Auf dem Albertus-Magnus-Platz (Hauptcampus der Uni Köln)

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder brennende Bücher! - Lesung anlässlich des 85. Jahrestages der Bücherverbrennung durch die Faschisten

Jede und jeder ist eingeladen, zuzuhören und aus den Werken der AutorInnen, deren Bücher verbrannt wurden, vorzulesen.

Der diesjährige Aufruf (als PDF abrufbar unter http://www.zivilklausel.uni-koeln.de/aufruf_lesungen-verbrannter-buecher-2018.pdf): „Und doch ist es so – daß Fühllosigkeit gegen das große Geheimnis, das man berührt, wenn man ,Mensch‘ sagt und ,Menschheit‘, den geistigen Tod bedeutet. Das ist keine Wahrheit von gestern und vorgestern, veraltet, reizlos und matt. Es ist die neue und notwendige Wahrheit von heute und morgen, diejenige, die Leben und Jugend für sich hat gegen die falsche und welke Jugendlichkeit gewisser Tageslehren und Wahrheiten.“ Thomas Mann: Vom kommenden Sieg der Demokratie, 1938.

Es ist die behauptete Alternativlosigkeit von sozialer Ungleichheit und der Knappheit materieller Lebensressourcen und die damit einhergehende Verzweckung und Erniedrigung des Menschen, auf die der Faschismus seine feige nationalistische, rassistische und antisemitische Verhetzung baute und baut. Er mündete in der industriellen Ermordung von sechs Millionen Menschen, Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und Oppositionellen und im Zweite Weltkrieg mit seinem Raub- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.

Die antifaschistische Konsequenz des Aufbaues einer Welt „des Friedens und der Freiheit“ nach der Befreiung vom Hitler-Faschismus bleibt heute weiter einzulösen. 65 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, Kinder sterben unnötig Hungers und auch in den reichsten Ländern herrschen nicht nur in Pflege und Gesundheit unwürdige Verhältnisse, während die Milliarden auf Steuerparadiesen „geparkt“ und mit Rüstung hohe Gewinne erzielt werden – diese „kannibalische Weltordnung“ (Jean Ziegler, UN-Kommissar für Ernährung) ist der Nährboden für die AfD. Wir rufen zu antifaschistischen Lesungen auf, um uns des humanistischen Erbes neu zu bemächtigen für die Gestaltung menschenwürdiger Verhältnisse, in denen sich alle Menschen solidarisch entfalten können.

Literaturschaffende wie Thomas und Heinrich Mann, Erich Marie Remarque, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Kurt Tucholsky, Arnold und Stefan Zweig, Nelly Sachs, Sigmund Freud, Irmgard Keum und viele andere haben auf den Schultern von Aufklärern wie Heinrich Heine, Karl Marx und Immanuel Kant, mit Werk und Tat den Faschismus bekämpft und Lügen gestraft. Die Anteilnahme am Schicksal der Mitmenschen und die Entlarvung hohlen Protzes und Pathos, mit dem der Mensch klein gemacht und die Herrschaft der Lüge und der Gewalt verklärt werden sollte, waren ansteckend und für viele eine Ermutigung zu Widerständigkeit und Engagement. Der Hass auf die Unmenschlichkeit und Rohheit des Nazismus, Humor und Freundlichkeit, das Gespür für unausgesprochene Ängste und Sehnsüchte, der Blick für die einzulösenden Möglichkeiten des menschlichen Lebens haben das zynische Menschenbild der Rechten konterkariert und Hoffnung auf eine andere, heitere und dem Menschen wohlgesonnene Welt begründet. „Dies ist wohl die Fundamentalregel allen Seins: Das Leben ist gar nicht so. Es ist ganz anders.“ schreibt Kurt Tucholsky 1931.

Die Nazis versuchten solche kritischen Erkenntnisse und humanistischen Ambitionen aus der Welt zu schaffen. Verhetzte Studierende verbrannten im Mai 1933 die Werke von jüdischen, pazifistischen, bürgerlich-humanistischen und marxistischen Autorinnen und Autoren. Sie konnten die Sehnsucht nach einem friedlichen und menschengerechten Zusammenleben nicht vergessen machen. Das „1000-jährige Reich“ wurde nach zwölf Jahren besiegt. Die verbrannten Bücher, aufrechte LiteratInnen, KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen haben dazu beigetragen.

Wir laden ein zum Lesen, Lauschen und Lachen gegen rechts, zum Erinnern und Lernen für eine bessere, weil menschlichere Welt.

„Alles, was die Kulturentwicklung fördert, arbeitet auch gegen den Krieg.“ Sigmund Freud an Albert Einstein: „Warum Krieg?“, Brief vom September 1932.