Palästina/Jerusalem: Programm der Reise

vom 6. bis 16. Oktober 2021

Bethlehem, Graffiti an der Trennungsmauer im Flüchtlingslager Aida Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

1. Tag

Flug nach Tel Aviv, Transfer in unser Hotel in der Nähe des Hafens von Tel Aviv. Vor dem Abendessen ist noch Zeit, das Programm der kommenden Woche zu besprechen und dieTeilnehmer*nnen kennen zu lernen. Und Judith Poppe, die taz-Korrespondentin in Tel Aviv, wird uns über die aktuelle Situation in Israel informieren.

2. Tag

Wir machen eine kleine Tour durch Tel Aviv und fahren dann in die seit 1967 besetzten Gebiete der Palästinenser, auch ‚Westbank‘ genannt. Unser erstes Ziel ist Bethlehem. Beim Rundgang durch die Altstadt besuchen wir natürlich die Geburtskirche, aber auch das Projekt „Wings of Hope“, eine Anlaufstelle für traumatisierte Menschen.

Danach unternehmen wir eine Bustour in die Umgebung bis zum Ort Battir, direkt an der „grünen Linie“ zu Israel. Die Jahrhunderte alte Terrassen-Landwirtschaft des Dorfes wurde ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Die kommenden zwei Nächte werden wir bei palästinensischen Familien übernachten, eine Art ‚Bed and Breakfast‘, organisiert von unserem Partner vor Ort, der „Alternativ Tourism Group“. Vor dessen Büro in Beit Sahour treffen wir die verschiedenen Gastfamilien, auf deren Zimmer die Reisegruppe aufgeteilt wird. An diesem Abend erhalten wir unser Abendessen auch in den Gastfamilien.

Graffiti von Banksy an einer Hauswand in Bethlehem Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

3. Tag

Am Vormittag besuchen wir eine Umwelt-Initiative in der Schule Talitha Kumi im NachbarortBeit Jala. Zur Mittagspause sind wir wieder in Bethlehem. Mit unserem Bus fahren wir zu einigen besonders markanten Stellen der „Trennungsmauer“ und werfen einen Blick in das Stadtviertel, das immer noch ‚Flüchtlingslager Aida‘ heißt. Bei unserer Rundtour werden wir Graffitis von Banksy entdecken und auch das relativ neue Banksy-Hotel mit seinen Ausstellungen besuchen.

Am Nachmittag fahren wir nach Beit Sahour zurück und besuchen eine Fair-Trade-Kooperative, die in der restaurierten Altstadt ein Zentrum betreibt. Deren Leiterin wird uns über die wachsende Fair-Trade-Bewegung in Palästina informieren. Zum Abendessen werden uns Frauen aus der Nachbarschaft traditionelle Gerichte auf der Dachterrasse des Zentrums servieren, einen herrlichen Blick über die Landschaft gibt es dazu. Übernachtung wieder bei den Gastfamilien.

4. Tag

Fahrt nach Hebron und Besuch der Altstadt, deren Bewohner seit Jahren mit militanten israelischen Siedlern konfrontiert sind. Bei unserem Gang durch den Altstadt-Souk bzw. was davon übrig geblieben ist, können wir im Laden einer Frauenkooperative traditionelle Stickereien bewundern und treffen palästinensische Jugendliche. Sie werden vom Leben in dieser besonderen Stadt berichten. Natürlich gehen wir auch zu Abrahams Grab (al-Haram al-Ibrahimi) – auf einer Seite eine Moschee, auf der anderen Seite eine Synagoge, dazwischen Panzerglas.

Shuhada-Straße in der Altstadt von Hebron: früher eine geschäftige Straße zum zentralen Markt, heute Verbindungsstraße zwischen jüdischen Siedlungen im dafür abgetrennten Teil der Stadt; die Palästinenser mussten ihre Häuser verlassen. Bild: Ralf Leonhard

Bevor wir die Stadt verlassen, werfen wir noch einen Blick in eine der berühmten Glasbläsereien von Hebron. Danach fahren wir an Jerusalem vorbei nach Ramallah. Bei einem Orientierungs-Spaziergang in der Umgebung unseres Hotels besuchen wir den Fotografen Majdi Hadid  (www.beautifulpalestine.org) in seinem Studio. Er wird uns über die Aufteilung der Westbank in die A-, B- und C-Gebiete informieren und beim Abendessen im Hotel unser Gast sein.

