Das war auch

Hier gibt’s nix zu feiern

Martin Luther war ein widerwärtiger Hassprediger

Staatskirchliche Feiertage lehne ich ab. Wohlgemerkt, es ist völlig okay, traditionelle religiöse Feste arbeitsfrei zu halten. Sie sollten uns allein deshalb teuer sein, weil, Seit an Seit mit dem Unternehmertum, die protestantischen Kirchen diese Praxis des schönen Lebens in ihrer inhärenten Menschenfeindlichkeit jahrhundertelang bekämpft haben. Rund 50 Feiertage haben die Protestanten seit Gründung gekillt! Sie bieten Gelegenheit, rumzu- schlemmen, Party zu machen, zu spielen, oder, wem‘s Spaß macht, rumzubeten.

Martin Luther zu feiern, scheint dagegen eine Unsitte. Sie ist durch nichts zu rechtfertigen. Denn ja, der Mann war ein sehr guter Lyriker und eindrucksvoller Übersetzer, aber eben auch eher eifernder Fundamentalist als ernstzunehmender Theologe und ein widerwärtiger Hassprediger. Dass sein Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache groß war, erleben wir tagtäglich über die Social-Media-Kanäle.

Leicht zu glauben ist, was Oldenburgs Bischof Thomas Adomeit in Jever kontrafaktisch gepredigt hat: nämlich, dass Proto-Troll Luther „auf die heutigen Möglichkeiten neidisch“ gewesen wäre, „auch digital zu kommunizieren“. Dennoch wurde nun der Reformationstag als Feiertag im Norden eingeführt.

Bloß: Was damit anfangen? In Bremen ist diese Frage leicht zu beantworten, denn dem dortigen Leitenden Theologen ist der Reformationstag eine Anti-Konsumveranstaltung. Wer in Südniedersachsen wohnt, kann ja überlegen, nach Nordrhein-Westfalen oder Hessen zum Shoppen zu fahren. Das ist von Bremen aus alles zu weit. Anti-Anti-Konsum gibt’s dort am Reformationstag nur auf dem Freimarkt. Das passt, weil es ja auch darum geht, antiklerikalen Ärger wach zu halten. Und Kirmes nervt.

Es ist Quatsch, dafür, schnell oder sehr schnell im Kreis herumgefahren zu werden, wahlweise viel oder sehr viel Geld auszugeben und dazu schlechte Musik zu hören. Es ist Quatsch, mit Aussicht auf den Gewinn hässlicher, jedoch nicht schadstoffgeprüfter und in Kinderarbeit zusammengefrickelter Stofftiere, Lose zu erwerben. Es ist völlig bescheuert, ekeliges Fettgebackenes zu verzehren.

All das ist aber immer noch sinnvoller, als sich in einer Kirche abgestandene Gedanken über Texte anzuhören, die in der Geschichte allzu oft fatale Wirksamkeit bewiesen haben: Sie zementieren Sittlichkeitsvorstellungen, die bereits vor 2.000 Jahren reaktionär waren und blockieren moralisch relevante Fragestellungen durch – im Protestantismus informelle – Dogmen. Davon wird einem speiübel. Benno Schirrmeister