11. - 17. August 2026
Bosnien und Herzegowina
mit Erich Rathfelder in Kooperation mit Amela Maldosević
Diese Reise findet bereits seit 2008 mit verschiedenen Routen statt. Seit 2021 machen wir keine Rundreise mehr, sondern unternehmen von Sarajevo aus mehrere Tagesexkursionen. Die erste führt nach Mostar, das noch vom bosniakisch-kroatischen Konflikt geprägt ist, außerdem fahren wir nach Srebrenica sowie nach Višegrad und den 2011 neu gebauten Stadtteil Andricgrad. An den anderen Tagen bleiben wir in Sarajevo, wo wir Gespräche mit einheimischen und auch internationalen Beobachtern führen werden.
Wie immer bei dieser taz-Reise werden wir mit politischen Akteuren, Funktionsträgern und Projekten der Zivilgesellschaft zusammentreffen, doch dabei auch die herrliche Landschaft, gutes Essen sowie den Wein der Region genießen.
2026 wird das jährliche Sarajevo-Filmfestival während der taz-Reise beginnen (am 14. August) und noch bis zum 21. August stattfinden (siehe www.sff.ba/en) – durchaus ein Grund, etwas länger in Sarajevo zu bleiben (unser Hotel ist in diesen Tagen allerdings ausgebucht).
Programm
Hier finden Sie das Programm der Reise.
1. Tag (Dienstag)
Individuelle Anreise bis zum frühen Nachmittag; Begrüßung durch Erich Rathfelder und Amela Maldosevic. Gegen 16 Uhr beginnen wir im Hotel mit einer Einführungs- und Kennenlern-Runde. Hier können auch Sonderwünsche geäußert werden. Anschließend ist Zeit für einen ersten Rundgang durch die Altstadt in ein Restaurant, in dem wir gemeinsam zu Abend essen.
2. Tag (Mittwoch)
Nach dem Frühstück wird Erich Rathfelder in einem Vortrag die Jahrhunderte umfassende Entwicklung Bosnien und Herzegowinas hin zu einer multinationalen und multireligiösen Gesellschaft erläutern.
Danach lernen wir Sarajevo und seine jüngste Geschichte anhand eines historisch - politisch - kunstgeschichtlichen Bummels durch die Altstadt etwas genauer kennen. Anschließend Mittagspause.
Nachmittags werden wir das Tunnelmuseum besuchen und uns über die mehr als dreijährige Belagerung Sarajevos 1992-1995 informieren.
Kann eine Versöhnung zwischen den Belagerten und den Belagerern gelingen? Darüber sprechen wir mit Aida Cerkez, Sarajevoer Urgestein, während des Krieges Journalistin und Mutter, heute politische Analytikerin und Filmemacherin. Anschließend Abendessen in einem Restaurant im Stadtzentrum.
3. Tag (Donnerstag)
Morgens fahren wir mit dem Bus (ca. 2 Stunden) durch eine herb-schöne Berglandschaft hinab in die Herzegowina nach Mostar. Unterwegs besuchen wir in Jablanica das Partisanen-Museum, das die Schlacht an der Neretva zwischen Partisanen und deutschen Besatzern dokumentiert. (Hier wurde auch ein Film über die Schlacht mit bekannten Hollywoodschauspielern gedreht: Yul Brynner spielte Jugoslawiens Staatschef Tito.)
Gegen Mittag erreichen wir Mostar. Nach einem individuellen Mittags-Imbiss ist ein Stadtrundgang mit dem kroatisch-bosnischen Schriftsteller Mirko Bosić geplant. Danach treffen wir lokale Vertreter*nnen der Zivilgesellschaft.
Auf der Rückfahrt nach Sarajevo werden wir im Ort Konjc in einem charmanten Restaurant zu Abend essen.
4. Tag (Freitag)
Nach dem Frühstück gibt die Kunsthistorikerin Lejla Bušatlić im Hotel einen Einblick in die Kulturgeschichte Sarajevos: über die Bedeutung von Kunst und Kultur im Krieg.
Danach fahren wir mit der Straßenbahn durch das Zentrum von Sarajevo bis zum Historischen Museum; dort sehen wir uns die Ausstellung zur Belagerung der Stadt an und machen eine Pause im Tito Café.
Am Nachmittag besuchen wir das Sarajevo-Büro der Organisation „Schüler*innen Helfen Leben“ (SHL). Diese deutsche Hilfsorganisation fördert und betreibt Jugendprojekte, die junge Menschen dazu motivieren sollen, sich in (Nach-)Kriegsgesellschaften für Demokratie und ein friedliches Miteinander einzusetzen, u.a. in Bosnien und Herzegowina.
Abends gemeinsames Abendessen in einem Restaurant.
5. Tag (Samstag)
Heute unternehmen wir eine Exkursion nach Višegrad. Nach dem Frühstück fahren wir los und besuchen zunächst die berühmte Brücke in Višegrad.
