Thessaloniki

Internationale Begegnungsreise der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung nach Thessaloniki, Griechenland

Die Begegnungsreise der Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung führt uns in diesem Jahr nach Thessaloniki, Griechenland. Dort hat die Heinrich-Böll-Stiftung bereits seit 2012 ein Büro, von Anfang an geleitet durch Olga Drossou. Die Reise richtet sich in erster Linie an Mitglieder und andere Ehrenamtliche der Heinrich-Böll-Stiftung, steht aber auch anderen offen.

Wir werden in dieser Woche die Arbeit der Heinrich-Böll-Stiftung vor Ort und verschiedene ihrer Projektpartner/innen kennenlernen; ein Schwerpunkt der Reise werden die multikultur­el­len Wurzeln dieser ehemals kosmopolitischen Stadt sein, die als „Jerusalem des Balkans“ galt: Wir befassen uns mit der Geschichte der ehemaligen jüdischen Großstadt Thessaloniki im osmanischen Reich, dem Prozess ihrer „Hellenisierung“ nach ihrer Einverleibung in den griechischen Nationalstaat nach den Balkankriegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Grundlegung des „modernen“ Gesichts der Stadt durch den Holocaust, dem während der deutschen Okkupation 1941-44 rund 50.000 Jüdinnen und Juden, etwa ein Fünftel der Stadtbevölkerung, zum Opfer fielen. Diese Geschichte ist nicht nur weithin unbekannt, sie wird selbst in Thessaloniki bis heute und in Deutschland vielfach verdrängt. Die Stadt will nicht an ihre multikulturelle Vergangenheit, an das dunkle Kapitel von Kollaboration und Antisemitismus erinnert werden. Die Bundesrepublik fördert zwar seit zwei Jahrzehnten den erinnerungs­politischen Dialog, will aber z.B. nichts von Entschädigungszahlungen wissen.

Ein zweiter inhaltlicher Schwerpunkt wird die Auseinandersetzung mit Thessaloniki als sozialer und solidarischer Stadt heute sein: Der Angriff auf den Euro, die damit verbundene griechische Fiskalkrise und die Sparprogramme stürzten viele Menschen in Griechenland in existentielle Not. Sie verloren Arbeit und oft auch ihre Wohnungen. Dann beschloss 2012 die griechische Regierung in Übereinstimmung mit der Troika auch noch, dass Arbeitslose ihren Krankenversicherungsschutz verlieren. In dieser Zeit stieg auch noch die Zahl der Flüchtlinge, die in den Städten eintrafen. Bei verschiedenen Projekten wie, um nur eines zu nennen, dem Flüchtlingszentrum „ALKYONI“, werden wir erfahren können, wie sich in dieser Situation in Thessaloniki viele Menschen auf den Weg machten und solidarische Initiativen der Hilfe und Selbsthilfe gründeten – beispielsweise kostenfreie Sozialkliniken oder Initiativen für die Versorgung der Flüchtlinge - und wie sich viele Menschen auch aus anderen Ländern solidarisch zeigten. Während die europäische Krise die Staaten und die öffentliche Meinung gegeneinander in Stellung brachte, hat sie die Menschen bei der Verteidigung sozialer und humanitärer Mindeststandards auch zusammengebracht.

Abrunden werden wir das Programm mit einem Ausflug nach Westmazedonien und Thessa­lien, wo wir uns in der Braunkohleregion Kozani u.a. mit den Konflikten um den Ausstieg aus dem Braunkohleabbau und der Schaffung neuer Arbeitsplätze befassen wollen. Außerdem werden wir auf dem Weg Gelegenheit haben, die sehenswerten mazedonischen Königsgräber in Vergina und die schwebenden Klöster von Meteora zu besuchen.

In Zusammenarbeit mit via cultus, Internationale Gruppen- und Studienreisen GmbH.

Anmeldungen sind möglich bis 5. Mai 2019 an cichon@boell.de. Alle Details finden sich im Programm.