heute in hamburg

„Ein Porno ist per se politisch“

Foto: privat

Gitte Schmitz, 32, ist Hamburger Filmemacherin und nach eigenen Angaben „Polittunte“.

Interview Carlotta Hartmann

taz: Frau Schmitz, warum braucht es mehr antifaschistische Pornos?

Gitte Schmitz: Pornografie ist Teil unserer visuellen Umgebung – die natürlich unser Denken und unsere Gefühle bestimmt. Wir müssen Verantwortung übernehmen: Für das, was wir tun, aber auch für das, was wir konsumieren.

Was ist Gay Antifa Porn überhaupt?

Die Frage ist, wie Pornografie aktive antifaschistische Arbeit leisten kann. Was ist Schwulsein – und im Vergleich dazu Straightness oder Heteronorm? Mir geht es auch um ein antifaschistisches Selbstverständnis: Welche faschistoiden Tendenzen gibt es in Gesellschaft, Kultur und in Bildern? Antifaschismus muss auch im 21. Jahrhundert alle Bereiche betreffen.

Wieso ist das gerade heute wichtig?

Schwuler Antifa-Porno ist nicht unbedingt eine Reaktion auf konkrete politische Ereignisse – es ist eher die Erkenntnis, dass die antifaschistische Arbeit der letzten 50 Jahre nicht vorbei ist. Es braucht immer noch einen Prozess, um unsere teils faschistoide Lebensrealität zu verändern.

Wie kann Pornografie denn politisch sein?

Durch Pornografie erfüllen wir Vorstellungen, Begierden und Wünsche, die im Menschsein tief verwurzelt sind. Unsere Realität, auch die Politik, spiegelt sich also in der Pornografie wider. Andersherum formen die Bilder, die wir konsumieren, unser Leben. Das, was auf unseren privaten Bildschirmen passiert, beeinflusst uns mindestens so stark, wie Erlebnisse aus der analogen Welt. Darum ist ein Porno per se politisch.

Sollte ein guter Porno, für Sie, Ihre politischen Überzeugungen widerspiegeln?

Nicht unbedingt. Manche heterosexuellen Pornos entsprechen nicht meiner politischen Orientierung – trotzdem finde ich, dass sie gut sein können.

„Gay Antifa Porn. Wie politisch ist Pornografie?“: Vortrag, 19.15 Uhr, Uni Hamburg, Von-Melle-Park 5, Raum 0079

Kann Gay Antifa Porn auch heterosexuellen Menschen gefallen?

Ich glaube die sexuelle Identität hat nicht viel mit der sexuellen Praxis zu tun. Das, was auf dem Porno draufsteht, ist nicht unbedingt ausschlaggebend für das, was im Menschen passiert.

Gibt es denn schon solche Filme?

Auf jeden Fall, wenn auch nur als Nische. Wenn man sie finden möchte, kann man das. Mich interessiert, wie die schwulen Antifa-Pornos der Zukunft aussehen. Was werden sie anders machen?