Podiumsdiskussion: Basteln, Stricken, Selbermachen

Weltflucht oder Selbstermächtigung?

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Ein Wohlfühlgespenst geht um in Deutschland: Allenthalben werden Mützen gestrickt, Smoothies gepresst, Gärten bestellt. Was bedeutet das? Moderner Biedermeier oder clevere Exitstrategie, um aus der kapitalistischen Warenwelt auszusteigen?

Wenn man sich die aktuellen Fachbuch-Bestsellerlisten ansieht, dann sind die Deutschen hauptsächlich damit beschäftigt, es sich schön zu machen: Stricken, Nähen, Kräuter anbauen. Selbermachen ist wieder im Trend. Doch was ist eigentlich davon zu halten, dass sich erwachsene Menschen mit dem Einkochen von Marmelade und der „Achtsamkeit“ (auch dies ein gesellschaftlicher Megatrend) im Umgang mit Mensch und Natur beschäftigen? Haben wir es hier mit einer regressiven Weltflucht vor den Zumutungen unserer globalisierten Welt zu tun? Mit einer Entpolitisierung? Oder ist die kollektive Sehnsucht nach dem einfachen und guten Leben vielleicht ein Aufbruch, eine Selbstermächtigung des gegängelten Konsumenten? Gewissermaßen eine Repolitisierung durch die Hintertür?