Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Zeitgenössische Kriegsökonomien zwischen Konflikt und Kapitalismus

"Kriegsökonomie" ist ein omnipräsenter Begriff in aktuellen Debatten um Länder wie Syrien, Irak oder Libyen. Die dominante Idee der Kriegsökonomie sieht diese als eine Normabweichung und geht davon aus, dass Wirtschaften durch Gewalt zerstört würden. Es entwickeln sich neue Kriegs-Profiteure, so genannte Warlords, die ein (ökonomisches) Interesse an der unendlichen Fortsetzung des Krieges hätten. Dementsprechend wird für viele Ökonomen, Geber und NGOs eine "Normalisierung" der Wirtschaft zunehmend auch als Lösung des Krieges in Stellung gebracht.

Dieses Konzept suggeriert, dass Wirtschaft und Krieg sich antagonistisch gegenüber stünden. Es ignoriert jedoch die zerstörerischen und negativen Effekte der neoliberalen Vorkriegsökonomien. Wenn wir ökonomische Beziehungen nicht als inhärent friedlich und gerecht, sondern als zwangvoll und ausbeuterisch verstehen, ergibt sich die Ökonomie womöglich eher als Ursache und Fortsetzung denn als Lösung des Krieges. Ausgehend von diesem Spannungsfeld wollen wir uns in der Veranstaltungsreihe „Economies at War“ kritisch dem Begriff Kriegsökonomie widmen.

In der ersten von fünf Veranstaltungen werden wir das Konzept kontextualisieren und anhand von Beispielen greifbar machen. Jamie Allison und Nour Harastani (angefragt) werden das Konzept theoretisch und praktisch mit der Vorkriegs- und der sich entwickelnden Nachkriegsökonomie in Syrien diskutieren. Weitere Veranstaltungen werden sich mit Kurdistan, dem Irak und weiteren Ländern der Region beschäftigen.

Veranstaltungssprache: Englisch mit deutscher Flüsterübersetzung

Referent*innen:
Dr. Jamie Allison Dozent für Politik und Internationale Beziehungen des Mittleren Ostens an der Universität Edinburgh. Er ist Autor von „The Struggle for the State in Jordan: The Social Origins of Alliances in the Middle East“ (IB Tauris, 2016) sowie Ko-Preisträger des Jadaliyya Buchpreises für Politische Ökonomie.

Nour Harastani ist Architektin und Stadtforscherin mit Fokus auf soziale Gerechtigkeit, Informalität und räumliche Änderungen während Konflikten. Sie ist im Projekt Syrbanism aktiv.

Eine Kooperationsveranstaltung von dis:orient und dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung

Diese Veranstaltung wird realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.