Rechte Security beim „Splash!“-Festival

Mitarbeiter rassistisch beleidigt

Veranstalter des „Splash!“- und des „Melt!-Festivals stehen in der Kritik. Kommen Sicherheitskräfte aus der Naziszene zum Einsatz?

viele Menschen, im Hintergrund die Bühne des Splash!-Festivals und ein Kohlebagger

Hinter den Kulissen des „Splash!“-Festivals war die Stimmung schlechter Foto: imago images/Hartmut Bösener

LEIPZIG taz | Partysommer in Sachsen-Anhalt: An diesem Freitag startet am Gremminer See bei Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt das „Melt!“-Festival. Rund 25.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Noch ein paar mehr waren es vergangenes Wochenende beim „Splash!“-Festival am selben Ort. Doch nun werden Vorwürfe gegen den Veranstalter eines der größten deutschen HipHop-Events laut: Ein Mitarbeiter einer Security-Firma soll von einem Mitarbeiter einer anderen Security-Firma rassistisch beleidigt und bedroht worden sein – mit merkwürdigen Folgen.

Als der Betroffene und seine Kollegen den Vorfall bei dem Bereichsleiter der Firma Japo Security melden, werden Konsequenzen gezogen – doch andere als erwartet. Der Einsatz der Security-Firma wird für das vom gleichen Veranstalter veranstaltete „Melt!“-Festival drastisch reduziert.

Hamudi ist der Sicherheitsmann, der sich rassistisch beleidigt und bedroht gesehen hat. Seinen Nachnamen möchte er aus Angst vor rechten Anfeindungen nicht veröffentlicht wissen. Er erzählt, wie zwei Männer ihn am Freitagmorgen vor einer Woche in einem Crew-Shuttle etwa zehn Minuten lang beschimpft hätten. Einer der beiden – etwa 1,90 groß und breit, Tattoos am ganzen Körper und im Gesicht – habe die ganze Zeit geschrien: „Fotze“, „Assi“, „Arschloch“, „Ausländer“ – und noch so einiges mehr.

Sein Kollege Felix* sagt, die Gesichtstattoos seien Runen. Außerdem habe der Mann Thor-Steinar-Kleidung getragen – beides Codes der Neonazi-Szene. Später, so der Betroffene, hätten die beiden Männer mit zwei weiteren an seinem Zelt aufgelauert, ihn minutenlang einfach nur angestarrt.

Bis der, der ihn im Bus schon angeschrien hatte, auf ihn zu kam und drohte: „Wenn du nicht abhaust, pissen wir euch in die Zelte.“ Die Männer gehörten zu der Sicherheitsfirma WBV aus Plauen. Plauen ist bekannt für seine verankerte Neonazi-Szene.

„Was ist denn an Thor Steinar das Problem?“

Es sei jedes Jahr das gleiche, sagt Hamudi: „Es werden Nazi-Securitys angestellt, die Nazikleidung und Tattoos tragen und Menschen angehen.“ Er und seine Kollegen beschwerten sich beim Bereichsleiter André H. der Firma Japo Security.

André H. habe die Situation heruntergespielt, sagt Felix. Es sei ja nur ein Streit zwischen Kollegen, habe der gesagt. Und: „Was ist denn an Thor Steinar das Problem? Das trage ich ja selbst auch.“ Wenn sie nicht mit Japo Security arbeiten wollen, müssten sie eben gehen.

Andre H. von Japo Security sagte auf Anfrage der taz, wenn man ihm nicht sage, woher man seinen Kontakt habe, gebe er „kein Kommentar.“ Und beendete das Telefonat.

Auch das Online-Magazin HipHop.de berichtet von einer „absolut respektlosen Sicherheitsfirma.“ Demnach seien vor allem Schwarze nachts immer wieder spontan kontrolliert worden. Auf Facebook sprechen Besucher*innen von „rechten Securitys“, die Kleidung der rechten Szenemarke Thor Steinar und andere mit „Nazicodes“ versehene Kleidungsstücke getragen haben sollen.

Felix sagt, auch 2017 sei ein Kollege auf dem „Splash!“-Festival rassistisch beleidigt worden. Er habe sich gewehrt, woraufhin die Sicherheitsmänner mit dem Auto neben das Zelt des Mannes gefahren seien und Rechtsrock abgespielt hätten.

Japo Security habe auch damals kaum reagiert: „Sie haben zwar gesagt, der Mann müsse in Ruhe schlafen gelassen werden“, sagt Felix. „Die Musik, die sie hören, sei aber Privatsache.“ Die Männer seien Subunternehmer der Sicherheitsfirma Ronin aus Köthen in Sachsen-Anhalt gewesen.

Spitzname „Ironhead“

Ronin Security, das ist die Firma von Norman Jendrejczyk. Jendrejczyk, Spitzname „Ironhead“, ist Freefighter und hat 2016 an einer Veranstaltung des Imperium Fighting Team teilgenommen. Das Team stand schon mehrfach wegen seiner Verbindungen zur rechten Szene in der Öffentlichkeit– zuletzt in Verbindung mit dem Neonazi-Angriff auf Connewitz 2016 und dem rechten Aufmarsch in Chemnitz 2018. Bei beiden sollen mehrere Mitglieder des Freefight-Teams dabei gewesen sein.