5. Tag

Nach dem Frühstück fahren wir in den Ort Bir Zeit und besuchen ein interessantes Projekt für Jugendliche: eine Zirkusschule. Danach beginnen wir in Begleitung der Architektin Sahar Qawasmi eine Fahrt durch eine friedliche Hügellandschaft mit kleinen Dörfern, Olivenhainen und Feldern und entdecken dabei alte Kirchen, Sufi-Heiligtümer und die Gastfreundschaft der Palästinenser.

Erstes Ziel ist das Dorf Adoub, wo eine der ältesten Kirchen Palästinas steht, aus dem 4. Jahrhundert nach Christus. Weiter geht es zum Ort Ras Karkar zum Palast eines Steuereintreibers aus osmanischer Zeit, der von der NGO Riwaq restauriert wurde. Unsere Begleiterin arbeitete damals bei Riwaq und koordinierte die Restaurierungsarbeiten.

Straßencafé in der Altstadt von Ramallah Bild: Johannes Weber

Am Schluss wandern wir beim Ort Ain Quiniya auf einen Hügel zum Projekt ‚Sakiya für nachhaltige Produktion‘ (www.sakiya.org), das von Sahar Qawasmi und anderen vor 2 Jahren gegründet wurde. Es verbindet die Entwicklung nachhaltiger Produktionsweisen in der Landwirtschaft mit künstlerischen Aktivitäten und Wissensvermittlung.

Zurück in Ramallah gehen wir ins Büro der Heinrich-Böll-Stiftung und diskutieren mit der Büroleiterin Bettina Marx. Die grüne Stiftung unterstützt viele Projekte palästinensischer Gruppen und weiß über deren Situation bestens Bescheid.

Zum Abendessen fahren wir zurück ins Hotel. Als Gesprächs- partnerin wird uns Mariam Puvogel Gesellschaft leisten. Sie ist die Vertreterin von ‚medico international‘ in Ramallah, dem Kooperationspartner dieser Reise.

6. Tag

Der Tag beginnt mit einem Spaziergang durch Ramallah, die provisorische Hauptstadt der Palästinenser: von der kleinen Altstadt über den Manara-Platz bis zum Mausoleum des verstorbenen Präsidenten Yassir Arafat, in dem seit 2 Jahren auch eine sehenswerte Ausstellung über die Geschichte der PLO untergebracht ist.

Palästinensische Straßenbäcker Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

Anschließend fahren wir hinunter ins Jordantal, 260 m unter dem Meeresspiegel, nach Jericho, eine der ältesten Städte der Welt. Auf dem Weg machen wir einen Stopp in der Judäischen Wüste bei der Sufi-Pilgerstätte Nabi Moussa. In einem Restaurant am Berg der Versuchung können wir den Blick bis nach Jordanien und zum Toten Meer genießen.

Unsere Fahrt geht im Jordantal weiter. Wir besuchen ein palästinensisches Dorf nördlich von Jericho und treffen Vertreter der palästinensischen Landarbeiter-Gewerkschaft, einer Partnerorganisation von medico international.

Am Abend fahren wir nach Nablus. Unser Hotel liegt mitten im Souk der Altstadt.

7. Tag

Am Vormittag machen wir einen Rundgang durch die Altstadt von Nablus in Begleitung eines Gewerkschafters, der die Geschichte der Häuser und Gassen kennt. Die Altstadt von Nablus hat ihren traditionellen Charakter weitgehend erhalten. Unterwegs werden wir auch die Spezialität der Stadt kosten: Knafeh, eine warme Süßspeise mit einem speziellen Käse.

Die Sufi-Pilgerstätte Nabi Mousa in der Jüdischen Wüste am Rande des Jordantals Bild: Andreas Müller

Nach einer Mittagspause fahren wir nach Norden in das Dorf Sebastiya, einst eine wichtige Stadt der Römer, bevor Nablus gegründet war. Davon zeugt ein Ausgrabungsfeld mit römischem Amphitheater, aber fast noch spannender ist die restaurierte Altstadt aus osmanischer Zeit. Am späten Nachmittag fahren wir nach Nablus zurück und treffen Jugendliche in einem Jugend-Zentrum; Abendessenmit einem Gast im Hotel.

8. Tag

Nach dem Frühstück gibt es noch ein Treffen mit einer sehr engagierten Frauengruppe, danach verlassen wir Nablus und fahren zur renommierten Universität in Bir Zeit. Vielleicht ist ein Gang über den Campus möglich, auf jeden Fall besuchen wir das architektonisch interessante neue palästinensische National-Museum und schauen, ob gerade eine interessante Ausstellung zu sehen ist.

