15. - 19. Juni 2021 mit taz-Redakteur Thomas Gerlach: Herrnhut (Oberlausitz)

Bautzen und Görlitz, Sorbische Gemeinden und Ökologie, AfD-Hochburg und Refugium für Utopien

Herrnhut ist bis heute Zentrum der weltweit aktiven "Brüdergemeine" Bild: Archiv

Zum Programm gehören Ausflüge nach Görlitz und Bautzen, Treffen mit einem sorbischen Schriftsteller und mit dem Bürgermeister von Nebelschütz, einem Dorf, in dem auch im Alltag sorbisch gespro- chen wird. Sie lernen eine Region kennen, die mehrfach Rückzugs- gebiet für utopische Ideen war: für Herrnhuter Pietisten vor 300 Jahren wie für DDR-Oppositionelle. In den Gesprächen vor Ort geht es auch um das aktuelle politische Umfeld: die AfD erzielt hier Spitzenwerte. Die Reise endet in Bautzen - mit 4 Übernachtungen im Gästehaus der Herrnhuter Brüdergemeine.

Preis: 760 € (DZ/HP/ohne Anreise), Einzelzimmer-Zuschlag: 55 € Mindestteilnehmer 8 Personen

Reiseveranstalter: Ventus Reisen, Berlin office@ventus.com,  Tel.: 030-39 10 03 32, 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

* Reiseleitung durch taz-Redakteur Thomas Gerlach

* 4 Übernachtungen im Komenský-Gästehaus der Herrnhuter Brudergemeine (plus Abendessen)

* Tagestouren nach Bautzen, Görlitz plus Gut Pommritz sowie in sorbische Dörfer (u.a. Nebelschütz)

* Treffen mit sorbischem Schriftsteller und mit sorbischem Bürgermeister

* Diverse Führungen: in der Herrnhuter Brudergemeine, im Schlesischen Museum in Görlitz und in der Stasi-Gedenkstätte Bautzen

HIER die weiteren Leistungen

Willkommen in der Oberlausitz, eine der schönsten Gegenden Deutschlands und eine der randständigsten. Selbst von Dresden aus ist die Oberlausitz ein fernes Stück Sachsen.

Thomas Gerlach, taz-Redakteur seit 2009 und Autor - mit breiter Berufserfahrung: 1982 Mechanisator in einer LPG, 1982 Film-Missionar, 1992 Diplom-Theologe nach Studium in Leipzig und Bochum

* Oberlausitz als traditionelles Refugium für Utopien

* Sorbische Gemeinden, sorbische Sprache

* Entwicklung ländlicher Regionen

* Görlitz: einst Tor nach Schlesien

* Bautzen: sanierte Altstadt und Stasi-Gedenkstätte

* Tagesausflüge nach Bautzen sowie nach Görlitz mit öffentl. Bus und Bahn

* Fahrt mit Minibus nach Nebelschütz und in andere sorbische Dörfer, mit Besuch der Abtei St. Marienstern, dem religiösen Zentrum der kath. Sorben

* Besuch der Umweltbibliothek in Großhennersdorf mit Andreas Schönfelder

* Treffen mit Vertretern der Brudergemeine Herrnhut, Besuch ihres Zentrums inkl. Archiv

* Diskussion mit dem sorbischen Bürgermeister von Nebelschütz über Perspektiven ländlicher Regionen und über Aktivitäten der Sorben

* Besuch des Projekts Lebensgut Pommritz, gegründet 1992 von Rudolf Bahro und Kurt Biedenkopf

* Treffen mit dem sorbischen Schriftsteller Benedikt Dyrlich

* Führung durch ein Umgebindehaus

Die Reiseleitung achtet während der Reise auf die Einhaltung der Corona-AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken).

 

Das Hotel hat seinen Service auf diese Regeln eingestellt. Die Corona-Verordnungen des Freistaates Sachsen finden Sie HIER und eine gute Zusammenfassung auf der Website Tourismus-Wegweiser

Vor der Reise erhalten Sie vom Veranstalter eine aktuelle Übersicht der Regelungen.

Im Herbst 2017 kam die Oberlausitz endlich ganz groß raus. Allerdings negativ - als die Region, in der die AfD bei der Bundestags- wahl ihren größten Erfolg feierte. In den Landkreisen Görlitz und Bautzen wurde sie stärkste Partei.

Doch es kommt auf die Perspektive an. Görlitz war und ist das Tor nach Schlesien, ein Begriff, der zu DDR-Zeiten peinlichst vermieden wurde. Und von Herrnhut aus, jener Gründung des frommen Grafen Zinzendorf, ist Prag genauso weit entfernt wie Dresden. Sogar der Papst war schon hier, wobei Karel Wojtyla „nur“ Kardinal war, als er 1975 die katholischen Sorben besuchte.

