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■ QuerspalteKannibalen auf den Barrikaden

Der südpazifischen Inselrepublik Mononesien droht eine kollosale wirtschaftliche Katastrophe! Bekanntlich sind über 80 Prozent der mononesischen Bevölkerung Anthropophagen, und die Exportwirtschaft stützt sich im wesentlichen auf den Kannibalismus.

Nach dem jüngst publik gewordenen Skandal um Aspirinspuren im Menschenfleisch, droht nun ein ökonomisches Desaster ungeahnten Ausmaßes! Eine rätselhafte Seuche grassiert unter den zum Verzehr vorgesehenen Hominiden: die humane spongiforme Encephalopathie, kurz HSE. Sie führt innerhalb kürzester Zeit zu Engstirnigkeit, Bürokratismus und Humorlosigkeit. Die Betroffenen sterben qualvoll an zunehmender Langeweile.

Skandalös auch: Gesundheitsminister Jack London hat wissenschaftliche Berichte ganz einfach ignoriert, er hat die Meldung einer Übertragbarkeit von HSE auf Vegetarier dementiert.

Die Importländer haben aber bereits reagiert. Sie belegten mononesisches Menschenfleisch mit einem strikten Importverbot und forderten, alle Infizierten unter Quarantäne zu stellen.

Viele Menschenfresser legen schon seit längerem Wert auf ausschließlich biologisch erzeugtes Fleisch aus artgerechter Menschenhaltung. Waren es bislang nur radikale autonome Menschenschutzgruppen, so treten nun auch liberale und konservative Kannibalen für einen Verzicht auf die „Man-Burgers“ und das „Frikassee à l'homme“ ein.

Gourmets und Fast-food-Gourmands gehen inzwischen gemeinsam auf die Barrikaden, die Forderung nach einem Austritt aus der ICA (International Cannibals Association) wird immer lauter.

Der Premierminister serviert ausländischen Staatsgästen „Chili con homme“. Die erschütterndste Meldung aber verriet, daß der bislang streng vegan lebende „Kanak-shield-Orden“ seinen Mönchen einen solidarischen Tag verordnet hat, an dem sie ihre Rote Grütze mit humaner Gelatine zubereiten müssen! Suzanna Barkawitz

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