12.- 20. September 2020

Slowenien und Triest

Reiseleitung: Martin Reichert in Kooperation mit Boštjan Bugarič

Canale Grande von Triest mit Denkmal für James Joyce Bild: Martin Reichert

Triest - Karst - Ljubljana - Koper

Von Triest und der österreichischen Riviera nach Ljubljana und zurück zur Hauptstadt Istriens. Man kann sich diese Region als eine Art große Kreuzung vorstellen: Auf der Halbinsel Istrien trifft der Osten auf den Westen, die römische Zivilisation auf die slawische Kultur, das Alpenvorland auf das Mittelmeer – ist hier schon Balkan oder noch Mitteleuropa? Ist man hier in Italien, Slowenien oder Kroatien? Auf jeden Fall ist man in Europa.

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PREIS: hier bis Mitte Dezember

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Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden.

Triest, der alte Hafen der Habsburger. Vor nun 250 Jahren verpasste hier der deutsche Archäologe Johann Joachim Winckelmann sein Schiff nach Venedig und wurde, vermutlich von einem Stricher, in seinem Hotelzimmer ermordet. Der Begründer deutscher Italiensehnsüchte liegt hier nun begraben – doch sein Grab zieht weniger Touristen an, als die Sehenswürdigkeiten der nicht weit entfernten Lagunenstadt Venedig.

Martin Reichert, Historiker, taz-Redakteur seit 2006, derzeit in der 'taz am Wochenende', Autor

Boštjan Bugarič, Architekt, lehrt Urbanismus an den Unis von Koper und Ljubljana

Triest, die einst so bedeutende Hafenstadt, ist nach dem ersten Weltkrieg in einen bekömmlichen Dornröschenschlaf gefallen. Wurde Stadt der Literatur und Wiege des Faschismus, fast Teil Jugoslawiens, Kaffeemetropole und Freies Territorium sowie schließlich Italien - und blieb doch immer eines, nämlich multikulturell.

Vom Dornröschenschlaf zeugen die Kaffeehäuser, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Doch Auseinandersetzungen um die stets fragile Identität der Region gibt es noch immer: Noch immer lebt hier eine slowenische Minderheit, die Stadt selbst wurde Italien zugeschlagen, das Hinterland aber, der Karst, gehört zu Slowenien, das seit 1991 ein unabhängiger Staat ist.

Das Dorf Stanjel im Karst Bild: Archiv

Vom Küstenland aufwärts bis zur Hauptstadt Ljubljana zieht sich das Karst-Plateau, eine geologische Formation, die von zahlreichen Höhlen und unterirdischen Flüssen durchzogen ist; landschaftlich wunderschön und versehen mit einer vielfältigen Flora und Fauna. Ljubljana schließlich, die „Geliebte“ auf Slowenisch und auf Deutsch als Laibach bekannt, changiert zwischen mediterraner Lebensart und alpenvorländischer Bodenständigkeit.

Ljubljana, dessen Gestalt durch den ungewöhnlichen Architekten Joze Plecnik nachhaltig geprägt wurde, ist heute eine junge (Universitäts-) Stadt mit einer im Vergleich großen Kunst- und Kulturszene. Und eine dezidiert grüne Stadt, aus der der Autoverkehr nach und nach konsequent vertrieben wird.

Ljubljana war und ist eine Schnittstelle zwischen West-Europa und den Ländern des Balkans, von hier fanden progressive Ideen von der Psychoanalyse über den Feminismus bis hin zum Gay Rights Movement und der Umweltschutzbewegung ihren Weg Richtung Südost.

Ljubljana - im Zentrum der Stadt mit den drei Brücken des Architekten Joze Plecnik Bild: Archiv

Slowenien, bekannt für seine großen Urwälder, Bergtäler und Wintersport- held*innen hat aber auch eine Mittelmeerküste. Sie misst zwar nur 42 Kilometer, ist aber für ein Land in der Größe Hessens gerade groß genug. Es reicht sogar für eine eigene Hafenstadt: Koper, auf Italienisch „Capodistria“ (Haupt Istriens) verfügt über einen Tiefseehafen, der mit dem benachbarten Hafen von Triest erfolgreich konkurriert und ist eine Art slowenisches Marseille.

Rauher, proletarischer als das benachbarte, malerische Piran oder gar das „poshe“ Portorosz mit seinen Grand Hotels und Spielcasinos, aber keineswegs weniger schön anzuschauen oder gar langweiliger. Koper, touristisch wenig ausgebeutet, steht für den slowenischen Alltag zwischen erfolgreichem wirtschaften, sportlicher Aktivität und Lebensfreude, die dank Sonne, gutem Wein und hervorragendem Essen nicht zu kurz kommt.