Das kommt

Schlanker Abriss in Brunsbüttel

„Der Atomausstieg wird nun auch für jedermann sichtbar“

Jan Philipp Albrecht, grüner Energieminister von Schleswig-Holstein

Karsten Hinrichsen ist nicht zufrieden mit dem Ergebnis. „Die Reduktion ist zu gering, das ist kein Erfolg“, sagt die langjährige Ikone des Widerstands gegen die Atomkraftwerke an der Unterelbe. Die jetzigen Pläne für den Rückbau des Vattenfall-Atommeilers Brunsbüttel seien noch immer „voller unnötiger Belastungen für Mitarbeiter, Anwohner und Umwelt“. Und deshalb gehört Hinrichsen zu den Kritikern, über deren Einwendungen gegen Details der Abrisspläne am Dienstag und Mittwoch nächster Woche in Itzehoe verhandelt wird. An die 5.000 Einsprüche von Anwohnern und Verbänden werden im Theater der Kreisstadt erörtert.

Konkret geht es in erster Linie um die „Erteilung einer gehobenen wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung von erwärmten Kühl- und Abwasser“ in die Elbe, wie es in schönstem Amtsdeutsch heißt. Hinrichsen und andere Atomkritiker bemängeln, dass die Menge radioaktiver Stoffe, die mit dem Kühlwasser in die Elbe eingeleitet wird, genauso hoch sein soll wie während des Betriebs des Reaktors. „Der Tenor von Vattenfall ist: Je mehr radioaktiven Abfall wir in die Umwelt entlassen können, umso weniger kostet uns die Entsorgung“, lautet seine Interpretation: „Das Ziel ist ein sehr schlanker Abriss.“

Ende vorigen Jahres hatte Schleswig-Holsteins grüner Energieminister Jan Phi­lipp Albrecht den mehr als 700 Seiten dicken Genehmigungsbescheid für den „Rückbau“, wie die Demontage des Meilers offiziell heißt, an Pieter Wasmuth, Norddeutschland-Chef von Betreiber Vattenfall, überreicht. „Der Atomausstieg wird nun auch für jedermann sichtbar“, sagte Albrecht damals. Denn nun beginne die letzte Etappe für den ältesten Atomreaktor im nördlichsten Bundesland: Mitte der 2030er-Jahre werde „eine grüne Wiese an der Stelle des Kraftwerks“ sein, versprach Wasmuth.

Von einer „guten und tragfähigen Lösung“ sprach Al­brecht damals. Die Möglichkeit, radioaktive Abwässer in die Elbe einzuleiten, werde deutlich reduziert. „Das wird zu einem positiven und möglichst reibungslosen Verlauf von Stilllegung und Abbau des Kraftwerks beitragen.“

Aber nicht zur Besänftigung von Karsten Hinrichsen: „Ich hätte gern mehr erreicht“, sagt er. Und will das nächste Woche erneut versuchen. Sven-Michael Veit