DER RECHTE RAND

Solidarität unter Kameraden

Kameradschaft die mehr als Freundschaft ist, verspricht die neonazistische Szene. Kameraden in Haft versucht die „Hilfsgemeinschaft Nationaler Gefangener“ beizustehen, fehlt Geld für’s Rechtsrockkonzert zahlen wieder andere. „Echte Kameradschaft, wahrer Zusammenhalt“, sagt der Aussteiger Patrick B., „das halten die ganz hoch.“

„Nationale Solidarität“, heißt es in der Szene, „stellt mehr als eine leer Worthülse dar.“ Unter der Parole „Aktion 5+X“ rufen Freie Kameradschaften und Internetprojekte derzeit zu Spenden für den „nationalen Liedermacher“ Michael Müller auf. Auch die niedersächsische NPD bittet um Geld für ihren Kameraden aus Bad Lauterberg. Das Neuartige an der Aktion: Gesammelt wird, weil Müller an Krebs erkrankt ist. Ihr Mann kämpfe mit einem schlimmer Hirntumor, lässt Annett Müller wissen, ebenso ein rechter Szenestar. Seine Medikamente würden nur auf Privatrezept verschrieben.

Das Schicksal Müllers werde von der Szene gezielt zur Selbstdarstellung genutzt, sagt der Rechtsrock-Experte Christian Dornbusch – inklusive einer unablässigen Betonung der „Solidarität“ und ständiger Kritik an dem Gesundheitssystem. „Diese Szene braucht Heroen und Mythen“, sagt Dornbusch. Auch Aussteiger Patrick B. berichtet, wie „so eine Kampagne richtig inszeniert“ werde: Gerade um zu kaschieren, dass es bei Schicksalsschlägen mit dem Zusammenhalt nicht weit her ist.

Ganz so solidarisch verläuft auch die Aktion für Michael Müller nicht: In einschlägigen Internet-Foren beschweren sich einige über den Kontoinhaber, anderen bekunden, die Medikamente würden nicht helfen. Und einer fragt: „Was bring’s wenn er sowieso stirbt?“

Eine „Soli-Auktion“ starten jetzt Freie Kameraden in Neumünster: Am Samstag werden im dortigen „Club 88“ private Sachspenden versteigert. Da zu wird ein musikalisches Programm angekündigt.