Biplab Basu: Gegen rassistische Polizeigewalt

Seit Jahrzehnten setzt sich Biplab Basu gegen Rassismus ein. Am Samstag bei einer Demo im Görli.

Ein Leben gegen den Rassismus: Biplab Basu Bild: Imago Images/Christian Ditsch

von STEFAN HUNGLINGER

„Als wir angefangen haben“, sagt Biplab Basu mit seiner rauchigen Stimme am Telefon, „gab es kein Bewusstsein dafür, dass rassistische Polizeigewalt ein systematisches Problem ist.“ Genau deshalb, so erzählt der 69-jährige Berliner, habe er mit anderen 2002 die KOP ins Leben gerufen, die Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt.

Die KOP sammelt rassistisch motivierte Vorfälle in Berlin in einer Chronik. Für den kommenden Samstag ruft die Initiative zu einer Kundgebung im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg auf. Denn: während dieser Park für die einen Ruhe und Entspannung verspricht, laufen Schwarze Menschen und People of Color hier tagtäglich Gefahr, Opfer rassistischer Kriminalisierung zu werden.

„Im Görli wurde ein unsinniger Krieg gegen Drogen aufgenommen“, erzählt Basu, „obwohl man aus anderen Ländern längst weiß, dass man einen solchen Krieg nicht gewinnen kann. Auch die Polizei weiß das.“ Für Basu braucht es einen anderen Ansatz, vielleicht auch die Legalisierung von Marihuana. Die gruppenbezogene Verdächtigung von Schwarzen Personen und People of Color jedoch, das Racial Profiling im Park, ist für Biplab Basu eine der schlimmsten Formen von Rassismus. „Nicht weil körperliche Gewalt stattfindet, sondern weil es die Menschenwürde angreift.“

Seit 1980 engagiert sich der studierte Historiker Basu ehrenamtlich gegen Rassismus. Bürgerrechtsarbeit ist das für ihn. In den 90ern war er Teil der „Antirassistischen Initiative“. 2001 dann gründet der Vater zweier Kinder mit Mitstreiter*innen zuerst ReachOut, eine Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, ein Jahr später dann die KOP.

„Die Gerichte ignorieren das Problem“

„ReachOut hat damit angefangen, dass ein Schwarzer Mann in Neukölln von der Polizei misshandelt und verletzt wurde. Er hat sich selbst einen Anwalt gesucht, aber vor dem Amtsgericht verloren“, erzählt der Aktivist. Da die Person für eine Berufung keine Mittel zur Verfügung hatte, gründete Basu einen Rechtshilfefonds. Über ein Benefizkonzert junger Musiker*innen konnten dafür die ersten Mittel generiert werden. „Das war keine Musik, die ich mag. Aber die Aktion war toll.“

Heute bietet die KOP auch Prozessbegleitung und -beobachtung an, um den Opfern rassistischer Polizeigewalt auch bei Gericht zur Seite zu stehen, denn: „Die Gerichte ignorieren das Problem“, sagt Biplab Basu. In fast allen Fällen zähle nur die Polizeiversion. Biplab Basu und der KOP geht es um die Veränderung des rassistischen Normalzustandes. „Wir brauchen keine Studie über Racial Profiling! Wir brauchen ein Ende der Politik der ‚kriminalitätsbelasteten‘ Orte. Wir brauchen unabhängige Beschwerdestellen und unabhängige Staatsanwaltschaften“, heißt es im Aufruf für die Demo am Samstag.

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