Budapest: Programm der Reise

vom 18. bis 25. Juli 2020

Blick über die Donau Bild: Archiv

1. Tag ( Samstag) Individuelle Anreise nach Budapest

Individuelle Anreise mit Bahn, Bus oder der Flugzeug. Check-in im Hotel. Um 18 Uhr Begrüßung der Gruppe durch den Reiseleiter Tibor Rácz. Kurze Vorstellung des Programms. Abendessen im Hotel oder in einem Restaurant. Unser Hotel liegt auf der Pester Seite, in fußläufiger Nähe zum Stadtwäldchen(ungar. Városliget), und auch das Stadtzentrum ist nicht weit, so dass im Anschluss an das Essen noch ein kleiner Rundgang möglich ist.

2. Tag (Sonntag)

Nach dem Frühstück gibt es zunächst einen kleinen Einführungsvortrag „Ungarn unter Orbán“ durch den Reiseleiter Tibor Rácz.

Danach machen wir eine Stadtführung zu Fuß, per Straßenbahn und mit der Budapester Metro. Die  erste Metro-Linie in Budapest gab es bereits 1896 und gilt als eine der ältesten U-Bahnen der Welt. Budapest liegt beidseitig der Donau und besteht aus den Teilen Buda und Pest. Unser Hotel liegt im Stadtteil Pest, wo wir uns zunächst umsehen werden. Wir sehen uns im Stadtzentrum und an der Donau um und besuchen dann eventuell auf der Budaer Seit noch das Burgviertel.

Nach einer individuellen Mittagspause geht es am Nachmittag ins „Haus des Terrors“, ein 2002 eröffnetes historisches Museum. Das Haus stellt die beiden totalitären Regime in Ungarn – die der faschistischen Pfeilkreuzler zwischen 1935 und 1945 sowie die sozialistische Zeit nach 1945 bis 1989 einander gegenüber.

Unterwegs in Budapest Bild: Ralf Leonhard

Ab 1937 waren in dem heutigen Museums-Gebäude der Sitz und ein Gefängnis der ungarischen Pfeilkreuzlerpartei, anschließend das Hauptquartier der ungarischen Staatssicherheit, die dort in der stalinistischen Zeit ein Foltergefängnis einrichtete. Nach dem Ende des Stalinismus und dem Ungarischen Volksaufstand 1956 wurde das Haus Sitz des Kommunistischen Jugendverbandes. Kritisiert wurden bei der Eröffnung die Gleichsetzung zweier Regime sowie die Darstellung Ungarns als reines Opfer politischer Fremdherrschaft sowie die Ausblendung der ungarischen Mitverantwortung am Holocaust. Beim Museumsbesuch können Sie sich selber ein Bild machen.

Abends gemeinsames Abendessen in einem Restaurant, anschließend die Möglichkeit zum Besuch einer kulturellen Veranstaltung oder freie Zeit.

3. Tag (Montag)

Heute werden wir uns mit der ungarischen Medienlandschaft beschäftigen.

Am Vormittag steht zunächst ein Besuch bei Transparency International Hungary auf dem Programm. Transparency International ist eine internationale Nicht-Regierungsorganisation, die sich in über 100 Ländern für Korruptionsbekämpfung engagiert. Wir werden mit Mitarbeiter*innen über Medien in Ungarn und das Problem der Korruption sprechen.

Anschließend besuchen wir die Redaktion der Wochenzeitung „Magyar Narancs“ (Ungarische Apfelsine). Sie wurde 1989 von der rechtspopulistischen Partei „Fidesz“ gegründet, ist aber heute die größte oppositionelle Partei Ungarns. Der Name ist eine satirische Anspielung auf einen gescheiterten Versuch im kommunistischen Ungarn Orangen anzubauen. Wir sprechen mit dem Leiter und Journalist*innen darüber, welche Schwierigkeiten oppositionelle Medienschaffenden in Ungarn heute in ihrem Arbeitsalltag haben.

Zum Abschluss des Tages geht es zu „Tilos Rádió“, wo wir mit Menschen sprechen werden, die dort ehrenamtlich arbeiten. „Tilos Rádio“ wurde bereits 1991 gegründet und ist das älteste ungarische Community-Radio. Von den rund 250 Ehrenamtlichen sind die wenigsten professionelle Journalist*innen. Der Sender sendet keine Werbung und erhält keine staatliche Förderung, sondern finanziert sich hauptsächlich über Spenden.

Zum Abschluss des Tages essen wir gemeinsam in einem Restaurant.

4. Tag (Dienstag)

Heute geht es programmatisch um die Situation von Minderheiten in Ungarn. Der Reiseleiter gibt nach dem Frühstück zunächst eine Einführung in das Thema „Roma in Ungarn“, zu denen er auch selber gehört.

Anschließend unternehmen wir einen „Spezialspaziergang“ in Budapests 8. Bezirk, dem ehemaligen „Roma Bezirk“ mit einem Fremdenführer der Roma-NGO UCCU (Roma Informális Oktatási Alapítvány/Roma Informal Educational Foundation). Die zivilgesellschaftliche Roma-Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, gegen Vorurteile und negative Stereotypen zu kämpfen und über die Situation der Roma zu informieren.

