Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung: Perspektiven auf die Demokratiebewegung in Hongkong

Seit Juni 2019 gehen Menschen in Hongkong auf die Straße: Schüler*innen und Studierende, Büroangestellte, Lehrer*innen und Rentner*innen. Ausgelöst durch Demonstrationen gegen ein geplantes Gesetz zur Auslieferung vermeintlich Krimineller an die Volksrepublik China richten sich die Proteste gegen die Repressionen der Hongkonger Regierung und den zunehmenden Einfluss der Volksrepublik China in Hongkong. Nicht zuletzt steht der Hongkonger Aufstand für eine Welle von beispiellosen Protesten, die sich im Jahr 2019 global ereignet haben. Wie viele dieser Proteste zeichnet sich die Hongkonger Bewegung dadurch aus, dass es sich um eine ‚gesichtslose Bewegung‘ handelt, die keiner klaren Führung folgt. Unterschiedliche Strömungen sind beteiligt – darunter lokalistische, die ein exklusives Verständnis Hongkonger Identität vertreten, aber auch Strömungen, die sich für Gleichberechtigung marginalisierter Gruppen und solidarische Beziehungen mit Migrant*innen einsetzen und sowohl neoliberale als auch autoritäre Formen des Kapitalismus in Frage stellen.

Auf der Veranstaltung werden zwei Referentinnen ihre Perspektiven auf die Bewegung und die sozialen Konfliktlagen in der Stadt teilen: eine soziale Aktivistin aus Hongkong und eine indonesische Haushaltsarbeiterin, die bis zu ihrer Abschiebung im Zuge der Proteste über zehn Jahre in Hongkong lebte und für die indonesische Community journalistisch über den Aufstand berichtete. Sie werden Aspekte beleuchten, die in der deutschen Berichterstattung kaum behandelt werden. Neben den Forderungen der Bewegung diskutieren die Referentinnen den (Protest-)Alltag unter Lebensbedingungen der hochkapitalisierten Stadt, die Veränderung sozialer Beziehungen, Geschlechterverhältnisse in der Bewegung, Erfahrungen von Migrant*innen sowie selbstorganisierte Unterstützungsnetzwerke.

Realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.