Hamburg braucht Olympische Spiele: Ein Weg aus der starren Verweigerungshaltung
Olympische Spiele mögen sich wirtschaftlich nicht rechnen. Aber es täte Hamburg als Gemeinwesen gut, sich auf ein solches Ziel hin auszurichten.
D as „Schmidt Theater“ auf St. Pauli hat für sein Musical „Heiße Ecke“ eine Zeitlang mit dem Slogan geworben „In Hamburg weltberühmt“. Dieser Satz ironisiert auf feine Weise die Sicht der Hamburger auf sich selbst: Sie leben in der schönsten Stadt der Welt, die schon wegen ihres Hafens weltbekannt ist. Aber dass Hamburg von Edith Piaf besungen wurde, ist schon eine Weile her und schon in Frankreich fragen einen die Leute: Wo liegt das eigentlich?
Auf eine Bewerbung für die Olympischen Spiele zu verzichten, könnte man als Ausdruck einer Selbstzufriedenheit lesen, die nicht mehr zeitgemäß ist. Es gibt viele Häfen, die größer, viele Städte, die dynamischer sind als Hamburg.
Einer Studie der OECD zufolge hat sich die Metropolregion Hamburg selbst innerhalb Deutschlands langsamer entwickelt als andere Regionen. Mit Bewunderung berichten die Leute von ihren Reisen nach Asien, um zugleich das Lied von der Rückständigkeit, wenn nicht gar vom Niedergang ihrer Heimat anzustimmen.
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Olympische Spiele wären ein Programm, um Hamburg neuen Schwung zu verleihen. Sie wären eine Chance, von der starren Verweigerungshaltung wegzukommen, die von Teilen der Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht wird, ohne dass sie selbst eine mitreißende Zukunftsvision anbieten könnten.
Sicher: Dass sich die Spiele für die Ausrichterin finanziell und im streng ökonomischen Sinne nicht rechnen, scheint Konsens unter Wirtschaftswissenschaftlern zu sein. Dem stehen aber schwer zu beziffernde weiche Effekte entgegen, für die sich eine Bewerbung lohnen würde.
Die Spiele verbunden mit dem Zwang, bis zu einem bestimmten Datum etwas auf die Beine stellen zu müssen, könnten ungeahnte Kräfte freisetzen, Dinge möglich machen, die normalerweise an der allseits beklagten Bedenkenträgerei scheitern würden. Sie könnten den Gemeinschaftsgeist stärken und den bitter nötigen Zukunftsoptimismus verbreiten.
Bis Ende Mai stimmen die Hamburger:innen darüber ab, ob sich die Stadt für die Olympischen Spiele bewerben soll. Was spricht dafür und was dagegen?
Im taz Salon diskutieren wir darüber und begrüßen auf dem Podium diese Gäste:
🐾 Alske Freter, sportpolitische Sprecherin der Grünen
🐾 Christoph Holstein, Sportstaatsrat SPD
🐾 Eckart Maudrich, Sprecher der Initiative Nolympia
🐾 Heike Sudmann, Fraktionschefin Die Linke Hamburg
Moderation: André Zuschlag, taz-Redakteur
Wann: Mo., 25.05.2026, 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr
Wo: Haus 73, Saal (2. OG), Schulterblatt 73, 20357 Hamburg
Bitte kontaktieren Sie uns über salon@taz.de für einen barrierefreien Zugang.
Eintritt frei. Wir freuen uns über einen solidarischen Beitrag an taz zahl ich. Weitere Informationen gibt es hier.
Dabei käme es darauf an, die Spiele als Chance für Ziele zu nutzen, die darüber hinausreichen. Die Chance, dem Hafen ein größeres Gebiet für die Stadtentwicklung abzutrotzen, ist mit der gescheiterten Bewerbung 2015 vertan worden. Jetzt wirbt der rot-grüne Senat damit, eine Art olympischen Grüngürtel durch die Stadt zu ziehen, mit dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und Inklusion.
Er könnte deutlich noch mehr daraus machen: Hamburg muss bis 2040 klimaneutral werden, so hat es das Volk entschieden. Das ist keine einfache Aufgabe, mit viel Widerstand ist zu rechnen. Warum nicht den Schwung nutzen, der mit einer Ausrichtung der Spiele verbunden wäre, um dieses Klimaziel zu erreichen.
Die Hamburger Wirtschaft, die ja für die Spiele wirbt, könnte sich im Endspurt vor dem Olympiareferendum dazu bekennen und explizit verpflichten. Auch für die Bewerbung wäre das sicher kein Schaden. Und sie könnte das Gelaber vom „einfach machen“ mal in die Tat umsetzen.
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