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Archiv-Artikel

die anderen zu den unruhen in der banlieue von paris

Zur Haltung des französischen Innenministers Nicolas Sarkozy meint der Wiener Standard: Kaum hat er wieder einmal Härte markiert und dem „Gesindel“ den Kampf mit dem „Hochdruck-Reiniger“ angesagt, muss er die Wogen wieder zu glätten suchen, um die Vorstadtjugend nicht weiter aufzustacheln – und kurz darauf erneut den Super-Flic herauskehren, weil die latente Gewalt an einer unerwarteten Stelle ausbricht. Viele Franzosen halten seine starken Worte für deplatziert, weil ihnen nicht einmal Taten folgen. Ein halbes Jahr vor den Präsidentschaftswahlen wird die Sicherheitspolitik, auf die Sarkozys Wählergunst beruht, mehr und mehr zu seinem Handikap.

Das Wiederaufflackern der gewalttätigen Proteste kommentiert Budapester Tageszeitung Népszabadság: Die Betroffenen vergaßen durchaus nicht jenes gefällige Maßnahmenpaket, welches Präsident Chirac zum Abschluss der Straßenkämpfe der frustrierten und verbitterten Banlieue auf den Tisch gelegt hatte. Da war von mehr Arbeitsplätzen, mehr Hilfen und mehr Ausbildungsmöglichkeiten die Rede. Inzwischen stellte sich aber heraus, dass der Staat, selbst wenn er wollte, nicht jede Masche des sozialen Netzes erhalten kann, und es verstärkte sich der Eindruck, dass er es auch gar nicht will. Die Vorstädte bleiben jedenfalls weiter eine tickende Zeitbombe.