spieler und Fans zusammenschweißt. Allein ihre Präsenz verkörpert Exzellenz, Größe und Siegeswillen. Eingebettet in die gestalterischen Grundwerte der Adler-Welt ist sie sowohl tief in der DFB-Markenarchitektur verwurzelt, als auch ein schillerndes Flaggschiff im internationalen Fußball“, heißt es im Internetauftritt der Agentur. „Ja dann“, mag man sich im Präsidium des DFB angesichts solcher Worte gedacht haben und dem Markennamen deshalb noch einmal eine Chance gegeben haben.

Die Oberstübchen der DFB-Oberen wären gewiss interessante Forschungsobjekte für Hirnforscher Hüther.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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