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Hamburg baut den falschen neuen Knast

Die Bürgerschaft hat in dieser Woche beschlossen, ein Jugendgefängnis zu bauen. Justizsenator Till Steffen (Grüne) lobte den Beschluss als „Meilenstein“. Der Neubau auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Billwerder soll das jetzige Gefängnis auf der Elbinsel Hahnöfersand in Jork ersetzen, dessen Sanierung zu aufwendig wäre. Klingt plausibel.

Wenn nicht Experten eindringlich vor der Planung warnen würden (taz berichtete). Denn das neue Haus neben der Autobahn ist wie ein Erwachsenenknast geplant. Die vier künftigen Hafthäuser gehen von einem 250 Meter langen Megaflur ab. Die Bauweise ähnelt einer 2015 in Augsburg fertig gestellten U-Haft-Anstalt für Erwachsene. Die Jugendlichen könnten dort einen „Rappel“ kriegen, so die Kritiker.

Das alte Jugendgefängnis auf der Elbinsel besteht aus 38 Einzelhäusern mit vielen Wegen dazwischen. Es ermöglichte Bewegung an der frischen Luft statt wie künftig in klimatisierten Räumen. Das neue, übersichtliche Gefängnis soll die Arbeit der Vollzugsbeamten erleichtern. Doch es könnte sie schwieriger machen, weil die Jugendlichen sich nicht wohl fühlen werden.

Zu guter Letzt soll das Gefängnis auch größer werden als geplant. 200 statt der vorgesehenen 152 Plätze, obwohl die Jugendkriminalität im Prinzip seit Jahren zurückgeht.

Der Plan zeigt, dass Jugendliche keine Lobby haben, schon gar nicht, wenn sie im Knast sitzen. An der Elbe wird, wenn sie weichen müssen, ein Traumgrundstück frei. Vielleicht ist das auch ein Motiv für diese Pläne. Kaija Kutter