Haus der Jugend, Frankfurt: Auf der Bühne wie im Film: Warum Amok?

– Film von Fassbinder / Fengler
– Theaterinszenierung „Warum läuft Herr R. Amok?“
– Gespräch mit Theaterregisseurin Leonie Thies

Amokläufe erschrecken uns immer wieder. Das Kunstforum artes spürt ihren Ursachen nach – und zeigt Ausschnitte aus „Warum läuft Herr R. Amok?“ aus der Inszenierung des Mannheimer Nationaltheaters und den zugehörigen Film von Rainer Werner Fassbinder und Michael Fengler vollständig am Samstag, den 24. Oktober um 19 Uhr im Haus der Jugend (Großer Saal) in Frankfurt-Sachsenhausen. Anschließend diskutieren wir mit Leonie Thies, Regisseurin der Mannheimer Inszenierung, über die Aktualität von Fassbinders Stoff: ein Film nur über eine Wirtschaftswunder-Familie – und einen gewalttätigen Ausbruch aus deren Spießigkeit? Das Kunstforum artes fragt, welche Momente sich in unserer postindustriellen Gesellschaft wiederfinden lassen.

Leonie Thies inszenierte das Fassbinder-Stück 2019 am Nationaltheater Mannheim – in gänzlich anderer Ästhetik als der fünfzig Jahre ältere Film. Doch die Sprachlosigkeit in der Familie scheint die gleiche. In Krisen wie jetzt unter Corona wächst irrationales Verhalten steil an: nicht nur Verschwörungstheorien blühen – leider sind auch vermehrte Gewalttaten zu befürchten. Welche Warnhinweise geben uns Film oder Stück?

Als Fassbinders / Fenglers Film 1970 erschien, waren Amokläufe noch ein Tabu-Thema: entweder waren sie tatsächlich seltener – oder es wurde kaum über sie berichtet. In der Presse der Wirtschaftswunderzeit ist wenig darüber zu lesen. Heutige Berichterstattung hinterläßt den Eindruck, dass ein Amoklauf fast zu etwas alltäglichem geworden ist. Für das Kunstforum artes ist ein Grund mehr, über Ursachen in der Familie, in der Arbeitswelt, in der Gesellschaft zu diskutieren: wenn die Motivlagen der Täter nachvollziehbar werden, dann wird auch nachhaltige Prävention möglich.

Der Eintritt zu der artes-Veranstaltung ist frei, doch werden max. 50 Personen in den Großen Saal der Jugendherberge gelassen, der normalerweise 375 Plätze hat: mit dem Abstand und den übrigen Hygienemaßnahmen nimmt der Veranstalter die Corona-Vorsorge sehr ernst.