Polen

Programm der Reisen

vom 27. Juli bis 4. Aug. 2018

Das Krantor an der Mottlau - ein Wahrzeichen Danzigs Bild: Ventus

1. Tag  (individuelle Anreise nach Danzig)

Individuelle Anreise mit Bahn, Bus oder der Flugzeug. Check-in im Hotel. Um 18 Uhr Begrüßung der Gruppe durch die Reiseleiterin Gabriele Lesser. Kurze Vorstellung des Programms. Eventuell noch Zeit für einen ersten kleinen Rundgang.

Abendessen im Hotel.

2. Tag Sonntag (Danzig)

Nach dem Frühstück unternehmen wir einen Stadtrundgang in Danzig und sehen uns die zunächst die Altstadt an. Die Stadt war im Zweiten Weltkrieg zu 90% zerstört worden und wurde nach 1945 wieder aufgebaut. Unser Rundgang führt u.a. zum Rathaus, dem Fischmarkt,  dem Langen Markt, zum Artushof und zur Marienkirche).

Die Ostseestadt Danzig geriet Anfang 2019 weltweit in die Schlagzeilen, nachdem ein aus der Haft entlassener Krimineller den liberalen Oberbürgermeister Pawel Adamowicz auf einer Freilichtbühne erstochen hatte. Dem politischen Attentat ging eine monatelange Hetz-Kampagne gegen Adamowicz in den „Nationalen Medien“, dem früher Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, sowie den PiS-nahen Medien voraus. Der Mord setzte das ganze Land unter Schock.

Im Zentrum der Trauerfeiern stand das Europäische Solidarnosc-Zentrum (ECS), das auf Initiative von Adamowicz entstand und seit nunmehr fünf Jahren in einem eigenen Gebäude in der ehemaligen Danziger Lenin-Werft untergebracht ist. Auf unserem ersten Stadtspaziergang werden wir auch ins ECS gehen, uns die Ausstellung zur Gewerkschaft Solidarnosc in ihrer europäischen Bedeutung ansehen und mehr über die zivilgesellschaftlichen Organisationen erfahren, die Räume im ECS nutzen dürfen.

Am Nachmittag werden wir im Gespräch mit einer Wissenschaftlerin mehr über die aktuelle Situation der Kaschuben erfahren, einer Minderheit, die über Jahrzehnte so angefeindet und diskriminiert wurde, dass ein großer Teil von ihnen das Land für immer verließ. Dies änderte sich, als mit Donald Tusk ein stolzer Kaschube und Danziger Premierminister Polens und später EU-Ratspräsident wurde.  Bei Abendessen wird uns eine engagierte Danzigerin Gesellschaft leisten, der wir Fragen nach einem ersten erlebnisreichen Tag stellen können.

In der Altstadt von Danzig Bild: Ventus

Abendessen in einem Restaurant. 

3. Tag (Danzig)

Heute wird uns der Schriftsteller und Theaterhistoriker Mietek Abramowicz auf einer Stadtrundfahrt das Spannungsverhältnis zwischen Deutschen, Polen und Juden in der Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit näherbringen. Einer der Protagonisten dieser Erzählung wird der Danziger Günter Grass sein, der für seine „Blechtrommel“ den Literaturnobelpreis bekam, sehr viel später aber auch bekannte, dass er als 17-jähriger in die Waffen-SS eingetreten war.

Mittags essen wir gemeinsam in einem Restaurant.

Am Nachmittag besuchen wir im Stadtteil Dolne Miasto (Niederstadt) eine Initiative zur Nachbarschaftshilfe, die Mut machen will, die Nachbarn kennenzulernen, etwas mit ihnen zu unternehmen und sich gemeinsam für den Stadtteil zu engagieren. Dolne Miasto war jahrzehntelang – insbesondere in der kommunistischen Zeit – vernachlässigt worden und galt als "Asozialen-Viertel". Das ändert sich seit einigen Jahren, auch dank der umsichtigen Politik der Danziger Stadtverwaltung. Näheres dazu erfahren wir im "Inkubator".

Abends gibt es Zeit zur freien Verfügung und für individuelles Abendessen.

Der Warschauer Kulturpalast Bild: Archiv

4. Tag (Danzig-Warschau)

Nach dem Frühstück  sehen wir uns das Museum des Zweiten Weltkriegs an, das am Eröffnungstag im Dezember 2015 eine in der Welt einmalige Ausstellung zeigte. Inzwischen wurden der Gründungsdirektor wie auch der Beraterstab von international renommierten Historikern entlassen. Peu à peu verändert die Ausstellung ihren Charakter, ist aber in ihrer ursprünglichen Fassung noch gut zu erkennen. Kein anderes Land in Europa kann auf ein dermaßen gelungenes Museum zum Zweiten Weltkrieg verweisen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen fahren wir am Nachmittag mit dem Intercity nach Warschau. Dort checken wir im Hotel ein und können dann den Abend individuell gestalten, zum Beispiel mit einem Bummel oder Essen in der nahe gelegenen Altstadt. 

5. Tag (Warschau)

Auf einem thematischen Stadtrundgang lernen wir heute die polnische Hauptstadt kennen. Warschau wurde 1944, nach dem niedergeschlagenen Warschauer Aufstand vom 1. August, von den Nazis in die Luft gejagt. Spezielle Sprengkommandos verwandelten die Stadt innerhalb von drei Monaten in einen Berg aus Schutt und Asche. In diese vollkommen leere und zerstörte Stadt zogen dann die sowjetischen "Befreier" ein und etablierten ein von den meisten Polen ungewolltes kommunistisches Regime. Doch Warschau ist wie ein „Phönix aus der Asche" wiedererstanden, die aufgebaute Altstadt schaffte es sogar auf die Unesco-Liste des Weltkulturerbes.