Und nicht nur christlich, auch ökologisch hat die Region inzwischen Avantgardistisches zu bieten: In Pommritz haben Rudolf Bahro und Kurt Biedenkopf, der eine Öko-Sozialist mit Hang zum Esoterischen, der andere CDU-„Vordenker“, 1992 die Vision von nachhaltigem Leben und Wirtschaften angestoßen - ein altes Gut zum Projekt "Lebensgut" ausgebaut. Kurzum, es ist Zeit, die versteckteren Seiten der Oberlausitz wahrzunehmen, als Ort für Utopien, nicht nur als AfD-Region.

Bautzen Bild: Archiv

Wir treffen uns am 12. April um 18 Uhr in unserem Quartier, dem Komensky-Gästehaus der Brüdergemeine in Herrnhut (Anreise-Infos am Schluss). Beim Abendessen lernen wir uns kennen und werfen einen Blick auf das Programm der kommenden Tage. Der Dienstag wird spannend, weil sich in Herrnhut zwei ganz unterschiedliche Epochen und Haltungen verbinden – Barock und DDR-Sozialismus, Frömmigkeit und Widerstand.

Als die Nachfahren der protestantischen Hussiten in Böhmen von der katholischen Gegenreformation bedrängt wurden, gewährte Reichsgraf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700 – 1760) den Glaubensflüchtlingen Schutz. 1722 gründeten sie Herrnhut. Der Ort wurde Zentrum der Herrnhuter Brüdergemeine, die sich durch die Förderung von Wirtschaft und Bildung hervortat.

Vor allem aber war er Ausgangspunkt weltweiter missionarischer Aktivitäten, die bis heute nachwirken. Im Archiv der Brüdergemeine können wir uns davon überzeugen. Außerdem werden wir einen Blick in das Gymnasium werfen, das die Traditionen von umfassender Bildung und Weltoffenheit weiterführt.

In der DDR suchten Menschen wieder Zuflucht in der Region. Es waren unangepasste Jugendliche, die weit weg von Ost-Berlin eine Nische in diakonischen Einrichtungen fanden. Andreas Schönfelder war einer von ihnen. Er wird uns begleiten. 1987 hat er im benachbarten Großhennersdorf die Umweltbibliothek gegründet, ein Hort von Opposition und Widerstand, der sich zu einem Zentrum für Bildung, Kultur und Austausch entwickelt hat.

Umgebindehäuser sind eine Besonderheit der Oberlausitz: eine Kombination von fränkischem Fachwerkhaus und slawischem Blockhaus Bild: Archiv

Von Herrnhut aus werden wir auf dem Zinzendorf-Wanderweg die zwei Kilometer nach Großhennersdorf spazieren, wo uns Andreas Schönfelder die Verbindung von diakonischer Tradition, DDR-Jungendopposition und Umweltschutz aufzeigen und durch die Umweltbibliothek führen wird. Doch die alte Bäckerei bietet mehr. Es gibt ein Programmkino und dazu ein Café mit veganen Speisen. Dort werden wir zu Mittag essen.

Eine architektonische Besonderheit der Region sind die Umgebindehäuser, die deutsche und slawische Stile verbinden und somit das verkörpern, wofür Intellektuelle wie Schönfelder stehen - das gemeinsame Erbe als Schatz zu begreifen. Eines dieser Häuser werden wir besichtigen.

Wie schwierig Bildungsarbeit in einer Region ist, die seit Jahrzehnten unter Abwanderung leidet und wo die AfD heute Spitzenwerte erzielt, weiß Andreas Schönfelder auch. Er wird davon erzählen. Mit dem öffentlichen Bus geht es am Abend von Großhennersdorf nach Herrnhut zurück, wo wir zu Abend essen.

Stolz auf das Erreichte: Bürgermeister Thomas Zschornak ist in Nebelschütz seit 30 Jahren der Chef Bild: Sven Doehring

Etwa 60.000 Sorben soll es noch in Sachsen und Brandenburg geben, nicht mehr alle sprechen Sorbisch. Am Mittwoch fahren wir in ein Dorf, wo Sorbisch gesprochen wird. Nebelschütz/Njebjelcicy mit seinen 420 Einwohnern liegt im Gebiet der katholischen Sorben. Thomas Zschornak, seit dreißig Jahren Bürgermeister, wird uns durch das Dorf führen.

Nebelschütz hat ökologische Landwirtschaft, einen Hofladen als Treff, einen Fußballverein, eine Garnelenzucht und jede Menge neuer Ideen. Zu Zschornaks Lieblingswörtern gehört nicht zufällig das Wort „enkeltauglich“. Es geht aber auch auf anderer Ebene voran: Das Volk hat sich 2018 erstmals eine gewählte Vertretung gegeben und Zschornak ist einer ihrer Abgeordneten. Die Sorben sind ein Schatz für die deutsche Mehrheitsgesellschaft und nebenher Brückenbauer zu unseren slawischen Nachbarn. In Nebelschütz werden wir zu Mittag essen.