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Öffentlich präsentierte sich Jendrejczyk in der Reality-TV-Soap „Leben Lieben Leipzig“ mit einem Pullover der Marke „Natural Body Power“ (NBP), die unter anderem Kleidung mit der Aufschrift „Nationalstolz ist kein Verbrechen“ verkauft. Auf damalige Anfrage beteuerte Jendrejczyk, NBP sponsore ihn, distanzierte sich aber von einer rechten Gesinnung.

In der Serie mimt er den Besitzer der Tabledance-Bar Metropolis – eine Nachtbar in der Leipziger Innenstadt, die bei den Legida-Aufmärschen (Leipziger Ableger von Pegida) beliebter Treffpunkt für rechte Sympathisanten war.

Schon 2019 fiel die Securityfirma Japo durch Subunternehmern mit Angestellten rechter Gesinnung auf. Damals machten linke Recherchegruppen bekannt, dass Michael W., der von der Polizei als „rechter Schläger“ bekannt sei und der „Neonazi“ Tommy H. aus dem Umfeld der Jugendorganisation der NPD für die Firma Japo arbeiteten.

W. soll demnach schon 2010 für das „Splash!“- und das „Melt!“-Festival als Security gearbeitet, schließlich aber „aufgrund antifaschistischer Intervention“ mehrere Festivals verlassen haben, wie die Dokumentationsplattform Chronik.Le 2010 schrieb.

Verbindungen zur rechten Szene sind kein Novum

Die Verbindungen zwischen Sicherheitsdiensten und der rechten Szene sind kein Novum. Auch aus Geflüchtetenunterkünften werden immer wieder rassistische Übergriffe von rechen Sicherheitsbeamten bekannt. So wie 2014 in Burbach, als bekannt wurde, dass Mitarbeiter der Sicherheitsfirma SKI mehrfach Geflüchtete brutal folterten.

Erst kürzlich wurde in Bremen aufgrund von angeblichen Anfeindungen gegenüber Geflüchteten gegen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Procertus protestiert. Der Psychiatriepatient Tonou-Mbobda aus Kamerun verstarb im April in einem Hamburger Krankenhaus, nachdem die Mitarbeiter einer Krankenhaus-Sicherheitsfirma in brutal zusammenschlugen.

Felix und seine Kollegen meldeten sowohl die Bedrohung, als auch die rassistischen Beleidigungen und die einschlägigen rechten Szenecodes der Produktionsleistung des „Splash!“-Festivals. Diese habe sich bei der Meldung des Vorfalls „sehr erschrocken“ gezeigt, sagt er. „Sie haben glaubwürdig rübergebracht, dass sie das nicht dulden und dann wohl auch Gespräche mit Japo geführt.“

Auf Anfrage der taz schickte „Splash!“-Pressesprecher Steffen Martini lediglich ein offizielles Statement, in dem es heißt, das Festival habe eine „Null-Toleranz-Grenze“ gegenüber solcherlei Vorfällen. „Für Rassismus, Sexismus, Homophobie, Transphobie, kriminelle Energie und alles, was damit zu tun hat“ sei kein Platz auf dem „Splash!“ und anderen Events, so das Statement.

Der entsprechenden Person sei schon während des Festivals die Arbeitserlaubnis entzogen worden, außerdem werde der Vorfall mit den entsprechenden Dienstleistern ausgewertet, um „im Anschluss an die Produktion selbstverständlich weitere notwendige Konsequenzen“ zu ziehen. Weitere Fragen solle man an den Dienstleister richten.

Felix zog Konsequenzen und brach seinen Arbeitseinsatz ab. Auch Hamudi fuhr nach Hause und bereitete sich auf den kommenden Einsatz für das „Melt!“-Festival vor. Doch noch bevor er dort anreisen konnte, wurden nahezu alle Posten seiner Security-Firma für das „Melt!“-Festival gestrichen.

Hamudi vermutet als Motiv Angst vor wirtschaftlichem Schaden. Denn während die Mitarbeiter seiner Firma nur einen kleinen Teil der Security bereitstellen, stellt Dienstleister Japo Security einen Großteil der Infrastruktur der beiden Festivals, von Security über Abbau, bis zu Strom und Getränken. „Sie bauen das Festival quasi“, sagt Hamudi.

Dass die Firma Hamudis nicht in der gleichen Größenordnung wie beim „Splash!“-Festival im Einsatz sei, habe „strukturelle Hintergründe, wie die wesentlich geringere Besucherzahl“, versichert demgegenüber Japo Security in einer der taz übermittelten Stellungnahme. Das Unternehmen würde jedenfalls „ganz klar gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus“ stehen und stets reagieren, „sobald wir von derartigen Vorkommnissen erfahren“. So werde auch der beschuldigte Mitarbeiter „selbstverständlich nie wieder für uns arbeiten“.

Das „Melt!“-Festival auf der Halbinsel Ferropolis findet an diesem Wochenende wie geplant statt. Ob mit oder ohne rechte Securitys von WBV oder Ronin Security konnte bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden.

* Namen von der Redaktion geändert.

Aktualisierung: Die Firma Japo Security hat nach Veröffentlichung des Artikels eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie sich vom betreffenden Mitarbeiter distanziert. Dieser werde nicht mehr für das Unternehmen arbeiten. Japo Security stehe „für ein offenes Miteinander und Toleranz“. Der Inhaber der Sicherheitsfirma Ronin betont in einer E-Mail an die taz, dass Mitarbeiter seines Unternehmens nicht an dem im Artikel geschilderten Vorfall aus dem Jahr 2017 beteiligt gewesen seien. Dies haben wir im Artikel auch nicht behauptet.

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