Synagoge in Budapest Bild: Thomas Hartmann

Am Nachmittag werden wir uns mit der jüdischen Geschichte beschäftigen. Bereits in der Zwischenkriegszeit war es in Ungarn zu wachsendem Antisemitismus gekommen. Doch Ende der 1930 wurden die sogenannten „Judengesetze“ erlassen. Es gab immer stärkere Einschränkungen bei der Berufsausübung und auch die politischen Rechte wurden immer restriktiver.

Die Nationalsozialisten kritisierten im Verlaufe der 1940er Jahre die zögernde antijdüdische Politik Ungarns. So kam es unter massivem deutschen Druck erst gegen Ende des Krieges zu Deportationen in Vernichtungslager, Zwangsarbeitsmaßnahmen und Erschießungen. Mehr als eine halbe Millionen ungarischer Juden überlebten den Holocaust nicht.

Heute leben in Budapest etwa 60.000 Juden, es gibt ca. 20 Synagogen, zahlreiche jüdische Einrichtungen und seit 2004 das Holocaust-Dokumentationszentrum Budapest.

Wir werden eine der jüdischen Organisationen besuchen und die berühmteste Synagoge Ungarns in der Dohany utca anschauen.

Abendessen in einem Restaurant.

5. Tag (Mittwoch)

Wir verlassen heute Budapest für einen Tagesausflug ins Umland. Es geht nach Felcsút, dem Heimatdorf Viktor Orbáns, ca.  40 km westlich von Budapest. Der Ort hat weniger als 2.000 Einwohner, gilt aber als einer der reichsten Ungarns.

Die ungarische Regierung Orbán ließ hier u. a. ein großes Fußballstadion mit 3.800 Plätzen sowie eine nur wenige Kilometer lange, mit EU-Geldern finanzierte Schmalspurbahn bauen.

In Felcsút lebt auch Viktor Orbáns bester Freund, Lörincz Mészáros. Vor zehn Jahren war er wirtschaftlich am Boden, heute ist er Milliardär und einer der reichsten Männer Ungarn. Seinen Aufstieg hat er Viktor Orbán zu verdanken, Kritiker sehen die beiden Schulfreunde als mächtige Figuren in einem „Mafia-Staat“.

Hier oder in Budapest werden wir gemeinsam zu Mittag essen. Nach der Rückkehr nach Budapest ist Zeit zur freien Verfügung: gleich neben dem Hotel findet sich z.B. das Stadtwäldchen, ein Budapester Naherholungsgebiet mit dem Széchenyi- Thermal-Bad, dem Budapester Zoo sowie einem ganzjährig geöffneter Vergnügungspark. Sie können aber natürlich auch bummeln gehen, sich an der Donau in ein Café setzen oder eine kulturelle Veranstaltung besuchen.

6. Tag (Donnerstag)

Am Vormittag beschäftigen wir uns mit der Situation von LGTBI in Ungarn, also der Lage von Schwulen, Lesben und Transgender-Menschen. Wir treffen Aktivist*innen und Organisator*innen  der „Budapest Pride“ und sprechen mit ihnen über ihre Erfahrungen u. a. mit den Leitern der Firmen, die die Veranstaltung maßgeblich unterstützen.

Am Nachmittag besuchen wir eine Organisation, die sich mit der Lage von Flüchtlingen in Ungarn beschäftigt. Seit Juli 2018 gilt in Ungarn ein neues Gesetz: wer aus einem sicheren Drittland einreist – und als diese gelten u.a. alle Nachbarstaaten – wird automatisch abgewiesen. Ungarn hat damit quasi das Recht auf Asyl abgeschafft. Wie geht es den Menschen, die heute noch als Flüchtlinge in Ungarn leben? Wie wird die Flüchtlingsfrage in Ungarn diskutiert. Wie steht die Zivilgesellschaft zu Asylfragen?

Wir beenden den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen.

7. Tag  (Freitag)

Vormittags sprechen wir mit Gewerkschaftern über die Arbeitsbedingungen in Ungarn: wie ist das mit Mindestlöhnen, Lebenshaltungskosten und Arbeitnehmerrechten? Wie sind die ungarischen Arbeitnehmer*innen organisiert – so sie es denn überhaupt sind? Welche Rolle spielt die EU? Und welchen Einfluss haben Gewerkschaften in Orbáns Ungarn überhaupt?

Am Nachmittag geht es um die junge Generation. Welche Perspektiven sehen sie in ihrem Land? Wir sprechen mit Studierenden und Professor*innen der Central European University (CEO), der privaten Universität, die 1991 von George Soros gegründet wurde und seit 2019 ihren neuen Sitz in Wien hat. Sie berichten über ihre Situation und die akademischen Freiheiten in Ungarn.

Abendessen in einem Restaurant.

8. Tag (Samstag)

Nach einem ausgiebigen Frühstück endet die gemeinsame Reise. Einige Teilnehmer werden vielleicht noch länger in Ungarn bleiben, andere ihre Heimreise individuell antreten.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 30.1.2020