Interkulturelles Zentrum Bayouma-Haus der AWO Kreisverband Berlin Spree-Wuhle e.V. , Berlin-Friedrichshain

„80 años no es nada. Zur Aktualität des Spanischen Bürgerkriegs und des Franquismus“

07.10.2017, 10:00 Uhr - 07.10.2017, 12:00 Uhr

Vortrag „80 años no es nada. Zur Aktualität des Spanischen Bürgerkriegs und des Franquismus" Referent: Georg Pichler, Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universidad de Alcalá de Henares (bei Madrid), mit Diskussion80 años no es nada. Zur Aktualität des Spanischen Bürgerkriegs und des Franquismus Vortrag von Georg Pichler

Mehr als achtzig Jahre nach dem Beginn des Bürgerkriegs und vier Jahrzehnte nach dem Ende der franquistischen Diktatur findet in Spanien immer noch eine oft sehr virulent geführte Debatte um die Vergangenheit statt. Während die eine Seite das Erbe des Franquismus einfordert und Publikationen, die die Geschichtsversionen der Diktatur in altem Glanz erstehen lassen, zu Bestsellern werden, kämpft die andere Seite darum, den Opfern der franquistischen Gewalt endlich Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: Mehr als 114.000 Leichen liegen immer noch in Straßengräben und Massengräbern, ohne dass der spanische Staat willens wäre, sie in Ehre zu bestatten - ganz im Gegensatz zur Diktatur, die ihre eigenen Opfern sehr wohl geehrt und beigesetzt hatte. In der ernst zu nehmenden Geschichtswissenschaft hat sich ein in großen Zügen einheitliches Bild des Spanienkriegs herausgebildet, im gesellschaftlichen Diskurs, aber auch in der Alltagspolitik wird hingegen immer noch heftig um die Bedeutung der Zweiten Republik, des Bürgerkriegs und der Diktatur gestritten, nicht zuletzt mit Hinblick auf die heutige soziopolitische und wirtschaftliche Konstellation des Landes. Ausgehend von aktuellen Ereignissen und den jüngsten Entwicklungen in diesem Kampf um die soziale, historische, symbolische Erinnerung soll dargestellt werden, wie die Gedächtnispolitik in Spanien seit dem Bürgerkrieg verlaufen ist und warum es aufgrund der historischen Besonderheiten des Landes bis heute schwierig ist, die Geschichtsversion und Gedächtnispflege der Franco-Diktatur auszumerzen und durch eine demokratische, den historischen Tatsachen entsprechendere Version zu ersetzen.

Die Veranstaltung wird gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung - Gesellschaftsanalyse und politische Bildung e. V.

Sie findet statt im Rahmen des JAHRESTREFFENS DES KFSR 2017 „Aktualität Spanienkrieg und Franco-Diktatur - Kontroverse bis heute. Europäische Erinnerungskultur - unser Beitrag" vom 06. - 08.10.2017.