Personenführung #80: Dirk Knipphals

Vergnügliches Sinnieren

Dirk Knipphals, Literaturredakteur der taz, ist ein Kollege, der das akkribische Arbeiten schätzt.

Bild: Josef Cramer; Montage: taz

1999 kam er zur taz, wirkte einige Jahre als Leiter des Kulturressorts, aber solche Fakten klingen viel zu nüchtern für die Aura dieses Kollegen: Dirk Knipphals verkörpert die taz als Aufmerksamkeitsmaschine für das Literarische mit Hingabe – wuchtig und mit Sachtheit zugleich.

„Es kann ein Vergnügen sein, ihn in der Redaktion beim Sinnieren zuzuschauen“

Er hat das Übliche für das Kritikerhandwerk studiert, Literaturwissenschaften und Philosophen in Kiel und in Hamburg. Volontiert hat er nie, aber geschrieben schon immer. Für die Schülerzeitung, für das Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt und eben jüngst immer für die taz.

Er liebte früher Fußball, inzwischen mehr Yoga: womöglich alters-, heißt körpergemäß. Dirk Knipphals wird, wie schon so viele Jahre zuvor, auch diesmal zur Buchmesse reisen, denn Literatur ist für ihn mehr als „Branchengeschnatter“ – Literatur, so sagt er, sei ihm so wichtig wie ein Grundnahrungsmittel: „Sie ist eine Form der Bereicherung der Welt. In gelungenen Romanen kann man erfahren, dass es gelingen kann, das alltägliche Leben wichtig, ernst und genau zu nehmen. Romane können gute Verbündete sein bei den eigenen, immer etwas tapsigen Versuchen, auch das eigene Leben ernst und genau zu nehmen.“

Das Leben ist schließlich keine Generalprobe, sondern der erste und einzige Versuch. Man hat nur diese eine Chance, eine zweite sei ungewiss. Dazu hat er auch ein Buch verfasst, erschienen Anfang vorigen Jahres. Der Titel: „Die Kunst der Bruchlandung. Warum Lebenskrisen unverzichtbar sind“.

Knipphals, der als Schleswig-Holsteiner immer noch staunend durch Berlin geht und guckt, mag an der Stadt die Gemäldegalerie und die Parks – am Gleisdreieck, am Tempelhofer Feld oder den Kleistpark.

Es kann ein Vergnügen sein, ihn in der Redaktion beim Sinnieren zuzuschauen: Da werkelt jemand mit Akribie, innerlich wie äußerlich.

Nicht nebenbei: Literarisch, so erzählt Dirk Knipphals, sei er mit den großen Außenseiterfiguren sozialisiert worden. Hanno, Josef K., Raskolnikow, Holden Caulfield.

Später kamen ambivalentere Figuren hinzu, die sein Interesse weckten. Etwa Lewin und Kitty aus „Anna Karenina“ oder David Lurie aus Coetzees „Schande“. Ein Erfasster sozusagen – am 10. Oktober feierte er seinen 53. Geburtstag. Wir gratulieren sehr!

JAN FEDDERSEN