Den Kaffee können wir bei der Rückfahrt nach Bautzen im Klosterstübel von St. Marienstern trinken. Das Kloster ist das religiöse Zentrum der katholischen Sorben. „Land der tausend Kreuze“ wird die Region genannt. Dreihundert davon stehen auf dem Friedhof von Ralbitz/Ralbicy. Wir werden den Ort besuchen, bei dem alle Kreuze aus einer Werkstatt stammen, die in dritter Generation von der Familie Dyrlich betrieben wird. Derzeitiger „Herrgott-Schnitzer“ ist Nikolaus. Sein Bruder Benedikt sollte Priester werden. Stattdessen hat sich Dyrlich als Kulturpolitiker, Journalist und vor allem Schriftsteller einen Namen gemacht. Er ist einer der bekanntesten Vertreter der sorbischen Literatur.

Benedikt Dyrlich (l.) und sein Bruder Nikolaus Dürlich, mit „ü“, in dessen Werkstatt. Bild: Thomas Gerlach

Wir treffen ihn in Bautzen, der „Hauptstadt“ der Sorben. Zunächst werden wir bei einem geführten Stadtrundgang die Altstadt erkunden. Dann kehren wir in das sorbische Restaurant „Wjelbik“ ein, wo uns die Familie Lukasch mit einem Sorbisches Hochzeitsessen bewirten wird. Danach kommen wir mit Benedikt Dyrlich ins Gespräch - über die reiche, aber weithin unbekannte sorbische Literatur. Natürlich wird er auch eigene Texten lesen, auf Sorbisch und Deutsch, Dyrlich schreibt stets zweisprachig. Am Abend geht es per Bahn und Bus nach Herrnhut zurück.

Am Donnerstag reisen wir nach Görlitz. Jakob Böhme lebte hier. Seine „Aurora oder Morgenröte im Aufgang“, die der mystisch inspirierte Schuster 1612 verfasste, war das erste philosophische Werk in deutscher Sprache. Böhmes Wohnhaus liegt am Ostufer der Neiße im polnischen Zgorzelec. Das Haus ist Endpunkt eines Spaziergangs, der vorbei am Jugendstil-Kaufhaus, über den Ober- und Untermarkt und die Altstadtbrücke nach Polen führt.

In der Dreiradenmühle können wir gut polnisch zu Mittag essen. Danach werden wir das Schlesische Museum besuchen. Es erzählt von der Geschichte und Kultur dieser multikulturellen Region, aber auch von Verlust und Vertreibung.

In der Altstadt von Görlitz Bild: Gaby Coldewey

Am Nachmittag geht es nach Pommritz zum Projekt Lebensgut, das 1992 von Rudolf Bahro und Kurt Biedenkopf gegründet worden war. Auf einem Rundgang werden wir die vielfältigen Aktivitäten seiner BewohnerInnen kennenlernen.

Einmalig dürfte die Philosophie-Erlebniswelt „Sophia“ sein, wo man sich die christliche Trinität, Platons Höhlengleichnis und andere philosophische Ideen als dreidimensionale Modelle erleben kann. Nach so viel Inspiration werden wir über die ökosoziale Utopie von Pommritz gut ins Gespräch kommen. Danach geht es zurück nach Herrnhut, wo wir wieder zu Abend essen.

An nächsten Morgen verabschieden wir uns nach dem Frühstück von Herrnhut und fahren noch einmal nach Bautzen. Dort erwartet uns in der ehemaligen Stasi-Haftanstalt ein Stück harte DDR-Realität. Der Name Bautzen hatte zu DDR-Zeiten einen düsteren Klang.

Einer der prominenten Häftlinge war 1978/79 Rudolf Bahro. So schließt sich der Kreis – und so schließt sich die Reise. Utopie und Dystopie liegen oft dicht beieinander, so auch in der Oberlausitz. Nach einem Mittagessen endet die Reise am Bautzener Bahnhof.

Die Reiseleistungen im Einzelnen

Beginn und Ende der Reise:

Wir treffen uns am Montag, den 12. April, um 18 Uhr im Komenský Gästehaus in Herrnhut (Oberlausitz).

Von Bautzen gibt es jede Stunde (z. B. 16:20 Uhr) eine Zugverbindung nach Löbau (15 Min.), dort Umsteigen in den Bus Nr. 10 nach Zittau, der nach 20 Minuten in Herrnhut hält.

Ende der Reise: Freitag, 16. April, gegen 14 Uhr am Bahnhof in Bautzen.

Die Reiseleitung achtet während der Reise auf die Einhaltung der Corona-AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken).

 

Das Hotel hat seinen Service auf diese Regeln eingestellt. Die Corona-Verordnungen des Freistaates Sachsen finden Sie HIER und eine gute Zusammenfassung auf der Website Tourismus-Wegweiser

Vor der Reise erhalten Sie vom Veranstalter eine aktuelle Übersicht der Regelungen.