Dorothea Hahn über die geplatzten Gespräche mit den Taliban

Scheitern mit Ansage

Donald Trump hatte 18 Jahre nach den Attentaten vom 11. September für diese Woche eine weitere Selbstbeweihräucherung geplant. Nach Iran und Nordkorea wollte er dieses Mal den Friedensstifter in Afghanistan geben. Doch ihm misslang der Versuch, die Taliban nach Camp David zu holen. Am Montag nach dem Scheitern erklärte er die Friedensgespräche für „tot“.

Auch wenn ein Chor von MoralistInnen in Washington vorgibt, das anders zu sehen, ist grundsätzlich nichts gegen Gespräche mit den Taliban einzuwenden. Im Gegenteil: Wer einen Krieg, und insbesondere einen, der sich nachweislich nicht auf dem Schlachtfeld gewinnen lässt, beenden will, kommt nicht umhin, mit seinen Feinden zu reden. Aber die Frage ist, wer die Gespräche führt, welche Motive und Interessen dahinterstecken und welche Glaubwürdigkeit sie haben. Im Fall des gescheiterten Treffens haben die USA ein Jahr lang Vorgespräche allein mit den reaktionärsten Kräften Afghanistans geführt. Weite Teile der afghanischen Gesellschaft – von den verschiedenen ethnischen und politischen Gruppen bis hin selbst zu dem gewählten afghanischen Präsidenten – waren davon ausgeschlossen.

Trumps Begründung, wegen eines getöteten US-Soldaten, habe er das Treffen abgesagt, ist absurd. Beide Seiten haben versucht, mit Töten ihre Verhandlungsposition zu stärken. Trumps Außenminister brüstet sich mit mehr als 1.000 toten Taliban binnen weniger Wochen. Die Gründe für das Scheitern liegen anderswo, insbesondere bei dem Widerstand aus den Kreisen amerikanischer Generäle und bei Trumps Sicherheitsberatern.

Entscheidend ist das alles nicht. Denn das verhinderte Abkommen hätte die Bezeichnung „Frieden“ nicht verdient. Von allen Akteuren sind die USA und die Taliban diejenigen, denen frau am wenigsten trauen kann. „Friedensgespräche“ über Afghanistan müssen anderswo und mit einer anderen Moderation und anderen Beteiligten – zu denen natürlich auch die Taliban gehören müssen – stattfinden.