Unteilbar auf Sächsisch

Eine Woche vor den Landtagswahlen demonstrierten rund 40.000 Menschen in Dresden für eine solidarische und vielfältige Gesellschaft

Fotos: Christian Mang

Aus Dresden von Malene Gürgen

40.000 Menschen auf den Straßen Dresdens und keine einzige Deutschlandfahne: Das schaffte am Samstag die Unteilbar-Demonstration in der sächsischen Landeshauptstadt. Mit einer der größten Demonstrationen Dresdens seit der Wende – die flüchtlingsfeindliche Mobilisierung Pegida konnte zu ihren Hochzeiten im Winter 2014/15 rund 25.000 Menschen versammeln – setzen die Organisatoren und Teilnehmer eine Woche vor den sächsischen Landtagswahlen ein Zeichen für eine solidarische und vielfältige Gesellschaft.

Bei strahlendem Spätsommerwetter zogen die Demonstranten in thematisch aufgeteilten Blöcken durch die Stadt: Menschen aus Flüchtlingsinitiativen und Gewerkschaften, aus feministischen, gesundheitspolitischen und antifaschistischen Gruppen, Kirchengemeinden und Umweltorganisationen fanden auf der Demonstration ihren Platz und gleichzeitig einen gemeinsamen Ausdruck. Dazu kamen zahlreiche Menschen, die keiner politischen oder sonstigen Organisation angehörten, viele von ihnen aus Dresden: Von den 40.000 Demonstranten waren nur rund 4.000 mit Bussen und einem Sonderzug aus anderen deutschen Städten angereist.

Die Teilnehmerzahl übertraf die Erwartungen der Veranstalter, einem Bündnis aus rund 400 Organisationen, das 25.000 Demonstranten angemeldet hatte. „Unteilbar in Dresden war mehr als ein Zeichen“, sagte Felix Müller, einer der Bündnissprecher, der taz. „Es war eine deutliche Ansage: An uns allen, die wir für ein solidarisches Miteinander einstehen, führt kein Weg vorbei.“ Mit der Demo hätten die Teilnehmenden klargestellt, dass sie sich nicht gegeneinander ausspielen ließen. „Wir wissen: Der Rechtsruck in Politik und Gesellschaft ist kein Naturgesetz, sondern aufzuhalten, wenn wir gemeinsam politisch handeln.“

Während SPD, Grüne und Linke an der Demonstration teilnehmen, geriet die CDU unter Rechtfertigungsdruck, weil sie der Veranstaltung fernblieb. Ministerpräsident Michael Kretschmer, der das im Vorfeld mit der Teilnahme „der Antifa“ verbreitete, sagte am Samstagabend, er zolle den Teilnehmern Respekt und finde es richtig, wenn Menschen „die Demokratie und den Rechtsstaat“ verteidigten. Aufgrund der inhaltlichen Unterschiede zwischen CDU und Unteilbar müsse es legitim sein, wenn seine Partei auf eine Teilnahme verzichte. Er habe aber „lange darüber nachgedacht, und es war keine einfache Entscheidung“, so Kretschmer.

Foto: Pascal Beucker

Auf der Abschlusskundgebung sprachen neben Rednerinnen und Rednern wie der Journalistin Carolin Emcke und dem Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, auch zahlreiche Vertreter der Dresdner Stadtgesellschaft, etwa Johann Casimir Eule, Chefdramaturg der Semperoper, oder Nora Goldenbogen, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden.

„Heute zeigen wir, dass dieses Land nicht den Nazis und den Hetzern gehört“, sagte die Anwältin Seda Basay-Yildiz, die selbst Opfer rechtsex­tremer Morddrohungen geworden war. Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) hatte zu Beginn der Demonstration auf dem Dresdner Altmarkt betont, von der Veranstaltung gehe ein „wichtiges Zeichen über die Grenzen von Sachsen hinweg“ aus.

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Fotos: Christian Mang

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