Danach sehen wir uns den seit 2011 neu gebauten Stadtteil Andricgrad an, ein Projekt des Filmemachers Emir (Nemanja) Kusturica. Dem ehemaligen Bosniaken, der inzwischen zum orthodoxen Glauben übergetreten ist, wird von Kritikern vorgeworfen, mit dem Bau von Andricgrad – just an der Stelle, wo im Balkankrieg ein Internierungslager für Muslime eingerichtet war – die Erinnerung an die Kriegsgräuel auslöschen zu wollen.
Am Nachmittag fahren wir zurück nach Sarajevo, Abendessen in einem Restaurant in Sarajevo.
6. Tag (Sonntag)
Eine zweite Exkursion führt uns nach Srebrenica in die Republika Srpska, wo 1995 das Massaker an über 8.000 muslimischen Bosniaken stattfand. Auf der gut zweistündigen Hinfahrt gibt es eine Einführung zum Thema „Genozid“ durch die Reiseleitung.
Danach besuchen wir das Denkmal im nahe gelegenen Potočari und das neue Museum, das ausführlich die jüngste Geschichte der Stadt dokumentiert.
Auf der Rückfahrt nach Sarajevo essen wir in einem Restaurant auf dem Weg. Anschließend geht es zurück nach Sarajevo, wo wir gegen 20 Uhr eintreffen.
7. Tag (Montag)
Nach dem Frühstück wird das Reiseleiter-Team im Hotel einen Teil ihres Filmes „Vermächtnis der Partisanen“ zeigen und Fragen zur Geschichte dieser Zeit des Widerstands gegen Hitlers Armee und ihre Bedeutung für die Nachkriegsgeschichte Jugoslawiens beantworten.
Abschließend hat die Reisegruppe Gelegenheit, sich über die Erfahrungen bei dieser Reise auszutauschen.
Ende der Reise: 12 Uhr
Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich.
Stand: 25. Januar 2026
Sarajevo gehört zu den magischen Städten in Europa. Obwohl eigentlich an der Peripherie gelegen, hat die Stadt im letzten Jahrhundert zwei Mal die europäische Geschichte nachhaltig beeinflusst. 1914, als serbische Extremisten den Thronfolger des Habsburgerreiches ermordeten, was zum Anlass für den I. Weltkrieg werden sollte.
Und 1992, als die über dreieinhalb Jahre von serbischen Truppen belagerte Stadt trotz großer Opfer dem Angriff standhielt. Viele haben Sarajevo damals mit dem belagerten Madrid 1936 verglichen, nur blieben die internationalen Brigaden zur Verteidigung der Stadt aus. Dafür kamen UN-Truppen, die zur Enttäuschung der Einwohner lediglich humanitäre Hilfe in die Stadt bringen durften.
Der Krieg hat Fakten geschaffen. Das einstmals multikulturelle, multireligiöse Bosnien wurde in seiner Identität schwer erschüttert, die sogenannten „ethnischen Säuberungen“ haben Gräben zwischen den Bevölkerungsgruppen der Bosniaken (Muslime), der Serben (Orthodoxe) und der Kroaten (Katholiken) aufgeworfen, die einstmals vor dem Einmarsch der Nazis 1941 in Sarajevo dominierende Gruppe der Juden ist nach dem letzten Krieg auf 800 Menschen geschrumpft.
Doch Bosnien und Herzegowina und vor allem die Hauptstadt Sarajevo ziehen in den letzten Jahren immer mehr Besucher an. Und die meisten sind überrascht vom Wiederaufbau der Stadt, vom Flair und der offenen, toleranten Atmosphäre.
Nach wie vor werden die Konflikte von Nationalisten in allen drei Bevölkerungsgruppen geschürt. Doch nach wie vor gibt es auch das Bosnien der Toleranz und des geordneten Mit- und Nebeneinanders. Städte wie Sarajevo stehen für diese Tradition. Junge Leute wollen eine Perspektive im eigenen Land erreichen, wollen die Dinge verändern, die Mehrheit der Bevölkerung will vor allem eines: Frieden, eine wirtschaftliche Entwicklung und langfristig die Aufnahme in die Europäische Union.
Die spannende Frage, wie ein Land, das erst vor einem Vierteljahrhundert durch einen so grausamen Krieg gegangen ist, eine demokratische Normalität entwickeln kann, wird auch auf dieser Reise nicht vollständig beantwortet werden. Aber Sie werden den Stand der Dinge vor allem bei Gesprächen mit Menschen aus der Zivilgesellschaft konkret erfahren können. Und damit Einsichten gewinnen, die auch für andere Konfliktherde der Welt von Bedeutung sind.
Reiseleitung: Erich Rathfelder
Die Reise wird vom langjährigen taz-Balkan-Korrespondenten organisiert und begleitet. Seit 1991 hat Erich Rathfelder die Kriege und den Friedensprozess auf dem Balkan durchlebt und beschrieben – und kennt das Land wie kaum ein anderer.
in Kooperation mit Amela Maldosevič
Die Kunsthistorikerin und Dokufilmerin lebt in Sarajevo; als Bosnierin wird bei der Reise auch übersetzen.