das portrait

Dennis Aogo spielt jetzt für Hannover 96

Will unter Beweis stellen, dass auf ihn Verlass ist: Dennis Aogo Foto: Rolf Vennenbernd

Diese nächste Chance könnte seine letzte sein. Dennis Aogo, zuletzt ohne Verein und spontan zu Hannover 96 gewechselt, ist 32 Jahre alt. Er blickt auf eine wechselhafte Fußballkarriere zurück. Er war in der 1. Bundesliga und Champions League am Ball. FC Schalke 04, Hamburger SV, VfB Stuttgart: Das sind prominente Arbeitgeber. Der Spezialist für Aufgaben im Mittelfeld war bei der Weltmeisterschaft 2010 sogar in der deutschen Nationalmannschaft am Ball. Dass Aogo jetzt für den Zweitligisten Hannover spielt, wirft Fragen auf. Er selbst sucht gerade aktiv nach der Antwort darauf, warum seine Laufbahn so viele unnötige Kurven hatte.

Um es positiv zu erklären: Aogo und Hannover 96 können voneinander profitieren. Der Verein unternimmt den Versuch, mit einem sparsamen Kurs ein starkes Team aufzubauen. Und der Spieler will unter Beweis stellen, dass auf ihn Verlass ist. Sein Talent ist unbestritten. Dem Spiel von Hannover 96 könnte Aogo mehr Stabilität verleihen. Dafür müsste er allerdings bereit sein, sich zu schinden, einzuordnen und konsequent zu arbeiten. „Ich hatte nicht die hundertprozentige Professionalität“ – diesen selbstkritischen Satz hat Aogo vor kurzem in der TV-Sendung „Doppelpass“ fallen lassen. Er klang dabei wie einer, der seine Lektion gelernt hat und den vielen verpassten Chancen kleinlaut hinterhertrauert.

Einer guten Ausbildung als Fußballer war ein steiler Karriereverlauf gefolgt. Alles hatte so gut begonnen, nachdem Aogo beim SC Freiburg ersten Erfolge gefeiert hatte. Aber in seiner bisherigen Karriere sollte er 21 verschiedenen Trainern gehorchen. Das habe für Stress und Unruhe gesorgt. Andererseits war in seiner Vita auch deshalb so manches durcheinander, weil der dauerhafte Erfolg ausblieb. Beim FC Schalke 04 wurde sein auslaufender Vertrag nicht verlängert. Zuletzt beim VfB Stuttgart auch nicht. Aogo war angesichts seiner Leistungen schlichtweg nicht mehr gefragt. So sieht sein Karriereverlauf aus, wenn man ihn negativ erklärt.

In jedem Fall sorgt die Personalie für Schlagzeilen, weil sie mit Glamour verbunden ist. Aogo neigt zu einer Selbstdarstellung in den sozialen Medien, die nicht jeder mag. Der Einblick in Luxusurlaube und Selfies in extravaganter Kleidung lassen tief blicken. Auf diesem Klavier spielt auch Aogos Frau Ina sehr laut, die sich gerne inszeniert. All das wird dafür sorgen, dass Hannover 96 in der 2. Liga mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Es wäre für alle Beteiligten wünschenswert, wenn sich das mit sportlichem Erfolg verbinden ließe. Christian Otto