EMtaz: Gruppe B: Russland – Slowakei

80 Minuten russischer Pausentee

Die Slowakei meldet sich im Turnier zurück, weil Russland nicht begriffen hat, dass man Bälle besser flach nach vorne spielt. 2018 wird düster.

Marek Hamsik hält beim Torjubel beide Hände an die Ohren

Wie steht's eigentlich? Foto: dpa

Die Startbedingungen: Für beide Mannschaften muss dieses Spiel das Konterbier sein nach dem Auftaktkater, damit das noch weitergehen kann mit der Eurokirmes. Für die Slowakei, freilich, weil sie den Auftakt gegen Wales vertüddelt haben, obwohl sie individuell klar besser waren. Wär das Spiel eine Diplomarbeit gewesen, hätte druntergestanden: Inhaltlich sehr gut, aber formal verbesserungswürdig.

Währenddessen linst Russland auf die Tribünen in der Hoffnung, dass da Reihenhausruhe herrscht. Weil: noch sone Scheiße, Heimreise. Läuft's so wie gegen England, wird die Sbornaja auch massig Zeit haben, auf die Ränge zu schielen, auf dem Platz machen die alten Herren ja ohnehin nicht viel.

Das Vorurteil: Russland kann nicht wollen, wie es wollen muss, um gekonnt gemusst zu haben.

Das Spiel: Ging ganz gut los eigentlich; Russland spielte mit einer gewissen ziellos wabernden Gemächlichkeit nach vorne, auf Fehler wartend, fremde oder eigene, who knows, während die Slowaken eingerollt wie eine Ringelnatter hinten drin standen und warteten, bis sie nach vorne schnellen durften.

Und nach einer halben Stunde durften sie dann auch. Ein Pass von Hamsik hinter die russische Viererkette, ein eleganter Hüftwackler von Weiss, einmal zackrumms ins lange Eck. Genau der Matchplan der Slowaken, die offensive Taktikbesprechung davor hat vermutlich nicht länger als vier Minuten gedauert.

Russland nahm sich drei Minuten, um sich in aller Gemütlichkeit nochmal zu sortieren, Shakov und Golovin besprachen sich bei einem Eckball der Slowaken nochmal gemütlich (nawieläufts – ganzgutsoweit), da bekam Hamsik den Ball in den Fuß und zackrumms ins lange Eck.

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Die zweite Halbzeit lief für Russland zunächst nach dem Motto: Wir verwalten den Untergang. Mit der Risikobereitschaft eines regelmäßigen Bingoabendbesuchers hangelten sie sich von Ballkontakt zu Ballkontakt, immer freudig gar erregt, keinen Fehler produziert zu haben.

Es dauerte bis zur 81. Minute, dass sie sich doch noch dazu entschlossen, ansatzweise Fußball zu spielen, spielten sich zur Grundlinie, Flanke auf Glushakov, rummszack. Als hätten sie sich plötzlich daran erinnert, wie das mit dem Fußball geht, spielten sie ab dann fast alle Bälle flach, drängten die Slowakei hinten rein und wurden unglücklicherweise vom Schlusspfiff unterbrochen. In der Kabine sangen sie dann: We've only just begun, in Moll. Ergebnis: Russland 1, Slowakei 2.

1. WAL: 3 - 6:3 - 6

2. ENG: 3 - 3:2 - 5

3. SVK: 3 - 3:3 - 4

4. RUS: 3 - 2:6 - 1

Der entscheidende Moment: Neustädter hat es vorher schon gesehen. Kurz bevor Skrtel den Ball auf Hamsik ins Mittelfeld spielt, zeigt er noch an: da muss wer hin. Skrtel siehts, legt Hamsik den Ball in den Lauf und zwei Wimpernschläge später steht es einsnull Slowakei. Gutes Auge, der Neustädter, könnte Laptoptrainer werden.

Der Spieler des Spiels: Marek Hamsik selbstverständlich. Ein Tor eine Vorlage hat zwar auch Weiss auf seiner Visitenkarte stehen, aber beim Tor stand Weiss zweieinhalb Meter näher am Tor, das gibt einen halben Punkt Abzug in der B-Note.

Die Pfeife des Spiels: Leonid Slutskiy. Irgendwer hätte der russischen Mannschaft ja sagen müssen, dass so ein Spiel mit Anpfiff beginnt.

Das Urteil: Die Slowakei dominiert die Spiele dann, wenn sie sie nicht machen müssen. Das sind ganz gute Aussichten für die nächste Partie gegen England. Dann macht nämlich England das Spiel und die Slowakei die Tore. Und: Wenn Russland 2018 was reißen will, müssen sie noch mindestens vier Brasilianer einbürgern, zwei Kettenhunde und vielleicht auch ein Pferd.

 

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