Stephanie Grimm
hört auf den Sound der Stadt

Die Tage, die man auf staubigen Festivals vertrödeln durfte, sind leider vorbei. Warum nicht mal ins Unterholz kriechen? Man muss dort nicht gleich Pilze suchen, das ist für uns Großstadtkinder sowieso zu gefährlich. Lieber fährt man ans Schlesische Tor, am Freitag und/oder Samstag zum Indoor-Minifestival UNTERHOLZ AM OBERBAUM. Bestens geeignet zum Entdecken poppig-krachiger Sounds zwischen Indie- und Electro-Pop, findet es zum zweiten Mal statt, diesmal in abgespeckter Form, im Musik & ­Frieden (19 Uhr, Falckensteinstr. 48, Zwei-Tages-Ticket 30/32 €). Insgesamt neun Bands treten auf: Am Freitag wird eine Bühne bespielt, etwa mit Softrock von Botschaft; am Samstag dann gleich drei, unter anderem von den Wienern von Culk, die einen Wall of Gitarrensound mit Shoegaze-Anleihen durch den Raum schicken. Oder dem Duo Theodor Shitstorm, für das sich die Singer-Songwriterin Desiree Klaeu­kens mit dem Filmemacher Dietrich Brüggemann zusammentat. Bei einer Reise über den Balkan ließen sie sich zu einer Mischung aus Hamburger Schule, Ösi-Pop und mehr inspirieren.

An gleicher Stelle darf man am Sonntag alten Freunden zunicken (20 Uhr, Falckensteinstraße 48, 26,50 €). Als das in den neunziger Jahren zu einigem Ruhm gekommene Lo-Fi-Trio Sebadoh 2013 nach einer 14-jährigen Albumpause „Defend Yourself“ veröffentlichte, fragt man sich schon: Wozu das denn? Von dem aktuellen Nachfolger „Act Surprised“ konnte man dagegen einigermaßen positiv überrascht sein. Es wirkte, als hätte sich die Band freigespielt von dem Gepäck der Vergangenheit. Nicht dass sie das Rad neu erfinden, aber offenbar haben sie Spaß dabei.

Ebenfalls am Sonntag bringt das Richard Spaven Trio Groove und Improvisation im Gretchen zusammen (20.30 Uhr, Obentrautstr. 19-21 Uhr, AK: 18 €), unterstützt vom Sänger Cleveland Watkiss und dem Ishmael Ensemble. Der Londoner Schlagzeuger Richard Spaven, der schon mit Flying Lotus, The Cinematic Orchestra, und Guru spielte, feierte auf seinem aktuellen Album „The Self“ (2017) seine Liebe zur Clubkultur; dementsprechend finden wohl auch an diesem Abend Broken Beats mit Jazzigem zusammen.

Ungewohnter, für hiesige Gehörgewohnheiten zumindest, aber mindestens ebenso spannungsreich dürfte die Mischung anmuten, die es am Dienstag mit Jambinai im Quasimodo (22.30 Uhr, Kantstraße 12a, 20,50 €) gibt. Das südkoreanische Quintett fusioniert Post-Rock, Elektronik und Droniges mit traditionellen Instrumenten und schafft eine wirklich eigene Interpretation von Post-Metal.