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Letzte Generation wechselt NamenDie „Letzten“ wollen die „Neuen“ sein

Klimaschutz braucht Teilhabe – und Widerstand. Das meint die Ak­ti­vis­t:in­nen­grup­pe Letzte Generation und will künftig eigene Parlamente bilden.

Damit wurde die Letzte Generation bekannt: Mit Klebeaktionen blockierte sie Verkehrswege Foto: Imago

Berlin dpa | Bisher war die „Letzte Generation“ Teil der Klimabewegung. Nun hat sie sich nicht nur in „Neue Generation“ umbenannt, sondern will auch ihr Themenspektrum erweitern. Das sagte Mitglied Raphael Thelen am Donnerstag dem Spiegel. Die Gruppe werde sich künftig nicht mehr nur für Klimaschutz, sondern für Demokratie allgemein einsetzen.

„Wir brauchen eine neue Generation der Demokratie“, sagte Thelen. Ein „Parlament der Menschen“ solle Lösungen entwickeln. Losgehen damit soll es im Mai auf der Wiese vor dem Bundestag. Weitere Veranstaltungen sollen später auch auf lokaler Ebene in ganz Deutschland stattfinden. Die „Parlamente“ könnten ähnlich wie Bürgerräte organisiert werden, beispielsweise über Auslosungen.

Parallel will die Letzte Generation auch ein sogenanntes Widerstands-Kollektiv bilden, sagte Thelen. Diese Gruppe soll dann „überwiegend auf direkte Aktionen gegen Zerstörung und Ungerechtigkeit“ setzen. In den sozialen Netzwerken postete die Gruppe einen Beitrag dazu. Derzeit lautet der Name auf X noch Letzte Generation.

Die Letzte Generation war nach einem Klima-Hungerstreik in Berlin entstanden. Ab 2022 sorgte sie mit Blockadeaktionen, bei denen sich Teil­neh­me­r:in­nen beispielsweise auf Straßen festklebten, bundesweit für Aufsehen. Allerdings sollte es nicht nur bei Klebe-Protest bleiben. Die Gruppe besprühte ebenso Wände und Monumente wie das Brandenburger Tor mit Farbe. Tausende Strafverfahren wurden nach Angaben der Justiz allein in Berlin gegen die Aktivisten geführt.

Im Herbst 2023 führte die Bewegung auch erstmals Protestmärsche durch, bei denen Personen betont langsam auf der Straße spazierten statt zu sitzen – auch dies führte zu Verkehrsbehinderungen in der Hauptstadt. Anfang 2024 kündigte die Gruppe einen Strategiewechsel an, nun folgt die Namensänderung.

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5 Kommentare

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  • Ich frag' mich ob irgendjemand bei der LG inzwischen Einsicht hat, wie sehr die mit ihren idiotischen Aktionen dem Anliegen Klimaschutz geschadet haben?

    Wie narzisstisch, unempathisch, selbstbesoffen, grandios, ... oder auch einfach: strategisch dumm muss man denn sein um zu glauben, dass es eine gute Idee ist, Menschen von dem eigenen Anliegen überzeugen zu wollen, indem man sie in ihrem (potentiell stressigen) Alltag nervt? Oder Weihnachtsbäume und öffentliche Gebäude wie Universitäten orange ansprüht?

    Es gab irgendwann sehr früh einen Punkt, wo ich gedacht habe: "Ok, die sind von der Gegenseite bezahlt um das Image von Umweltbewegten und den Grünen zu beschädigen. So blöde kann man doch nicht sein, oder?"

  • Die „Neue Generation“ sollte Kooperationen mit anderen Gruppierungen und Initiativen suchen, die sich für mehr Demokratie einsetzen. Alle, die die „Demokratie verteidigen wollen“, sollten die „Neuen Generation“ unterstützen oder ihr mindestens viel Glück wünschen.

    Das die repräsentative Demokratie weltweit wackelt, hat nicht nur mit ökonomischen Krisen und (neuen) Autokraten zu tun. Beide sind oft hausgemacht und symptomatisch für immanente für Demokratiedefizite. Wer per Wahl das Regieren Menschen mit Ambitionen, einer „narzisstischen politischen Klasse“ (Helmut Schmidt) braucht sich nicht wundern, wenn Regierungen sich weniger um die Menschen als um die Belange des Staates und der Wirtschaft kümmern. Die staatliche Institutionen sind Basis ihrer Macht und die Wirtschaft finanziert diese. Darum wäre es wichtig, wenn eine bunte Mischung von Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Lebenserfahrungen mitredet, wenn es um das zukünftige Zusammenleben geht. Die elitäre Wahloligarchie braucht mindestens ein Gegengewicht sonst droht immer ein Trump, Orbán, Putin oder Hitler; alle vier Produkte repräsentativer Demokratien.

  • Früher beugte sich die Politik und Menschen konnten beeindruckt werden, wenn der Druck der Bevölkerung zu groß wird. Beispiel: FCKW-Verbot.

    Heute kann die Letzte Generation noch so viele Versuche und Neustarts unternehmen. Egal, wie groß der Erfolg sein wird, egal ob die Methodik Menschen abschreckt oder nicht, es wird nicht zu einem Umdenken kommen.

    Der Mensch der ersten Welt hat nach Jahrzehnten des Konsums keine Lust auf Degrowth. Und viele Menschen wissen auch, es ist eh zu spät, also soll die Party erst richtig losgehen. In der Sucht des Konsums und des Wohlstands wird er auch dann weitermachen, wenn um ihn herum die Erde verbrannt ist.

    Also sorry, LG. :(

  • Bei Verlosungen für Parlaments- oder Bürgerratssitze bin ich sehr skeptisch.



    Aus welcher Menge wird gelost, muss man sich dafür erst bewerben? - Wenn ja, entspricht schon die Ausgangsmenge nicht dem Durchschnitt der jeweiligen Bevölkerung.



    - Wenn nein, wo kommen die Namen und Adressen der Auszulosenden überhaupt her?



    Und sollte jemand ein "Gewinner" des Losverfahrens sein, interessiert er sich überhaupt für dieses Thema? Wenn nicht, wird er (oder sie) nicht kommen, und dann ist die "repräsentative Gruppe" wieder nicht mehr repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

  • Es ist ja immer löblich, wenn sich jemand um die Gesellschaft sorgt und die Demokratie fördern möchte.



    Aber ob dies mit einem nicht legitimierten "Parlament" oder auch einem "Parlament der Menschen" gelingt, ist doch sehr zu bezweifeln. Das hört sich eher nach einer weiteren Parallelgesellschaft an.