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Auftritt des Alten

Achtung, der Patriarch spricht: Warum Uli Hoeneß die Rolle des Erblassers nicht wirklich liegt

Wer Uli Hoeneß ist und wie Uli Hoeneß sich sieht, konnte man ganz gut am Setting der Pressekonferenz ablesen. Hoeneß saß allein auf dem Podium. Es war nichts zu sehen von seinen Nachfolgern. Weder der kommende Chef des Aufsichtsrats, Herbert Hainer, hatte am Freitagmittag vor der versammelten Münchner Presse Platz genommen noch Oliver Kahn, der als künftiger CEO (ab 2022) bald schon in den Vorstand der FC Bayern AG aufrückt und dort zunächst erst einmal das ganz große Fußballbusiness lernen soll.

Es ging nur um den Uli.

Nun könnte man sagen, das hat sich der Patriarch von der Säbener Straße nach so vielen Jahren der Aufopferung und des unterbrochenen Nachtschlafs verdient. Aber hätten dem künftigen Erblasser nicht Ratgeber in seinem Umfeld einflüstern können, dass nicht nur eine symbolische, sondern die tatsächliche Übergabe des Staffelstabs vor klickenden Kameras und eingeschaltetem Rotlicht die bessere Botschaft an Erben und Medien gewesen wäre?

Schon klar: Dieser Mann verkörpert den Verein wie kein Zweiter. Er ist Fleisch vom Fleische des deutschen Serienmeisters, symbiotisch mit ihm verwachsen in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Warum sollte er seinen spätherbstlichen Ruhm mit Nachfolgern da oben auf dem Podium teilen?

Warum? Weil es eine Geste der praktischen Vernunft gewesen wäre. Weil Unternehmenskommunikation heute so läuft. Weil der Auftritt als Trio als Zeichen hätte gedeutet werden können, wie ernst es dem nunmehr 67-Jährigen ist, die Macht an Jüngere zu übergeben, auch wenn der ehemalige Adidas-Chef Herbert Hainer auch schon im Rentenalter ist. So hielt der Alte noch einmal Hof, und es mischte sich der Anachronismus eines Modernitätsverweigerers („Ich war noch nie im Internet“) mit der Bauernschläue eines Geschäftemachers.

Er war halt so, wie man ihn kennt: durchtrieben, charmierend, resolut. Und bald schon wird er (fast) weg sein, den Laden übergeben haben, das alles „total sauber und ruhig vorbereitet“, wie Hoeneß in der Rolle eines abgeklärten Organisationsentwicklers verkündete. Es brauche ihn nun nicht mehr, ließ Uli Hoeneß wissen, weil der Klub auch ohne ihn so voller „Saft und Kraft“ stecke. Aber das wird man sehen, weil Hoeneß natürlich auch die Besonderheit des FC Bayern verkörpert als ein Scharnier zwischen der kalten Geschäftstüchtigkeit von manchmal fußballfernen Anzugträgern und dem oftmals grummelnden und verwöhnten Bauch der Roten.

Uli Hoeneß war halt auch diesmal so, wie man ihn kennt: durchtrieben, charmierend, resolut

Uli Hoeneß wollte der nun offiziellen Ankündigung seines schleichenden Rückzugs nichts Hektisches oder Übereiltes geben, weswegen er nicht nur sagte, der Verein ruhe in sich selbst, nein, er suchte wohl auch, allen Zuschauern dieses Bild zu vermitteln: Da ruht einer in sich, quasi wie der Buddha von Bad Wiessee, übergibt wohlüberlegt die gut laufenden Geschäfte an Leute, die die DNA des Vereins tragen. Das mag so sein. Aber neben ihm sitzen durften die Neuen noch nicht.

Speziell Oliver Kahn wird vielleicht ganz froh darüber gewesen sein, denn wie der Alte über den künftigen Boss des FC Bayern München sprach, das war vom gleichen Schlag, wie ein Handwerksmeister über den Lehrling spricht. Markus Völker