Debatte über WM-Aus für Deutschland : Kein Sinnbild für gar nichts
Kaum ist die WM-11 raus, geht es los mit den großen gesellschaftspolitischen Interpretationen. Die sind zwar Quatsch, die Debatte müssen Linke dennoch führen.
Foto: Christian Charisius/dpa
O h je. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat es schon wieder nicht unter die besten 16 Teams der Welt geschafft. Nach dem 3:4 nach Elfmeterschießen gegen Paraguay musste die von Julian Nagelsmann vor zwei Jahren ausgerufene Mission WM-Titel doch arg früh abgebrochen werden. Doch das Spiel ist noch lange nicht zu Ende. Leider.
Denn was dem Land jetzt droht, wird bestimmt deutlich nerviger als das ideenlose Angriffsspiel der deutschen Kicker bei dieser WM. Eine saublöde Frage liegt in der Luft: Was sagt das Auftreten der deutschen Fußballnationalmannschaft über den Zustand Deutschlands aus? Niedergang, miese Laune, irgendwas mit woker Unkultur. Oh je.
Analogien scheinen auf der Hand zu liegen. Bundestrainer Julian Nagelsmann als Reformer ebenso überfordert wie der Kanzler. Das deutsche Positionsspiel als Auslaufmodell wie der Verbrennermotor der deutschen Automobilindustrie. Oder das Opfern deutscher Spieltugenden als Spiegelbild für die befürchtete Deindustrialisierung des Standorts Deutschland. Und bestimmt kommt schnell einer daher, der sagt, dass es die Linken sind, die am Niedergang des deutschen Fußballs schuld seien.
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So originell wie Timmy-Analysen
Alle gesellschaftlichen Phänomene lassen sich entlang der Nationalmannschaft durchdeklinieren. Weil die mit Adler und Nationalfarben daherkommt, fällt das besonders leicht. Die fälligen Debatten könnten uns deshalb länger erhalten bleiben als all die ach so originellen Texte darüber, was der Umgang mit dem Buckelwal Timmy wohl über den Zustand des Landes aussagt. Darüber hatten sich ganze Redaktionen schier wundkommentiert.
Man möchte angesichts all des drohenden Unsinns am liebsten einfach in eine Art Debattenboykott gehen. Doch so einfach ist das nicht. In Zeiten des rassistischen Kulturkampfs sollte der aufgeklärte Teil der Gesellschaft wachsam bleiben. Mit dem Ausscheiden der bunten DFB-Auswahl hat AfD-Nazi Björn Höcke ein Bild der deutschen Weltmeisterauswahl von 1954 auf X gepostet. „Elf Freunde sollt ihr sein“, schrieb er dazu. Und zu einem zwinkernden Smiley: „Aus Gründen“. Das ist wirklich gruselig.
Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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