VW und Republikaner verhindern Gewerkschaft

Die Volkswagen-Fabrik in Chattanooga bleibt ohne Interessenvertretung. Der Gouverneur höchstpersönlich hatte die antigewerkschaftliche Kampagne des Konzerns unterstützt

VW in Chattanooga: weniger Lohn, mehr verpflichtende Überstunden, fieser Akkord. Aber hey, in Tennessee braucht man keine Gewerkschaft Foto: Erik Schelzig/ap/picture alliance

Aus New York Dorothea Hahn

Der deutsche Konzern Volkswagen und die US-amerikanische Republikanische Partei haben eine Autofabrik in Chattanooga, Tennessee, mit vereinten Kräften gewerkschaftsfrei gehalten. 833 Beschäftigte stimmten Ende letzter Woche gegen eine Vertretung durch die United Auto Worker (UAW). Nur 776 Beschäftigte stimmten dafür.

Für die einst größte Industriegewerkschaft der USA ist es eine neue schwere Niederlage im republikanisch kontrollierten Süden, wo Gewerkschaften feindlich behandelt werden und sich in den letzten Jahrzehnten die meisten ausländischen Fabriken angesiedelt haben – auch etliche deutsche Metallunternehmen.

„Volkswagen hat eine brutale Einschüchterungs- und Angstkampagne gemacht“, erklärte UAW-Sekretärin Tracy Romero nach der Stimmauszählung in der Nacht zu Samstag. Frank Fischer, der Chef von VW in Chattanooga, kommentierte das Ergebnis mit: „Unsere Beschäftigten haben gesprochen.“

VW hatte sich nach außen hin als „neutral“ dargestellt, die Beschäftigten aber während der Kampagne systematisch mit „Argumenten“ gegen eine Gewerkschaft gebrieft. Etwa mit der Behauptung, dass eine Gewerkschaft auch Lohnsenkungen und Arbeitsplatzverluste zur Folge haben könne. Bei einer Betriebsversammlung legte Werkschef Fischer laut der gewerkschaftsnahen Zeitung Labor Notes nahe, dass die UAW auch für die Schließung der VW-Fabrik in Pennsylvania 1988 verantwortlich sei.

Die Geschäftsführung hatte auch den republikanischen Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, in die Fabrik geladen. Vor den Beschäftigten sagte Lee, dass eine „direkte Beziehung“ zwischen Arbeitern und Bossen das Beste sei. Später fügte er hinzu, es sei schwierig, Unternehmen in den Bundesstaat zu holen, wenn es starke Gewerkschaften gäbe. Robin Smith, republikanische Abgeordnete im Parlament von Tennessee, drohte den Beschäftigten, der Bundesstaat könnte zig Millionen Dollar Subventionen streichen, falls sie für die Gewerkschaft stimmten.

Die politische Einmischung in die Tarifautonomie hat in Tennessee neue Ausmaße erreicht. Der New York Times sagte Wilma Liebman, die unter Präsident Barack Obama die Chefin der nationalen Behörde für Arbeitsbeziehungen war: „Ich habe nie gehört, dass ein Gouverneur vor Arbeitern auftritt, um ihnen zu sagen, dass sie gegen eine Gewerkschaft stimmen sollen.“ Nach seinem Amtsantritt hat Präsident Donald Trump die Behörde mit einer gewerkschaftsfeindlichen Mehrheit neu besetzt.

„VW hat eine brutale Angstkampagne gemacht“

Tracy Romero, UAW-Gewerkschafterin

Nach der Abstimmung bleibt Chattanooga weltweit das einzige VW-Werk ohne gewerkschaftliche Vertretung. Im Verhältnis zu den Betrieben der US-„Big Three“ (General Motors, Ford und Fiat Chrysler), die gewerkschaftliche Vertretungen haben, sind die VW-Löhne mehr als 20 Prozent niedriger. Beschäftigte bei VW-Chattanooga, zu denen zusätzlich ebenso viele Zeitarbeiter gehören, klagen über schnelle Akkorde, Verletzungen am Arbeitsplatz, die nicht ernst genommen werden, und willkürliche Überstunden.

In den nächsten Monaten will VW 800 Millionen Dollar in den Standort investieren und zusätzlich 1.000 Personen anstellen, um dort auch Elektroautos zu bauen. Der Bundesstaat, der schon die Ansiedlung von VW mit mehr als 550 Millionen Dollar aus öffentlichen Mitteln unterstützt, will diesmal 50 Millionen Dollar dazuzahlen.

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