Kritik an Flugwerbung: Ehre, wem Ehre gebührt

Die Biligfluglinie Easyjet wirbt für Flüge in den italienischen Süden. Und muss sich entschuldigen. Denn Mafiawitze kommen dort nicht so gut an.

Ein Mann in der Sonnen liege am Strand

„Kommen Sie nach Kalabrien“ Foto: Alfonso Di Vincenzo/imago-images

Auf die süditalienische Region Kalabrien wird in den anderen Landesteilen nicht nur landkartenmäßig herabgeschaut. In Rom hört man durchaus auch in linken Kreisen, die Stiefelspitze sei gar nicht italienisch, die Leute freuten sich nicht des Lebens, sondern seien ein schweigsames und tragisches Völkchen, das in Orten lebe, die ja nicht umsonst Namen wie etwa Africo trügen. Gewiss, im Sommer werden die Strände am Thyrrenischen und Ionischen Meer gern besucht; doch das gebirgige Innere der kalabrischen Halbinsel ist vielen so unheimlich wie den Römern das Korsika im entsprechenden Asterix-Band.

Kurz gesagt ist Kalabrien der ideale Sündenbock für eine Gesellschaft, die lange nicht wahrhaben wollte und in weiten Teilen immer noch nicht wahrhaben will, dass Mafiamacht und Erdbeben keine Spezialitäten des Zwei-Millionen-Einwohner-Landstrichs ganz unten sind, sondern ganz Italien betreffen.

Warum ausgerechnet diese beiden Phänomene hier erwähnt werden? Weil die britische Fluggesellschaft Easy­jet sich gerade unter einiger medialer Anteilnahme dafür entschuldigt hat, eben diese dafür verantwortlich gemacht zu haben, dass Kalabrien so wenig besucht werde, obwohl es doch so ein zauberhaftes Fleckchen Erde sei. Kommen Sie nach Kalabrien, sei die eigentliche Botschaft gewesen, hier ist es deswegen noch so schön, weil sich so wenige her trauen!

Eine Kampagne, die ja durchaus auch als Vorbild für nicht wenige Teile Deutschland dienen könnte; wobei im nebligen Norden das spezifische Problem eben aktuell eher jenes ist, dass man aus Gegenden wie Gütersloh oder Warendorf nicht gen Süden wegkommt, so verständlicherweise rasend man sich auch danach sehnt.

Natürlich durften bei der erwartbaren Aufregung über Easyjet Leute wie Matteo Salvini oder die rechte Ministerpräsidentin der Region, Jole Santelli, nicht fehlen. Der in Reggio tätige Journalist Claudio Cordova hat aber ausgesprochen, worum es hier eigentlich geht: Schlechte Kampagnen wie die von Easyjet würden gegen andere, ähnlich problematische Regionen im ita­lie­ni­schen Süden nicht gefahren. Sizilien etwa habe die gleichen Probleme wie Kalabrien, nur dass es dort Leute gebe, die sich klar gegen die Mafia positionierten, und nicht weite Teile der Eliten, die mit ihr mehr oder weniger offen paktierten. Um die Erdbeben allerdings muss sich jeder selber kümmern.

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