Ein Aussenminister Stoiber wäre nur ein Aussenwirtschaftsminister

Handelsvertreter der Deutschland AG

Edmund Stoiber Außenminister? Auf den ersten Blick erscheint dieser Gedanke ungefähr so absurd, als wenn – nun ja, als wenn vor 20 Jahren jemand Joschka Fischer als Außenminister vorgeschlagen hätte. Tatsächlich aber ergibt diese Idee einen Sinn, wenn man versucht, die vermeintlichen Gedankengänge des bayerischen Ministerpräsidenten nachzuvollziehen.

Dass er im Falle eines Regierungswechsels nach Berlin wechseln würde, erschien trotz des beharrlichen Zögerns von Stoiber immer als die wahrscheinlichste Variante, wenn man um seine bundespolitischen Ambitionen weiß. Stoiber hat sich immer als denjenigen gesehen, der Deutschland nach dem Vorbild Bayerns auf den richtigen Kurs bringen kann. Das Problem: Stoiber konnte sich Stoiber für diese Aufgabe immer nur eine Position vorstellen – die des Kanzlers. Doch nun heißt es in der CDU: Stoiber kann alles werden – nur nicht Kanzler. Angesichts dieser für ihn peinigenden, aber unverrückbaren Tatsache erscheint es im Hinblick auf Stoibers unbestreitbare finanz- und wirtschaftspolitische Erfolge in Bayern sinnvoll, wenn Stoiber Finanz- oder Wirtschaftsminister oder gleich beides werden sollte.

Doch Stoiber – so scheint es – kneift. Es könnte seinen tadellosen Ruf als erfolgsgewohnten Macher nachhaltig beschädigen, wenn er zum obersten Verkünder schlechter Haushaltszahlen und schmerzhafter sozialer Einschnitte wird. Er wird dann von seinen enttäuschten Wählern (die es, das weiß kaum jemand besser als Stoiber, sehr schnell geben wird) jene Prügel einstecken müssen, die heute Wolfgang Clement und Hans Eichel abbekommen.

Da ist es selbstverständlich viel einfacher, den selbst in Krisenzeiten unschlagbar populären Job des Außenministers anzustreben und nach den Jahrzehnten in der Provinz zum Karriereende hin noch ein wenig Weltgeltung abzugreifen. Inhaltlich steht dann zu befürchten, dass sich Stoiber, der als Ministerpräsident gern persönlich weltweite Kontakte für die Firmen seines Freistaats knüpft, als eine Art oberster Handelsvertreter Deutschlands begreift, der seine Politik stets am größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzen ausrichtet.

Immerhin, das sei ihm zugute gehalten, hat er als Kanzlerkandidat einst durchblicken lassen, dass er einer deutschen Beteiligung an Konflikten wie dem Irakkrieg erheblich skeptischer gegenübersteht als CDU-Parteichefin Angela Merkel. Abgesehen davon ist auf Anhieb nichts zu erkennen, was Edmund Stoiber für das Amt des Außenministers qualifizieren würde. JÖRG SCHALLENBERG