Das war

Immer wieder Einzelfälle

Der November ist ein schwarzer Monat für die Polizei in Schleswig-Holstein: Bei mehreren Einsätzen starben Menschen. In Ahrensburg und Lübeck kam es Anfang des Monats zu Verfolgungsjagden, bei denen die Beamten auch die Schusswaffe einsetzten. Nun wurde bekannt: Auch nach einer Festnahme in Bad Oldesloe kam ein Mann ums Leben.

„Bedauerlich“ nannte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Torsten Jäger, die drei Todesfälle. Sie ließen sich aber „nach unserem Verständnis als eine zufällige Häufung von Einzelfällen klassifizieren“. Allerdings häufen sich diese Einzelfälle zurzeit.

Nicht nur in Schleswig-Holstein, auch in anderen Bundesländern kam es zu Todesfällen. In Recklinghausen wurde ein Mann in seiner Wohnung erschossen, der sich mit einem Taschenmesser den Beamt*innen näherte, die wegen einer Ruhestörung geklingelt hatten. In Rheinland-Pfalz kam ein Mann zu Tode, der mit einer Axt bewaffnet war.

Vermutlich unbewaffnet war der 55-Jährige, der in der Nacht zum 1. November mit dem Auto in der Ahrensburger Innenstadt von der Polizei verfolgt wurde. Dabei fielen Schüsse aus Polizeiwaffen, die den Wagen trafen. Als der Wagen schließlich stoppte, wehrte sich der Insasse gegen die Festnahme, wurde fixiert und erlitt einen Anfall. Er starb trotz Reanimationsversuchen.

Schüsse fielen auch am folgenden Tag in Lübeck: Ein Vater, der mit seiner Tochter im Stadtpark spazieren ging, rief die Polizei, weil er von einem bedrohlich wirkenden Mann angesprochen worden war. Als die Streife kam, gab es einen Schusswechsel mit einem 52-Jährigen, der mehrmals getroffen wurde und starb. Der Mann, der lange im Gefängnis gesessen hatte und auf Bewährung in Freiheit war, hatte ebenfalls eine Waffe – allerdings wohl nur eine Schreckschusspistole.

Keine Waffen, dafür offenbar Alkohol war im Spiel bei dem Vorfall in Bad Oldesloe am 3. November. Ein Ladenbesitzer rief die Polizei, weil ein Mann, der bei einem Diebstahlversuch ertappt worden war, das Geschäft nicht verlassen wollte und Kundschaft belästigte. Der 37-Jährige war „augenscheinlich alkoholisiert, ausgesprochen uneinsichtig und wollte den Bereich nicht verlassen“, sagte Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg, dem Stormarner Tageblatt.

Der Mann wurde fixiert, im Polizeirevier brach er zusammen und starb später im Krankenhaus. Jetzt werden Zeug*innen gesucht, die am Sonntag, 3. November, gegen 16.30 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz den Mann und den Polizeieinsatz beobachtet haben. Esther Geißlinger