wie machen sie das?

Der Stuntman

Daniel Stockhorst ist Stuntman. Was für Stars zu gefährlich ist, erledigt er.

taz am wochenende: Herr Stockhorst, Sie liefern sich mit anderen halsbrecherische Verfolgungsjagden, springen von Hochhäusern, klettern Fassaden hinunter. Wie machen Sie das?

Daniel Stockhorst: Wenn ich Fassaden runterklettere, ist das seilunterstützt.

Und sieht man die Seile?

Die werden digital rausretouchiert. Gerade bei Actionfilmen wird viel digital nachgearbeitet.

Ist es dadurch weniger gefährlich geworden?

Würde ich nicht sagen, aber mit den Seilen hat man ein wenig mehr Kontrolle.

Planen Sie die Einsätze minutiös?

Wir tun zumindest unser Bestes, aber ein Restrisiko ist da. Es gibt immer diese Situa­tion, wo man plötzlich umdenken muss.

Haben Sie sich schon mal verletzt?

Ja, in den 15 Jahren, die ich das machen, schon ein paarmal, aber nicht so schlimm.

Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Es war mein Kindheitstraum. Schon mit fünf, sechs wollte ich das. Colt Seavers aus „Ein Colt für alle Fälle“ war meine Inspiration. Ich habe nach der Schule zuerst eine Tischlerlehre gemacht. Dann hatte ich einen Autounfall. Da war ich voll Adre­nalin, und da dachte ich: Mensch, das ist richtig geil, und du wolltest doch mal Stuntman werden. Danach habe ich es ausprobiert.

Was war Ihr gefährlichster Einsatz?

In Frankfurt, da bin ich in einer Shoppingmall aus dem dritten Stock in den Keller gesprungen.

Wie wurden Sie aufgefangen?

Im optimalen Fall springen wir in Luftkissen. Aber da bin ich in eine Burg aus Pappschachteln gesprungen. Zwischen jeder Lage Schachteln noch eine Schicht Pappe zur Stabilisierung. Das bremst dynamisch.

Was war das für ein Gefühl?

Ich hatte da schon dollen Respekt. 2 Sekunden Flugphase, 75 Stundenkilometer.

Welches ist Ihr Lieblingsfilm, bei dem Sie dabei waren?

„Die vierte Macht“ mit ­Moritz Bleibtreu war sehr schön. Da habe ich einen russischen Gefängnisinsassen gespielt, der eine Auseinandersetzung hatte.

Und Bleibtreu wurde gedoubelt?

Nee, der hat das selbst gemacht.

Ist der ein Haudegen?

Ein Haudegen nicht, aber der macht seine Sachen gern selber.

Wie lang kann man Ihren Job eigentlich machen?

Keine Ahnung. Man wird etwas ruhiger mit dem Alter, aber da müssen Sie mich dann in zwanzig Jahren wieder anrufen.

Im Alltag, sind Sie da eher ein vorsichtiger Mensch?

Ja, ich bin nicht so der Draufgänger. Das ist dem Beruf geschuldet, da muss ich immer bedacht sein.

Interview: Waltraud Schwab