Refugio, Berlin

Obdachlosigkeit & Shared Spaces: Welche sozialen Infrastrukturen braucht Berlin?

 

In Berlin wächst die Zahl von Menschen ohne eigene Wohnung rapide. Die Anzahl an Menschen, die wir als obdachlos wahrnehmen, ist jedoch nur ein Bruchteil derer, die tatsächlich ohne Wohnraum leben und im öffentlichen Raum sichtbar sind.

Welche Menschen sind betroffen, wie viele sind es, welche Bedarfe haben sie? Wie agieren wir als Gesellschaft, wie reagiert die Berliner Politik? Mit geladenen Gästen aus Theorie und Praxis wollen wir uns dem Thema nähern und mit ehemals Betroffenen nach funktionierenden, diskriminierungsfreien Lösungsansätzen suchen.

Vorläufiges Programm:
17 Uhr Führung durch das Gemeinschaftshaus Refugio, ein Projekt der Berliner Stadtmission. Im Haus Refugio sind viele Projekte unter einem Dach vereint: z.B. ein Café, eine Wohnetage für Geflüchtete, eine Künstler*innen-Etage und der Verein querstadtein e.V. - Leben auf der Straße, der Stadtführungen mit ehemals Obdachlosen und Geflüchteten anbietet

18 Uhr Begrüßung und Einführung in den Abend

18.15 Uhr Bilder-Screening zum Thema „Wohnungsnot und Obdachlosigkeit in Berlin“ u.a. mit Bildern und Szenen aus der Ausstellung "Ohne Obdach in der Stadt"* mit dem Filmemacher und Soziologen Matthias Coers (Regisseur von Mietrebellen 2014 und Das Gegenteil von Grau 2017)
Bilder und Statements von Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffenen sind oder waren.

Kurze Pause

19.30 Uhr Podiumsdiskussion mit verschiedenen Gästen aus Theorie und Praxis:
Martin Parlow, Sozialarbeiter ASFH, seit 2008 tätig in der Wohnungslosenhilfe, seit 8 Jahren beim AK Wohnungsnot

Jan Markowsky, ehemals Betroffener und aktiv im Bereich Wohnungslosenarbeit und beim Obdachlosentheater

Fatos Topaç, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin B90/Die Grünen, Sprecherin für Sozial- und Pflegepolitik

Veranstaltungsort:
Refugio (im EG Saal rechts)
Lenaustr. 3-4
12047 Berlin
Nahe U8 Hermannplatz

Zum Hintergrund:
Die Zahl der Wohnungslosen in Berlin hat sich seit 2014 um das ca. Vierfache erhöht, die wachsende Zahl an Menschen, die im öffentlichen Raum Berlins leben und schlafen (müssen), ist kaum zu übersehen. Zeitgleich sind die Mieten in Berlin extrem angestiegen, die Mietpreisbindungen für Sozialwohnungen wurde zu großen Teilen aufgehoben, Mietwohnungen werden in Eigentumswohnungen umgewandelt. Über die vergangenen Jahre wurden auch die Mieterrechte zu Gunsten von Vermietern geschwächt, auch durch die rigiden Regeln der Hartz IV-Gesetzgebung sind viele Mieter*innen in Not geraten. Nicht nur Privatmieter*innen sind durch die steigende Mietentwicklungen betroffen, auch die sozialen Infrastrukturen geraten zunehmend unter Druck.

Auch die Folgen des Mauerfalls 1989 mit den sozialen Umbrüchen in den osteuropäischen, einst "sozialistisch" geprägten Gesellschaften haben die Lebensläufe von Menschen stark beeinflusst. Auf- und Abwertungen von Berufskarrieren und soziale Ein- und Aufstiegschancen haben sich verändert. Viele Menschen haben ihr Glück in Auswanderung oder in Auslandsarbeit gesucht, nicht immer haben sie es gefunden. Auch Menschen auf der Flucht sind nach Berlin gekommen.

Die Zugänge zu wirtschaftlicher und sozialer Teilhabe sind nicht für alle gleich. Die Zerwürfnisse und Widersprüche unserer (europäischer) Wirtschafts- und Sozialsysteme spiegeln sich deutlich in unseren öffentlichen Räumen. Viele Menschen sind aus den sozialen Netzen gefallen und "schlafen und leben" direkt am Straßenrand oder in den Nischen der Häuser, teils in Parks und unter Brücken. Sie leben ungeschützt im öffentlichen Raum, ohne Heizung, ohne Zugang zu Wasser und Strom und ohne regelmäßiges Einkommen.

Wer sind diese Menschen? Welche Geschichte haben sie, warum haben sie keine menschenwürdige, sichere Unterkunft? Wo liegen ihre Bedarfe? Wer sind ihre Unterstützer*innen? Wer die politisch Verantwortlichen? Welche Konzepte und Ansätze hat Berlin, um der wachsenden Herausforderung von Obdachlosigkeit zu begegnen und diskriminierende, ausgrenzende Strukturen zu Gunsten von niedrigschwelligen, diskriminierungsfreien Angeboten zu verändern? Wie können die bestehenden sozialen Infrastrukturen gestärkt, gesichert und erweitert werden? Was können wir als Gesellschaft und Einzelpersonen tun?

Diese Fragen wollen wir uns gemeinsam stellen.

Die Teilnahme ist kostenfrei.

*Die Ausstellung "MITTEN DRIN DRAUßEN - Ohne Obdach in der Stadt" von Matthias Coers wird am Mittwoch, dem 13.11.2019 im sozialkulturellen Treffpunkt für Wohnungslose "Unter Druck e.V." in der Oudenarder Straße 26 in Berlin-Wedding eröffnet und wird dort bis zum 20.12.2019 dort gezeigt. >Nahe U9 Nauener Platz

Für Wünsche zum barrierefreien Zugang wenden Sie sich bitte an Tanya Lazova, lazova@bildungswerk-boell.de

Die Veranstaltung wird mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin finanziert.