Flüchtlinge

In trauter Nachbarschaft

AnwohnerInnen rund um die Gerhart-Hauptmann-Schule wollen die Verbundenheit zwischen deren Bewohnern und dem Kiez stärken.

Eingang zur ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule Bild: dpa

Kim Archipova ist beschäftigt: Bunte Schilder sollen am Zaun der Gerhart-Hauptmann-Schule aufgehängt werden, versehen mit Statements gegen die deutsche Asylpolitik. Gemeinsam mit anderen AnwohnerInnen fädelt Archipova die Schilder auf, dabei wird sie von einer jungen Frau angesprochen: Sie gehöre zu einer Gruppe, die regelmäßig für die Flüchtlinge in der Schule kocht, sie möchte nun gerne bei den Aufräumarbeiten helfen. Doch der Security-Dienst habe sie abgewiesen mit der Ansage, sie müsse dafür eine Erlaubnis bei der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) beantragen. „So etwas macht mich sauer“, sagt Archipova, „da wollen Leute aus dem Kiez helfen, und ihnen werden solche Hindernisse in den Weg gelegt.“

Archipova, warme Stimme, Typ Kunstlehrerin, ist Teil der Gruppe aus AnwohnerInnen und Gewerbetreibenden, die sich während des Polizeieinsatzes rund um die frühere Kreuzberger Schule gründete. Initiative ergriffen hatten damals unter anderem die beiden Inhaberinnen der Buchhandlung Leseglück in der Ohlauer Straße. „Wir wollten uns sowohl grundsätzlich solidarisch mit den Forderungen der Flüchtlinge erklären als auch etwas gegen diesen unglaublichen Polizeieinsatz tun“, sagt Eleni Efthimiou. Die Initiative sammelte Unterschriften für einen offenen Brief an Bezirk und Senat, organisierte abendliche Treffen und schaffte es mehrmals, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und vor die Schule zu gelangen.

Kaffeetrinken fällt aus wegen Ramadan

Die Polizei ist weg, die Initiative macht weiter. Die Schilder am Zaun sind eine kleine Aktion, mit der die Verbindung zwischen der Schule und dem Kiez symbolisiert werden soll. Später geht es in einem gemeinsamen Spaziergang zum SO36, wo eine Podiumsdiskussion zum Thema stattfindet, an der auch Archipova teilnehmen wird. Eigentlich sei noch ein Kaffeetrinken vor der Schule geplant gewesen, aus Rücksicht auf die Schulbewohner, die Ramadan halten, werde darauf aber verzichtet.

„Wir wollen wachsam sein“, sagt Archipova, „wir wollen uns dafür einsetzen, dass Bezirk und Senat ihre Versprechen halten, und wir wollen als Nachbarn den Kontakt zu den Schulbewohnern stärken.“ Der Bezirk habe die Sache „zu lange einfach laufen lassen“, sagt sie, er habe sich „mit dem Aushängeschild multikulturelles Kreuzberg geschmückt, aber gleichzeitig kaum etwas für die Menschen in der Schule getan“. Gleichzeitig übt Archipova Selbstkritik: „Auch wir fragen uns natürlich, ob wir uns als Nachbarn aktiver hätten einbringen können – das versuchen wir jetzt mit der Initiative.“

Türkische und arabische Nachbarn fehlen noch

Gerade seien sie dabei, ihre Arbeit langfristiger zu organisieren, mehr Struktur in die Gruppe zu bringen: „Wir schauen jetzt: Wer kann was, wer möchte in welcher Form aktiv werden“, sagt Archipova. Sie seien eine sehr gemischte Gruppe, einige schon lange politisch aktiv, andere zum ersten Mal mit dem Thema in Berührung. Wenn es nach Archipova geht, soll die Gruppe ruhig noch breiter werden: „Die türkische und arabische Nachbarschaft ist noch nicht so gut vertreten, die versuchen wir gerade noch mehr anzusprechen.“

In der Initiative gebe es auch mal unterschiedliche Herangehensweisen: „Wir finden gerade noch heraus, wie viel karitativ-humanitäre Sachen wir machen wollen und wie viel eher explizit politische.“ Sie selbst sieht ein Dilemma in reiner Unterstützungsarbeit: „Wir wollen nicht, dass die politisch Verantwortlichen das einfach auf private Unterstützer, auf die Nachbarschaft abschieben können.“ Dass die Forderungen der Flüchtlinge legitim seien und der Polizeieinsatz ein einziges Desaster gewesen sei, darin seien sich aber alle einig.

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„Richtig schön multikulti“ – Erkundungen im Kiez rund um den taz Neubau:

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