Der Verkehrsverbund veröffentlicht erstmals seine Datenbank mit allen Bus- und Bahnverbindungen. Jetzt beginnen Programmierer damit, neue Apps und Webseiten zu entwickelnvon Sebastian Heiser

Ein Fahrplan muss nicht statisch sein. Bild: dpa
Bevor Hans-Werner Franz mit seiner Begrüßungsrede beginnt, zieht er die rote Krawatte aus und öffnet den obersten Hemdknopf. „Ich glaube, ich bin hier falsch gekleidet“, sagt der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. „Ich war vorhin bei der Industrie- und Handelskammer, da saß niemand so wie Sie da.“ Jetzt steht Franz vor 150 Programmierern und Webdesignern. Die meisten sind um die 30 Jahre alt, haben T-Shirts und Pullover an. Sie sind gekommen, weil der Verkehrsverbund erstmals seine Datenbank mit allen Fahrplänen von Bussen, Bahnen, Fähren und Regionalzügen veröffentlicht. Jetzt beginnen sie damit, Ideen auszutauschen und den Datensatz zu erforschen. 1.040 Linien, 13.125 Haltestellen, vier Millionen Ankunfts- und Abfahrtszeiten.
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Christian Maertins bastelt an einer Karte, auf der der Standort der nächsten Leihfahrräder, der nächsten Carsharing-Autos und der nächsten gerade in die richtige Richtung fahrenden Busse und Bahnen angezeigt wird. Eine ganz andere Idee hat Julian Stahnke: Er findet es schade, dass man in der U-Bahn nichts von der Stadt sieht. Stahnke hatte daher die Idee zu einer App, auf der man die Straßenaufnahmen von Google Street View sieht, während man durch die Röhre fährt. Problem bisher noch: Unter der Erde funktioniert die Standorterkennung über Satellitensignale nicht so gut. Und die Internetverbindung, über die die Bilder aufs Handy kommen müssten, ist dort ebenfalls ziemlich langsam.
Auch Martin Adam hat ein ehrgeiziges Vorhaben: eine animierte Live-Fahrplanübersicht. Wer im Bus also mit dem Handy den Fahrplan filmt, soll auf dem Bildschirm sehen können, wann an den nächsten Haltestellen welche Linie abfährt. „Am Sonntag“ heißt das Projekt von Claudia Müller-Birn: Es geht um Ausflugstipps nach Brandenburg für langweilige Wochenenden. Sie hätte gern eine Karte, die zu jeder S-Bahn-Haltestelle zeigt, welche Attraktionen in der Nähe sind. Dazu müsste man Informationen von Wikipedia, von Foto-Plattformen und von privaten Webseiten verknüpfen.
Auch Verkehrsverbund-Geschäftsführer Franz hat eine Idee: „Am Wochenende war ich mit Freunden im neuen James Bond. Da wäre es toll gewesen, wenn man mit der gleichen App die Kinokarte buchen und auch noch die passende Verbindung raussuchen könnte.“
Der Verkehrsverbund hat die Daten unter einer freien Lizenz veröffentlicht – jeder kann sie nun für alle Zwecke nutzen. Auch kommerziell. „Das ist die günstigste Wirtschaftsförderung, die es gibt“, sagt Wolfgang Both, der bei der Wirtschaftsverwaltung für die Open-Data-Strategie zuständig ist. Weil die Daten ohnehin schon vorliegen, weil die Veröffentlichung nichts kostet und weil so aber ein Rohstoff entsteht, den andere veredeln können. Und wenn Firmen dann aus den Daten kostenpflichtige Apps machen, „schafft das Arbeitsplätze, entlastet die Sozialkassen und der Staat erhält mit jedem Verkauf 19 Prozent Mehrwertsteuer“, sagt Both. SEBASTIAN HEISER
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Leserkommentare
03.12.2012 19:21 | Lucanus
Hmmm, interessantes Thema, aber von Stil und Inhalt her hart an der Grenze zum Boulevard - da erwarte ich von der Taz doch ...
01.12.2012 11:12 | MLoebens
@von Data:
01.12.2012 01:11 | almereyda
das ist im grunde wie mit der legalisierung von marihuana : schadet keinem, aber die öffentlichen kassen klingeln. ...