Die Streitfrage

Ist das Abendland hysterisch?

So schön ruhig: keine Demo in Dresden. Bild: dpa

In den vergangenen Wochen waren Tausende auf den Straßen Dresdens unterwegs, mit Megaphonen, Bannern und mit Wut im Bauch. Es wurde demonstriert – für und gegen die islamfeindliche Pegida-Bewegung. Die montäglichen Demonstrationen kamen zuletzt einem Ritual gleich. Anders am gestrigen Montag, als die Kundgebungen beider Seiten abgesagt wurden.

Islamistischen hatten konkrete Drohungen gegen Pegida-Chef Lutz Bachmann ausgesprochen. Die Drohungen gingen zunächst auf einen auf Twitter gesendeten Tweet zurück, in dem auf Arabisch die Pegida-Demonstration als „Feindin des Islam“ bezeichnet wurde, erklärte der Landespolizeipräsident in Dresden. Später wurde bekannt, dass es außerdem entsprechende Hinweise ausländischer Geheimdienste an deutsche Behörden gegeben hatte.

Bachmann und seine Mitstreiter beschwören seit Wochen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes. Nachdem die Demonstration abgesagt worden war, kam von ihrer Seite auch der Vorwurf, Meinungs- und Versammlungsfreiheit würden beschnitten. Bachmann betonte, die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ würden kommende Woche wieder in Dresden demonstrieren.

Terrordrohungen in Tweets, Einschränkung des Versammlungsrechts: Alles Hysterie? In der Politik mehren sich die Forderungen, einen Gang zurückzuschalten. Ungeachtet der Inhalte sei es wichtig, so Kanzlerin Angela Merkel, „dass an jedem Ort in Deutschland demonstriert werden kann.“ Die Vorsitzende der Linkspartei Katja Kipping sagte, Demokratie könne nicht durch Einschränkung verteidigt werden. Ein Versammlungsverbot würde vergessen lassen, dass Pegida in Dresden schon seit Wochen Angst und Schrecken verbreite.

Apropos Hysterie – eine Studie des „Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ von 2014 zeigt: 70 Prozent der 5.659 befragten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ging von einer viel höheren Zahl der in Deutschland lebenden Muslime aus. Nur zehn Prozent wussten, dass es 3,8 bis 4,3 Millionen sind. Und selbst wenn die Zahl höher liegen würde – rechtfertigt das Hysterie?

Hysterie ist übrigens ein Begriff, der in seiner Geschichte oftmals ein Krankheitsbild bezeichnete. Mit ihm wurden Patienten umschrieben, die als ichbezogen, geltungsbedürftig, kritiksüchtig und unreflektiert galten. Begriffe, die auch für Pegida gelten?

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