Viele Warschauer engagieren sich heute, obwohl häufig Zugereiste, ganz besonders für „ihre Straße“ oder „ihren Stadtteil“. Nachmittags werden wir die Stiftung „Multiocalenie“ kennenlernen, die sich um die Probleme und das Wohlergehen von alteingesessenen und Neu-Warschauern kümmert. Außerdem besuchen wir das 2013 eröffnete Museum der Geschichte der polnischen Juden, 'Polin' genannt, nach dem hebräischen Wort für „Hier ruhe aus!“ und auch „Polen“.

Im Museum der Geschichte der polnischen Juden "Polin" Bild: Archiv

Abends gemeinsames Abendessen. 

6. Tag (Warschau)

Am nächsten Tag, dem 1. August, beginnen um 17 Uhr mit Sirenengeheul die Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des Warschauer Aufstandes von 1944. Morgens werden wir allerdings zuerst mit dem Bus zur 60km entfernten Gedenkstätte des ehemaligen SS-Vernichtungslagers Treblinka fahren. Hier wurden fast alle Warschauer Juden ermordet, über 300.000 Menschen. In die Vernichtungslager Treblinka, Sobibor, Belzec und Majdanek deportierten die deutschen Besatzer am März 1942 im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ die Juden aus den Ghettos des besetzten Polens. Dazu wir die Reiseleiterin vor Ort mehr berichten.

Zurück in Warschau gehen wir in ein jüdisches Restaurant zum Mittagessen. Anschließend treffen wir uns zunächst mit einer NGO, die gegen Antisemitismus und Rassismus im heutigen Polen kämpft, sich für Toleranz, Offenheit und gegenseitigen Respekt im öffentlichen Leben einsetzt. Um 17 Uhr beginnt inzwischen schon traditionell das gemeinsame Singen von Aufstandsliedern aus dem Jahre 1944. Auf dem Pilsudski-Platz werden sich zehntausende Warschauer versammeln – darunter unsere kleine Gruppe - und Liebes-, Kampf- und Durchhaltelieder singen.

Wer möchte, kann später am Abend noch zum Krasinski-Platz mit dem Aufstandsdenkmal gehen und dort die offiziellen Gedenkfeiern verfolgen. Das Beeindruckende dort ist die Licht- und Musikdramaturgie, die den Eindruck erweckt, als sei das Denkmal lebendig und wie 1944 der einzige Fluchtweg aus der brennenden Altstadt und vor den Wehrmacht-Soldaten die Abwasser-Kanäle unter den Straßen.

7. Tag (Lodz)

Am Morgen fahren wir mit dem Zug nach Lodz. Die Industriestadt liegt etwa anderthalb Bahnstunden von der polnischen Hauptstadt entfernt. Ein Wissenschaftler der Universität Lodz wird uns die „Stadt der vier Nationen“ oder auch „Stadt der vier Kulturen“ zeigen, also die der Polen, Russen, Juden und Deutschen, die im 19. Jahrhundert aus Lodz das „Manchester Polens“ machten. Anders als Danzig und Warschau wurde Lodz im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Wie früher trifft hier Arm und Reich krass aufeinander, ehemalige Fabrikantenvillen, luxuriöse Einkaufszentren neben grauen Arbeitersiedlungen und Obdachlosen.

Multikulturell ist Lodz auch heute. Dazu erfahren wir mehr auf einem Stadtrundgang. Eine individuelle Mittagspause ist in einem der Restaurants auf dem Gelände der „Manufaktura“, dem auf dem Gelände einer ehemaligen Textilfabrik neu entstandenen Einkaufs- und Freizeitzentrums, möglich.

Gut gestärkt geht es dann nachmittags mit dem Stadtrundgang weiter. Da Starregisseure wie Andrzej Wajda und Roman Polanski die Lodzer Filmhochschule absolviert haben, könnten wir am Abend den Wajda-Film „Das gelobte Land“ nach dem gleichnamigen Roman des Literatur-Nobelpreisträgers Wladyslaw Reymont sehen.

8. Tag (Lodz)

Nach dem Frühstück treffen wir uns mit einer feministischen NGO, die nicht nur gemeinsam mit anderen Organisationen für die Rechte der Polinnen kämpft, sondern sich insbesondere dafür einsetzt, dass Straßen, Plätze und Rondos in Lodz nicht nur nach Männern, sondern auch nach Frauen benannt werden. Bei einer ersten großen Aktion im Winter 2018 wurden 20 Haltestellen vorübergehend nach Frauen benannt, die einst in der Nähe gelebt hatten. Die Aktion kam gut an. Worin das eigentliche Problem liegt und was als nächstes geplant ist, werden wir von der Chefin der Bürgerinitiative „Auf den Spuren der Frauen“ erfahren.

Danach ist Zeit für ein selbständiges Erkunden der Stadt, den Besuch eines der zahlreichen hervorragenden Museen oder auch einfach nur zum Schlendern und Auspannen.

Den letzten Tag unserer Reise beschließen wir mit einem festlichen Abendessen, währenddessen auch Zeit ist Rückblick, Manöverkrititk und Vorschläge für die zukünftigen Reisen in die Zivilgesellschaft Polens.

9. Tag (individuelle Rückreise)

Nach einem ausgiebigen Frühstück endet die gemeinsame Reise. Einige Teilnehmer werden noch einige Tage in Polen bleiben, andere ihre Heimreise individuell antreten.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 13.2.2019