piwik no script img

wortwechselDas transatlantische Klima ist abgekühlt

Ratlos auf der Sicherheitskonferenz, aber Europa könnte sich auch neu positionieren. Ist das subjektive Erleben Erwachsener in neuen Familienmodellen wichtiger als der Nachwuchs?

Das wohlgenährte Baby Europa der Zukunft? Foto: Katja Gendikova

„Under Destruction“

Konferenz der Verunsicherten“,

wochentaz vom 14.–20. 2. 26

Die große Ratlosigkeit unter den Beteiligten der Münchner Sicherheitskonferenz, einschließlich fehlender konkreter Antworten darauf, wie sich die Welt derzeit verändert, dürfte auch viel damit zu tun haben, dass hier vor allem Gleiche mit Gleichen zusammentreffen, die in einem sehr engen Korridor denken, während man hingegen kritische Stimmen wie zum Beispiel Historiker:innen, die sich mit der Geschichte der Globalisierung oder bestimmten Regionen intensiv beschäftigt haben, bei den Vorträgen und Diskussionen eher mit der Lupe suchen muss.

Deshalb benötigt das nicht mehr zeitgemäße Format in München in jedem Fall ein Update, von wo überhaupt gar keine echten Inspirationen für ein besseres und friedfertigeres Zusammenleben kommen und schon die blumige Rede eines US-amerikanischen Außenministers, wo dieser noch einmal die negativen Ansichten der Trump-Administration über Europa teilt, als Highlight gilt!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Neuorientierung

In der Krise könnte für Europa aber auch die Chance liegen neue Allianzen zu schmieden und durch eine Emanzipation von den USA eine sich auch in der Praxis nach außen auswirkende Wertegemeinschaft zu repräsentieren. Dieses ist in der Vergangenheit nämlich nur allzu häufig gescheitert, da sich stets auch an den Interessen der USA orientiert wurde.

Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit sind immer noch die Basis für internationale Partnerschaften. Die USA, China und Russland haben nichts davon anzubieten. Diese Lücke könnte die EU ausfüllen. Auf militärische Stärke zu setzen, ergibt für Europa wenig Sinn.

Sam Spade auf taz.de

Menschen wahrnehmen

Jüdisch, postsowjetisch, besatzungs­kritisch sucht …“,

wochentaz vom 14.–20. 2. 26

Besonders bitter ist, wenn Menschen nicht bereit oder unfähig sind, das Leid der „anderen Seite“ wahrzunehmen. Sofern dies auf unmittelbar erfahrenem eigenem Leid beruht, ist das nachvollziehbar, nicht aber, wenn es daraus resultiert, dass Prinzipien oder Gruppensolidarität höher bewertet werden als Menschen.

Die Crux ist, dass viele nicht bereit sind, zwischen jüdischen Menschen, dem Staat Israel und seiner gegenwärtigen ver­brecherischen Regierung zu unterscheiden. Das führt dazu, dass hier lebende Juden als „Vergeltung“ für Verbrechen der israelischen Armee attackiert werden und auf der anderen Seite zu einer „bedingungslosen“ Solidarität mit Israel, die diese Verbrechen ignoriert. Normales menschliches Mitgefühl mit Palästinensern sieht sich absurderweise Anti­semitismus­verdacht ausgesetzt.

Eduard Belotti, Augsburg

Irritation

Zwei Mütter sind eine zu wenig“,

wochentaz vom 14.–20. 2. 26

Seit Tagen sorgt die Titelgeschichte der oben genannten wochentaz in unserer erweiterten Familie für hitzige Debatten. (wobei Familie in unserem Fall auch Kinder und Enkelinnen einschließt, anders als im Interview definiert).

Einerseits freue ich mich als alte Feministin (76), dass hier eine kleine Gruppe reflektierter Frauen als Speerspitze gegen patriarchale Unterdrückungsmechanismen bei Elternschaft kämpft. Andererseits bleibt nach der Lektüre des Artikels ein starkes Gefühl des Unwohlseins. Bestimmte Begriffe fallen in den Interviews nie, obwohl es um die Gründung einer Nestgemeinschaft für ein Kind geht: „Mutter“, „Liebe“, „Treue“ (ersetzt durch „Ge­bärende“, „ Romantik“). Für mich ist das äußerst irritierend und wirft viele Fragen zu unzähligen Szenarien auf. Ich wünsche den drei Frauen Erfolg mit ihrem „Projekt“ (früher als „Elternschaft“ bezeichnet) und hoffe auf eine Langzeitbeobachtung. Claudine Seifert-Rost, Sundhagen

Familie neu gedacht

Ein interessanter Ansatz, eine Familie nicht nur anders zu sehen, sondern die Beziehung in gewisser Weise regelbasiert und reflektiert aufzubauen. Erst fand ich das ziemlich „verkopft“. Nach etwas Nachdenken finde ich es sehr vernünftig, sich zumindest die verschiedenen Rollen, Erwartungen und Sackgassen anzuschauen als Familie. Ellen Kray, Potsdam

Selbstoptimierung

„Jawoll!“, dachte ich, als ich den wochentaz-Titel „Zwei Eltern sind zu wenig“ sah. Doch dann kam der Titel „Mutter, Mutter, Mutter, Kind“, und die Geschichte ging ganz anders weiter.

Drei unternehmungslustige Frauen, noch nicht ganz ausgefüllt von ihren vielen amourösen Beziehungen, schaffen sich zu dritt, sozusagen als Krönung ihrer Selbstoptimierung und Ichbezogenheit, ein Kind an. Dabei geht es nur ganz am Rande darum, was dem Kind guttut. Vor allem werden die Emotionen und Befindlichkeiten der „Mütter“ wichtig genommen. Stillen ist nicht in erster Linie zum Wohl des Kindes vorgesehen, sondern wird verhandelt und infrage gestellt, wenn es um „gleichberechtigte Elternschaft“ geht.

Wie sieht es aus mit gleichberechtigter Schwangerschaft? Jede trägt das Kind drei Monate aus?

Dorothea Lindenberg, Eppstein

Desillusion

Müsste der Osten nicht anders regiert werden?“, wochentaz vom 14.–20. 2. 26

Ich bin 70 plus, im „Osten“ geboren und im Osten geblieben. Ich habe all die oben beschriebenen Entwicklungen miterleben dürfen/müssen. Als Betriebsrat, wo uns eine Geschäftsführung allwöchentlich Kündigungslisten mit 200 Namen auf den Tisch schickte. Habe miterlebt, wie desillusionierte Menschen nie wieder ein Bein in den Arbeitsmarkt bekommen haben, wie sich die von links Entfremdeten schleichend nach rechts drehten. Wie sich ein Landstrich von jungen Menschen entvölkerte, deren Eltern jetzt im Alter ihre Enkel nicht aufwachsen sehen können. Sehe in leeren Straßen eine entsetzlich überalterte Bevölkerung, der zu Teilen Kraft und Lust abgeht, sich gegen das, was nun droht, zu engagieren ...

Der olle Onn auf taz.de

Zeitung

Im freien Fall“,

wochentaz vom 14.–20. 2. 26

Der Bericht über Leserschwund der Washington Post erwähnt ein anderes Problem, thematisiert es nicht. Daher die Frage, wie konnte und kann ein Staat die Weiterentwicklung der Raumfahrt, eines der ambitioniertesten Zukunftsprojekte, privatisieren? Ist Zukunft ein Rendite­projekt? Klaus Warzecha, Wiesbaden

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen