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Die Dealmaker von der Säbener Straße

Bayern München transferiert noch einmal mächtig. Aber lassen sich damit strategische Fehler kaschieren?

Es gehört zu den Absurditäten des Profifußballs, dass hierzulande die sogenannte Transferperiode bis zum 2. September reicht und damit hinein in die Hinrunde der Bundesliga, immerhin bis zum 3. Spieltag. Merkwürdig ist auch, dass europaweit kein einheitliches Ende der Sommertransfers festgesetzt wurde und beispielsweise die englische Premier League schon am 8. August ihre Aktivitäten in dieser Hinsicht einstellte.

Wie unterschiedlich die Termine auch immer sind, eines ist gewiss: Es wird stets mehr Geld ausgegeben, nur in Deutschland hält man bei der Beschleunigung des Marktgeschehens nicht mit, kann es vielleicht auch gar nicht. Unter den 30 teuersten Transfers dieses Sommers taucht nur ein deutscher Verein auf, der FC Bayern, zunächst mit der Verpflichtung von Lucas Hernández, den die Münchner über Marktwert für 80 Millionen Euro eingekauft haben; und für Benjamin Pavard haben sie – auch über Marktwert – 35 Millionen Euro ausgegeben.

Trotz dieser stattlichen Investitionen wurde bis zuletzt ein „Transferstau“ beim deutschen Meister diagnostiziert, eine verhandlungstechnische Obstipation, die vor allem am Zögern Leroy Sanés (Manchester City) lag, dem Wunschspieler des FC Bayern. Für ihn hätten die Festgeldkonto-Fetischisten aus München die Schallmauer von 100 Millionen Euro durchbrechen müssen, was einem Kulturbruch gleichgekommen wäre, waren doch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bisher immer der Meinung, der FC Bayern könne sich dem „Transferwahnsinn“ irgendwie entziehen. Aber weil der Sané-Transfer nicht zuletzt wegen der Kreuzband-Verletzung des Flügelstürmers platzte, stand Bayern ziemlich dumm da.

Hier und da lästerte man schon über das Verhandlungsgeschick der Bayern, das irgendwo zwischen Präpotenz und Bräsigkeit angesiedelt gewesen sein soll, aber jetzt, kurz vor Schluss, haben sie dann doch noch mal ordentlich drauflos transferiert: Philippe Coutinho kommt vom FC Barcelona auf Leihbasis, obendrein Michaël Cuisance (fünf Millionen) und Ivan Perisic (auf Leihbasis). Uli Hoeneß verkündete am Wochenende, jetzt sei der Bayern-Kader „so komplett oder so gut aufgestellt“, wie er sich das vorgestellt habe: „Wir hatten Anfang Juli einen zu kleinen Kader. Den haben wir jetzt durch drei Transfers in den letzten Wochen oder Tagen aufgefüllt, und ich glaube, auch mit Qualität aufgefüllt.“

Ob der FC Bayern in Torschlusspanik wirklich auf Klasse und nicht auf Masse gesetzt hat, muss sich im Saisonverlauf erst noch erweisen, denn Mittelfeldmann Coutinho hatte in Barcelona keine gute Zeit, bisweilen wurde er vom kritischen Publikum ausgepfiffen. Coutinhos Ansprüche könnten mit denen von Thomas Müller und dem ohnehin schon maulenden Renato Sanches kollidieren. Zudem: Pavard, Cuisance und Perisic sind sicherlich gute Fußballer, aber ob sie höchsten Ansprüchen genügen, ist doch eher zweifelhaft.

Hoffnung auf die Auflösung einer verhandlungs- technischen Obstipation

Während sich der FC Bayern nach seinem Sommer der verspäteten Deals erst noch als Team finden muss, hat Borussia Dortmund schon einmal vorgelegt. Die strategisch gut verstärkte Mannschaft gewann locker und leicht mit 5:1 gegen den FC Augsburg. Die Neuzugänge Mats Hummels, Thorgan Hazard und Nico Schulz machten allesamt kein schlechtes Spiel. Der BVB ist strategisch im Vorteil, und es könnte gut sein, dass sich die Schwarz-Gelben nicht noch einmal die Butter vom Brot nehmen lassen. Die Altvorderen des FC Bayern München müssten sich dann eine gewisse Tapsigkeit vorwerfen lassen. Markus Völker