Am Nachmittag fahren wir noch einmal nach Ramallah und besuchen 'Riwaq', eine NGO, die sich seit über 25 Jahren sehr erfolgreich für den Denkmalschutz engagiert: historische Bauten, auch in kleinen Dörfern, werden renoviert und der jeweiligen Kommune zur Verfügung gestellt – für Kindergärten, für Frauengruppen oder andere örtliche Projekte. Ziel der Organisation ist es, das Kulturerbe Palästinas zu bewahren, gleichzeitig Bauarbeiter zu qualifizieren und das Wissen über alte Hausbau-Techniken lebendig zu halten sowie Arbeitsplätze zu schaffen. Riwaq arbeitet in 80 Dörfern, restaurierte auch die Altstadt von Bir Zeit und Sebastiya. Im Grunde übernimmt diese NGO Aufgaben der staatlichen Verwaltung.

Am Abend erreichen wir das letztes Ziel unserer Reise: Jerusalem. Unser kleines Hotel liegt im palästinensischen Ost-Jerusalem in der Nähe der Altstadt-Mauer beim Damaskus-Tor. Die ehemalige Stadtvilla aus Natursteinen wirkt mit ihren historischen Möbeln im Flur fast wie ein Museum. Im Gartenrestaurant lassen wir den Tag beim Abendessen mit einem Gast ausklingen

Sebastiya, in der Nähe von Nablus, war einst eine wichtige römische Siedlung Bild: Ralf Leonhard

9. Tag

Der Vormittag gehört der beeindruckenden Altstadt von Jerusalem, eine der größten im Nahen Osten, völlig umschlossen von einer Festungsmauer aus osmanischer Zeit. Hier werden die Häuser und Gassen seit über 2000 Jahren in- und übereinander gebaut: Stein gewordene Geschichte.

Wir besichtigen die berühmtesten Bauwerke, die Klagemauer und die Grabeskirche. Der Besuch von Felsendom und Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg kann nicht garantiert werden. Der Zugang hängt von der politischen Lage ab.

Am Nachmittag fahren wir nochmal Richtung Jordantal bis zur jüdischen Siedlung Kfar Adumim und sprechen dort mit einem Siedler, wie er die Situation und das Verhältnis der Siedler zu den Palästinensern sieht. Zurück in Jerusalem entspannen wir uns beim Abendessen im Gartenrestaurant unseres Hotels.

10. Tag

Am letzten Tag können Sie vormittags Ihren individuellen Interessen nachgehen. Die meisten werden nochmal in die engen Gassen der Altstadt eintauchen, in Geschäften stöbern, Galerien besuchen wie   z. B. die Kulturstiftung Al Ma’mal, Elias Fotostudio mit Jerusalem-Fotos aus den 1930er Jahren bestaunen oder einfach im Österreichischen Hospiz relaxen. Für Interessierte besteht auch die Möglichkeit, die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem in West-Jerusalem zu besuchen.

Tempelberg und "Klagemauer" in der Altstadt von Jerusalem Bild: Barbara Staubach www.barbara-staubach.de

Am Nachmittag besuchen wir den Ost-Jerusalemer Stadtteil Silwan, von Israelis „Davidstadt“ genannt, wir besuchen eine Frauen- kooperative und informieren uns über den Konflikt vor Ort: Silwan wird unterhöhlt von nationalistischen jüdischen Amateur-Archäologen, die unter den Häusern die Reste von Jerusalem zur Zeit König Davids gefunden haben wollen. Daher sind die Häuser der Palästinenser vom Abriss bedroht. Abendessen wieder im Gartenrestaurant unseres Hotels.

11. Tag

Am Vormittag heißt es, von Jerusalem Abschied zu nehmen. Gegen Mittag Fahrt zum Flughafen Ben Gurion und Rückflug nach Deutschland; Ankunft in deutschen Flughäfen bis zum Abend.

Umstellungen und Änderungen im Detail möglich. Stand: 25. Juni 2020

Der Rückflug kann individuell auch später erfolgen. Näheres beim Veranstalter.

Besonders günstige Aufenthalte in der Westbank sind im Rahmen der "Oliven-Kampagne" möglich, die von unserer Agentur ATG zwei Mal jährlich organisiert werden: bei dem 10-tägigen Programm werden im Frühjahr junge Olivenbäume gepflanzt und im Herbst helfen die TeilnehmerInnen bei der Olivenernte. Die Kosten vor Ort (d.h. ohne Flug) betragen rund 500 €. Nähere Informationen: www.atg.ps