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Archiv-Artikel

Interesse am Körper

Gedrängel an der Reeperbahn: Besuchermassen und gemischte Reaktionen zum Start der Leichenschau

Die umstrittene Leichenschau „Körperwelten“ ist am Samstag mit regem Publikumsinteresse gestartet. Warteschlangen vor dem Eingang prägten den Auftakt der Ausstellung des Mediziners Gunther von Hagens im ehemaligen Erotic-Art-Museum an der Reeperbahn. Mehr als 3.300 BesucherInnen passierten am Eröffnungstag das Kassenhäuschen, teilte „Körperwelten“-Sprecherin Susanne Walter mit.

Mittelpunkt der „Körperwelten“ ist das mehrere Meter große Plastinat „Scheuendes Pferd mit Reiter“. Der präparierte Warmblüter durfte in anderen Städten nicht gezeigt werden. Vor allem Kirchen und Ärzte hatten die Ausstellung als „Entertainment mit Toten“ kritisiert. Zu Protestaktionen sei es laut Polizei aber bisher nicht gekommen.

Mit gemischten Gefühlen reagierten die ersten BesucherInnen auf die Plastinate. „Die Exponate sind aus meiner Laiensicht hervorragend gearbeitet und verletzen nicht die Würde der Toten durch überzogene voyeuristische Effekte. Auch als evangelischer Christ kann ich für meine Person nichts Anstößiges empfinden“, hat ein Besucher zum Abschluss des Rundgangs in einem Kommentarbuch notiert. Andere verspürten nach eigenen Worten Ekel und Unbehagen: „Effekthascherei! Würdelos! Unethisch!“, lautete eine weitere Notiz.

Nach Angaben des Heidelberger Instituts für Plastination haben seit 1997 weltweit 12,5 Millionen Menschen die „Körperwelten“ gesehen, davon mehr als 4,5 Millionen in Deutschland. In Hamburg läuft die Ausstellung bis zum 4. Januar. LNO